Der Sportwettenmarkt in Deutschland bricht alle Wachstumsrekorde

Gastbeitrag

Wie aus einem Bericht des Deutschen Sportwettenverbandes (DSWV) hervorgeht, konnte der deutsche Sportwettenmarkt im zurückliegenden Jahr 2019 neue Rekorde in Bezug auf die generierten Umsätze und Steuerausgaben generieren. Demnach betrug das Wachstum im Vergleich zum Jahr 2018 bei den Umsätzen satte 21 Prozent und erreichte mit 9,3 Milliarden Euro einen neuen Allzeitrekord. Parallel profitierte der Fiskus, der zuletzt im Jahr 2018 bereits 384 Millionen Euro Steuern auf diesem Wege eingenommen hatte. Die künftige Entwicklung soll weiterhin progressiv verlaufen – nicht zuletzt auch aufgrund der intendierten Liberalisierung des Marktes.

Deutscher Sportwettenmarkt im Jahr 2019 mit 9,3 Milliarden Euro Umsatz

Höher, weiter schneller – so oder so ähnlich könnte man die Entwicklung nicht nur auf dem deutschen Sportwettenmarkt zusammenfassen, die in den letzten Jahren stattgefunden hat. Wie dieses Portal berichtete, gelang es der Branche, im Jahr 2019 einen neuen Umsatzrekord bzw. Höchststand bei den Wetteinsätzen zu erwirtschaften. Demnach kamen 9,3 Milliarden Euro zusammen, was im Vergleich zum Jahr 2018 einem Plus von 21 Prozent entspreche.

Besonders bemerkenswert ist in diesem Kontext der Anstieg in Ermangelung von Events wie der Fußball-WM oder -EM, zu denen naturgemäß deutlich mehr Sportwetten abgeschlossen werden als üblich. Trotzdem, und auch das förderte der Report zutage, wurden 90% des Gesamtumsatzes mit dem Abschluss von Fußballwetten erwirtschaftet. Für diese Entwicklung fand Mathias Dahms, seines Zeichens Präsident des Deutschen Sportwettenverbandes, deutliche Worte:

„Die Sportwette ist in Deutschland in der Mitte der Gesellschaft angekommen und zur beliebten Freizeitbeschäftigung avanciert.“

In diesem Kontext stellt sich die Frage, was die Faszination an Sportwetten überhaupt ausmacht. Ein gewichtiger Faktor ist die leichte Verfügbarkeit, die sich im Zuge der seit gut 25 Jahren stattfindenden Digitalisierung der Branche immer weiter verstärkt hat. Aktuell können Wetten zu jeder Tages- und Nachtzeit von nahezu jedem beliebigen Standort aus abgeschlossen werden. Einzig benötigt wird hierfür ein internetfähiges Gerät und ein entsprechendes Netz.

Weitere Faktoren, die die Faszination an Sportwetten ausmachen, sind:

  • Spaß am Wetten / mit Freunden
  • Mehr Nervenkitzel
  • Aussicht auf Geldgewinn

Deutscher Sportwettenverband verstärkte umgehend seine Führungsetage

Unter anderem aufgrund der eingangs dargestellten Entwicklung des deutschen Sportwettenmarktes hat der DSWV umgehend reagiert und seinen Vorstand ausgebaut. Konkret wurden zwei neue Führungskräfte in ihre Posten erhoben, wobei es sich einerseits um Jochen Weiner und andererseits um Christoph Nestelberger handelt. Weiner tritt die Nachfolge von Dr. Günter Schmid an, der bisher den Posten des Vizepräsidenten innehatte. Nestelberger dagegen ist Vertreter der bekannten GVC Group aus Großbritannien, zu der die nachstehenden Sportwettenanbieter gehören:

  1. bwin
  2. Ladbrokes Coral
  3. Sportingbet

Der erstgenannte Bookie bietet neben Sportwetten auch Online-Spiele an und firmiert als Public Limited Company unter der vollständigen Unternehmensbezeichnung Bwin.Party Digital Entertainment PLC. Gegründet im Jahr 1997 konnte der auf Gibraltar ansässige Anbieter schon anno 2014 einen Umsatz von 611,9 Millionen Euro generieren.

