Deutsche Bundesliga in finanzieller Krise: Coronavirus bedroht die Existenz von Vereinen

via Sky Sport Austria

In der deutschen Bundesliga wird aller Voraussicht nach bis mindestens zum 30. April dieses Jahres der komplette Spielbetrieb stillgelegt. Das zumindest hat das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga seinen Mitgliedern aufgrund der sich nach wie vor ausbreitenden Corona-Krise kürzlich vorgeschlagen. Bereits der 26. und 27. Spieltag waren wegen der Pandemie und dem damit verbundenen Ansteckungsrisiko bei Massenveranstaltungen abgesagt respektive verschoben worden. Die ersten Vereine bangen durch die ausbleibenden Einnahmen mittlerweile schon um ihre Existenz. Dass sich die Lage in Kürze entspannen wird, gilt als unwahrscheinlich.

Unterbrechung der deutschen Fußball-Bundesliga bis zum 30. April wahrscheinlich

Ende des Jahres 2019 ist das Coronavirus zuerst in der chinesischen Millionenstadt Wuhan offenbar auf einem Wildtiermarkt ausgebrochen und hat sich infolgedessen, nachdem es die Mensch-Tier-Schranke durchbrochen hatte, rasant auf dem gesamten Globus verbreitet. Bislang sind die Auswirkungen verheerend und betreffen neben dem öffentlichen Leben vor allem auch den Sport. Da in Deutschland mittlerweile mehr als 33.000 Fälle und 163 Tote zu beklagen sind, ist die dortige Fußball-Bundesliga längst ausgesetzt. Nachdem der 26. und 27. Spieltag ausgefallen waren, hatte man geplant, den Spielbetrieb Anfang April wieder aufnehmen zu können.

Inzwischen gilt dieses Ziel als utopisch. Unlängst hat deshalb das Präsidium der Deutschen Fußball-Liga seinen Mitgliedern vorgeschlagen, die Unterbrechung der Saison bis zum 30. April fortzusetzen.

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Medienberichten zufolge soll sogar erst ab Mitte Mai der Ball wieder rollen. Diese Entscheidung geht mit drastischen finanziellen Einschnitten für sämtliche Fußball-Klubs der ersten deutschen Ligen einher. Insbesondere kleinere Vereine bangen bereits um ihre Existenz.

Priorisiert sind derweil andere Entscheidungen. So hat sich die Bundesrepublik Deutschland darauf verständigt, ein milliardenschweres Hilfspaket zu schnüren, um die immanente Rezessionsgefahr abfedern zu können. Konkret sind verschiedene Liquiditätshilfen für Unternehmen vorgesehen, wobei diese von Bundesland zu Bundesland differieren. Allgemein können sich alle Firmen, die die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus zu spüren bekommen, an das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie wenden. Was die Maßnahmen der einzelnen Bundesländer anbelangt, so bestehen diese zum Beispiel aus Steuerstundungen, steuerlichen Erleichterungen sowie entsprechenden Hilfsangeboten.

Aussichten der Profi-Klubs auf finanzielle Unterstützung durch den Bund sind vage

Was die Unterstützung der Profi-Klubs im Fußball anbelangt, so hatte es lange Zeit danach ausgesehen, dass die Chancen diesbezüglich schlecht sind. Sowohl das Bundesinnenministerium als auch das Wirtschaftsministerium erteilten dem professionell organisierten Fußball in Deutschland eine recht deutliche Absage. Der deutsche Sport sei grundsätzlich autonom organisiert und erhielte nur dann Förderungen, wenn die eigenen Finanzierungsmöglichkeiten voll ausgeschöpft seien.

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Ein anderes Bild ergab sich unterdes beim DFB, welcher Verbänden und Vereinen Finanzhilfen in Aussicht stellte. Man erlebe in Deutschland derzeit eine Situation, die den organisierten Sport und alle Beteiligten vor riesige Herausforderungen stelle. Daher würde der Deutsche Fußballbund Darlehen zu Verfügung stellen, um möglichst viele Insolvenzen von Vereinen vermeiden zu können. Eine Absage wurde dagegen Amateur-Klubs erteilt, welche aus rechtlichen Gründen kein entsprechendes Sonderdarlehen des DFB erhalten könnten. Vereine der Regionalliga und in ähnlichen Spielklassen aktive Klubs gingen demzufolge leer aus.

