Der Videobeweis in der Bundesliga: Wird alles gerechter?

von Martin Konrad

Die österreichische Fußball-Bundesliga bekommt ab 2021 den Videobeweis.  Damit wird in eineinhalb Jahren in den österreichischen Stadien jene Technik angewendet, die in vergleichbaren Ligen wie Portugal, Holland oder Schweiz bereits jetzt Woche für Woche Realität ist.  Das ist somit ein notwendiger und logischer Schritt für den österreichischen Fußball, heißt es bei den verantwortlichen Funktionären und „der Fußball werde dadurch gerechter!“

Aber stimmt das wirklich? Ist der Fußball in jenen Bewerben, die den VAR (Video-Assistant-Referee) einsetzen, gerechter geworden? Gerechtigkeit ist laut Duden „ein Verhalten, das jedem gleichermaßen sein Recht gewährt“. Durch den Videobeweis gibt es zweifellos weniger Fehlentscheidungen, aber bedeutet das auch mehr Gerechtigkeit?

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Der Videobeweis hat Grenzen: Es wird nicht jede Entscheidung überprüft, sondern es werden – wie von der FIFA vorgegeben – nur „relevante“ Spielsituationen (Tor, Elfmeter, Rot-Foul, Verwechslung bei persönlicher Strafe) untersucht. Eine fehlerhafte Freistoßentscheidung, ein zu Unrecht gegebener Eckball mit Torfolge bleibt somit weiterhin möglich! Auch bei einer überzogenen Gelb-Roten Karte darf der Videoschiedsrichter nicht „eingreifen“, weil es sich um „Ermessensentscheidungen“ handelt. Diese Interpretationsentscheidungen gelten selbst für alle Strafraumsituationen (Foul- oder das vieldiskutierte Handspiel), weil der VAR nur bei klaren Vergehen mitwirken darf!

Dazu kommt der Zeitdruck, der bei der Urteilsfindung herrscht, sowie die Qualität und Auswahl der Bilder, die zur Verfügung stehen. Und, nicht zu vergessen, die Verzerrungen, die diverse (Super-)Zeitlupen mit sich bringen.

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Die Gerechtigkeit bzw. Objektivität, die der „Videobeweis“ suggeriert, kann selbst mithilfe höchster technischer Standards nicht erreicht werden. Es wird weniger Fehlentscheidungen geben – ja! Aber das bedeutet in Summe noch lange nicht, dass dadurch jedes Spiel für jede Mannschaft auch gleichermaßen gerecht endet.

Der Videobeweis ist ein wertvolles Hilfsmittel; nicht mehr und nicht weniger. Der Fußball wird aber weiterhin von Fehlentscheidungen geprägt sein – übrigens auch von jenen, die Spieler und Trainer machen…

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Beitragsbild: GEPA