Eine noch längere Tradition weist die britische Sportwetten- und Glücksspielfirma Ladbrokes Coral auf, da sie bereits 1886 gegründet wurde. Das zuletzt vor vier Jahren 16.685 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen erwirtschaftete im selben Jahr 204,3 Millionen Pfund.

Demgegenüber wurde Sportingbet erst vor rund 20 Jahren in 1997 von Mark Blandford gegründet. Auch hier sind neben Sportwetten u.a. Poker und weitere Casino-Spiele im Angebot. Aktuelle Umsatzzahlen liegen nicht vor, jedoch betrug der Jahresüberschuss vor elf Jahren bereits 12,4 Millionen Pfund.

Zur offiziellen Begründung der erfolgten Verstärkung beim DSWV hieß es, man wolle den Verband durch erfahrene Industrieexperten verstärken, gerade im Hinblick auf die regulatorischen Weichenstellungen für die Sportwettenbranche, die unlängst stattgefunden haben. Gemeint ist damit der Trend zur Öffnung des Marktes, der sich schon seit vielen Jahren abgezeichnet hat – dazu später mehr.

So stark profitieren die deutschen Finanzämter von der Popularität der Sportwetten

Doch wer sind eigentlich die Profiteure des Sportwetten-Booms in Deutschland? Neben den Buchmachern sind es einerseits die Tipper selbst, andererseits die Finanzämter respektive der Fiskus. Während Wettfreunde sich über ein Angebot freuen dürfen, das in Sachen Umfang aufgrund der mannigfaltigen Konkurrenz im World Wide Web so in der Form noch nie vorher existierte, verbucht der deutsche Fiskus ebenfalls jedes Jahr Millioneneinnahmen.

Laut dem deutschen Finanzministerium haben sich die wettassoziierten Steuereinnahmen des Staates in der Zeitspanne von 2014 bis zum Jahr 2018 von 225 Millionen Euro auf 384 Millionen Euro erhöht.

Eingeführt wurde die Wettsteuer in Höhe von 5% im Juli des Jahres 2012. Während österreichische Wetter gar keine Steuer zahlen müssen, geht sie in Deutschland aus dem sogenannten Rennwett- und Lotteriegesetz hervor. Dennoch gibt es unterschiedliche Kostentragungsmodelle.

Üblicherweise wird die Wettsteuer direkt vom Wetteinsatz abgezogen. Wiederum andere Anbieter besteuern lediglich den Bruttogewinn. Außerdem gibt es noch Buchmacher, die die Wettsteuer gar nicht an ihre Kunden weitergeben. Sie sind mit einigen wenigen Ausnahmen, die sich in Ermangelung einer Lizenz selbst als unseriös kategorisieren, am beliebtesten.

Wie Sportwettenanbieter mit lukrativen Angeboten um die Gunst der Kunden buhlen

Zwei Fußballspieler bewegen sich auf den Ball zu.
Sportwettenfans gehen ihrem Hobby am liebsten bei Fußballspielen nach. Hier finden sie vielfältige Wettoptionen für alle populären Ligen und Wettbewerbe vor. Bildquelle: flooy / pixabay.com

 

Wie erwähnt nicht die Wettsteuer an die Kunden weiterzugeben, ist eines von vielen Instrumenten, derer sich moderne Buchmacher bedienen, um die Gunst der Tipper zu erhalten. Hand in Hand gehen damit insbesondere für Neukunden lukrative Bonusangebote. Diese lassen sich in verschiedene Kategorien und Typen einteilen:

 

Bonustyp Erläuterung
Startguthaben Wird unmittelbar nach Registrierung des Kunden auf sein Konto geladen, unabhängig von einer Einzahlung
Freebets Geeignet, um das Angebot eines Bookies unverbindlich kennenzulernen, auch hier keine Einzahlung erforderlich
100%-Bonus Üblicherweise Verdoppelung des eingezahlten Betrages, Limitierung je nach Anbieter unterschiedlich hoch

Obwohl vor allem entsprechend hohe 100%-Boni von Anbietern verlockend sein können, spielen bei der Wahl eines Buchmachers für Wettfreunde noch erheblich mehr Faktoren eine Rolle. Allem voran ist hier das konkrete (Live-) Wettangebot in seiner Breite und Tiefe zu nennen, in Verbindung mit den offerierten Quoten.