Bitter nötig wäre eine entsprechende Unterstützung, wenn das eintreten würde, was führende Virologen angesichts der Pandemie prophezeien. Zum Teil wird nach derzeitigem Stand der Dinge damit gerechnet, dass in Deutschland erst wieder im nächsten Jahr Fußball gespielt werden wird. Grund für diese Prognose ist die allgemeine Entwicklung in Europa, welche mittlerweile zur Absage der Fußball-EM und Verschiebung der Olympischen Sommerspiele geführt hat.

Fußball-Klubs der dritten Liga sind besonders stark von den Auswirkungen betroffen

Besonders stark von finanziellen Engpässen sind in Deutschlands Fußball-Ligen momentan kleinere Vereine der zweiten und dritten Bundesliga betroffen. So hatte kürzlich der Drittliga-Klub Hallesche FC Finanzhilfen für die gesamte Liga gefordert, ohne diese in Zukunft wieder zurückzahlen zu müssen. Manuel Hartmann, seines Zeichens Ligaleiter beim DFB, schloss diese Form der Unterstützung jedoch umgehend aus. Man könne keine direkten Zuschüsse an Klubs geben.

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Der Hallesche FC zeigte sich über diese Aussage sehr enttäuscht, da in der jetzigen Phase keine Darlehen benötigt würden, sondern stattdessen nicht rückzahlungspflichtige Hilfen. Hartmann untermauerte die „Absage“ damit, dass man selbst nur die zweite Instanz sei und zuvor die staatlichen Möglichkeiten ausgeschöpft werden müssten. Einige Vereine seien demnach bereits dazu übergegangen, Kurzarbeitergeld zu beanspruchen.

Gleichfalls signalisierte der DFB, dass man künftig die Anforderungen an einen Verbleib in der dritten Liga etwas senken wolle, da man sich der finanziellen Konsequenzen durch die Corona-Krise für kleinere Vereine bewusst sei. Im Gegensatz zu Vereinen der ersten Bundesliga finanzieren sich jene der unteren Ligen vor allem aus Einnahmen aus Ticketverkäufen an den jeweiligen Spieltagen. Durch die Geisterspiele, die bereits stattgefunden hatten, waren Einnahmen in signifikanter Höhe weggebrochen.

Spieler und Funktionäre prominenter Erstliga-Klubs verzichten auf Teile ihres Gehalts

Aufgrund der erheblich höheren Einnahmen ist die finanzielle Lage bei den Vereinen der ersten Fußball-Bundesliga derzeit geringfügig entspannter. Viele Klubs haben sich mittlerweile mit ihren Funktionären und Spielern darauf verständigt, vorübergehend verminderte Gehälter auszuzahlen. Bei Borussia Dortmund verzichteten die Profis freiwillig auf einen Teil ihres Salärs, was der Geschäftsführer, Hans-Joachim Watzke, als „wertvolles Zeichen der Solidarität“ bezeichnete. Gleichzeitig machen beim Ruhrpott-Klub auch der Trainer Lucien Favre, der Sportdirektor Michael Zorc und der Lizenzspielerchef Sebastian Kehl vor wie es geht, indem sie beim Gehalt Abstriche machen.

Wie kürzlich durchgesickert ist, wird beim FC Bayern München eine ähnliche Linie gefahren. Demnach haben sich die Spieler sowie der Aufsichtsrat und Vorstand des Rekordmeisters darauf geeinigt, auf 20 % ihrer Bezüge zu verzichten. Entsprechendes gibt es außerdem von Werder Bremen zu vermelden. Allerdings boten die Spieler, Trainer und Bosse hier sogar an, freiwillig auf ihr komplettes Gehalt zu verzichten.

Kritisiert wird unterdes von Experten, dass überhaupt derartig einschneidende Maßnahmen erforderlich sind. All die Milliardenhonorare, die seit Jahren und Jahrzehnten gezahlt würden, hätten längst zu einer ausgeprägten Wertschöpfung führen können, welche sich nun bezahlt machen würde. Stattdessen verbrenne der Profifußball nachhaltig Geld als Ressource, die eben nur scheinbar permanenter respektive unerschöpflicher Natur sei.

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Beitragsbild: moerschy / pixabay.com