Weitere Punkte, die gute von schlechten Wettanbietern separieren, sind:

  • Gültige Lizenz
  • Vielfältige Zahlungsoptionen
  • Mehrkanalig erreichbarer, schneller Support
  • Existenz einer App oder Web App
  • Intuitives Design der Webseite
  • Schnelle Bearbeitung von Auszahlungen

Wer Sportwetten über das Internet abgeben möchte, sollte sich zunächst – sofern möglich – ein kostenloses Test- bzw. Demokonto einrichten, um das Angebot kennenzulernen. Parallel ist es ratsam, die Seriosität des Anbieters durch das Studieren von Rezensionen anderer Kunden zu validieren. Beim Wetten an sich ist auf eine stabile Internetverbindung zu achten, nebst einer initial nur geringen Zahl von Kombiwetten, um für den Anfang das Risiko zu minimieren.

 Welche Vorteile die Abgabe von Sportwetten im Internet für Kunden bereithält

Der eingangs dargestellte Siegeszug der primär webbasierten Sportwetten hat nicht nur in Deutschland damit zu tun, dass sich gegenüber der Abgabe von Tipps in Wettbüros – wie es früher Gang und Gebe war – zahlreiche Vorteile ergeben. Zum einen ist es so, dass das schon angesprochene Wettangebot im Internet aufgrund der deutlich größeren Anzahl verfügbarer Bookies erheblich umfangreicher ausfällt. Zum anderen kann auf nahezu jede Sportart und selbst auf ungewöhnliche Ereignisse gewettet werden.

Der zweite große Vorteil bei der Abgabe von Sportwetten im Internet ist die deutlich bessere Vergleichbarkeit von Quoten. Wer in einem Wettbüro tippt, hat nur wenige, wenn nicht gar keine Vergleichsmöglichkeiten und ist dadurch auf die Gunst des Büros angewiesen. Im Internet herrscht erheblich mehr Konkurrenzdruck und es gibt jede Menge dezidierte Seiten, die die Quoten für bestimmte sportliche Ereignisse wie Fußballspiele automatisch für Wettfreunde vergleichen.

Weitere Vorteile von Internet-Wetten sind exemplarisch:

  1. Möglichkeit der Abgabe von Surebets
  2. Erheblich höhere Limits und Gewinnoptionen
  3. Der schon erwähnte Wettbonus
  4. Komfort, Zeitersparnis und Flexibilität beim Wetten

Alles in allem spricht heutzutage nur noch wenig für das klassische Wettbüro – so zum Beispiel Aspekte wie Geselligkeit und der Austausch mit anderen Tippern.

Rechtliche Lage auf dem deutschen Sportwettenmarkt seit 2012 angespannt

Das wohl größte Problem, mit dem die Wettbranche in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten zu kämpfen hatte, ist die rechtliche Lage in Deutschland. Grundsatz war das staatliche Monopol, das beim Anbieter Oddset lag. 2012 wurde dann der Glücksspielstaatsvertrag lanciert, der eine Aufweichung des geschilderten Monopols intendierte und im Zuge dessen die Vergabe von maximal 20 Konzessionen sowohl für private, als auch für staatliche Anbieter von Sportwetten vorsah.

Schleswig-Holstein unterwarf sich als einziges deutsches Bundesland nicht dem Kontrakt und verabschiedete stattdessen sein eigenes „Gesetz zur Neuordnung des Glücksspiels“. Darin war vorgesehen, dass private Anbieter von Sportwetten für fünf Jahre Lizenzen erwerben können. Im Jahr 2013 trat das Bundesland im Rahmen eines Regierungswechsels dann aber doch dem Glücksspielstaatsvertrag bei, was die Gültigkeit der Sonderregelung beendete.

Kompliziert wurde es dann im Jahr 2015, als das Vergabeverfahren der 20 Konzessionen gerichtlich gekippt wurde, da es als zu intransparent gewertet wurde und gleichzeitig eine Verletzung der EU-weit geltenden Dienstleistungsfreiheit festgestellt worden war. Seitdem herrschte eine Blockade-Situation vor, die die Ausarbeitung eines neuen Glücksspielstaatsvertrages erforderlich machte. Zwischenzeitlich war der Zweite Glücksspielstaatsvertrag an der Zustimmung von NRW und Schleswig-Holstein gescheitert, sodass er nie in Kraft treten konnte.

Neuer Glücksspielstaatsvertrag soll ab Mitte 2021 Sportwetten aus Illegalität holen

Das Hauptgeschäft mit Sportwetten läuft derzeit in Deutschland über Anbieter, die ihren Geschäftssitz im EU-Ausland, beispielsweise auf Malta, Gibraltar oder der Isle of Man, haben. Die übrigen Angebote stammen von in Schleswig-Holstein lizenzierten Anbietern und richten sich vornehmlich an Tipper, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort in diesem Bundesland haben.

Es gibt jedoch einen Hoffnungsschimmer am Horizont, denn in länger andauernden Verhandlungen haben sich die deutschen Bundesländer im Januar 2020 auf einen Entwurf für einen neuen Glücksspielstaatsvertrag geeinigt, der eine Liberalisierung des gesamten Glücksspielmarktes vorsieht. Erläutert wird das Ganze in diesem Video:

Im Bezug auf Sportwetten ist konkret vorgesehen, dass die einstige Beschränkung auf 20 Lizenzen für private Anbieter aufgehoben wird. Gleichzeitig sollen zum Schutz der Spieler aber die monatlich möglichen Einzahlungen gedeckelt werden und zwar bei einer anbieterübergreifend geltenden Summe von 1.000 Euro.

Außerdem ist vorgesehen, dass die bei vielen Wettfreunden beliebten Over-/Under-Wetten auf die Toranzahl aus dem Programm genommen werden. Weitere wichtige, geplante Änderungen sind:

  1. Kein gleichzeitiger Login bei mehreren Buchmachern möglich
  2. Überwachung des Wettverhaltens von Wettkunden und Weitergabe ihrer Daten zur Prüfung
  3. Einschränkung von Livewette
  4. Keine Sportwettenwerbung zwischen 6 und 23 Uhr

Damit der neue Glücksspielstaatsvertrag planmäßig ab dem 1. Juli 2021 gelten kann, müssen ihm Anfang März noch die Ministerpräsidenten der Länder zustimmen, ehe er von den Landesparlamenten ratifiziert werden kann.

Amerika als Vorbild in Sachen Sportwett-Legalisierung zeigt wie es geht

Mann hält sein Smartphone in der Hand.
Wer im World Wide Web Sportwetten abgeben möchte, sollte den Anbieter genauestens selektieren. Unterschiede gibt es nicht nur beim Wettangebot, sondern auch bei Apps und Co. Bildquelle: NeiFo / pixabay.com

Insgesamt ist die intendierte Öffnung des Sportwettenmarktes in Deutschland von vielen Seiten begrüßt worden, während die Kritiker vor allem die geplanten, einschneidenden Restriktionen bei der Schaltung von Werbung bemängelten. Als Gegenpol zur Liberalisierung seien diese aber unumgänglich.

Was die Umsätze mit Sportwetten und die hieraus erzielten Steuereinnahmen für den Staat anbelangt, so ist mit einer weiterhin progressiv voranschreitenden Entwicklung zu rechnen – gerade, wenn der neue Glücksspielstaatsvertrag kommt wie geplant.

Orientieren kann man sich hier am bekannten, amerikanischen Vorbild. In Übersee wurde schon vor fast drei Jahren, im Mai 2017, das bundesweite Verbot für Sportwetten gekippt. Schnell florierten die Einnahmen, mittlerweile ist laut AGA ein Milliardenmarkt entstanden. Demnach gestalteten sich die Umsätze in den letzten zwei Jahren wie folgt:

 

Jahr Umsatz in Milliarden US-Dollar
2018 6,6
2019 13,0

In den USA gibt es derzeit 17 Sportwettgesetze. Für das Jahr 2020 rechnen Experten mit einer voranschreitenden Liberalisierung der Branche unter entsprechenden Auflagen. Kolportiert werden in diesem Zusammenhang sechs weitere Bundesstaaten, die sich dem global stark wachsenden Markt schon in Kürze anschließen könnten.

Was bleibt, ist somit nicht mehr die Frage, ob sich Deutschland flächendeckend dem Sportwettenmarkt öffnen wird, sondern nur noch wann.

Weitere Informationen zu dem Thema finden Sie unter Glücksspielvertrag.