Die Bayern entzaubert, die Königsklasse im Blick: Frankfurt reitet auf der Euphoriewelle
Eintracht Frankfurt bleibt die Mannschaft der Stunde und lässt sich nicht einmal von den Bayern bremsen. Der Traum von der Königsklasse rückt immer näher.
Nach dem Sensationscoup gegen die scheinbar übermächtigen „Sixpack“-Bayern wirkte selbst Adi Hütter emotional überwältigt. Es fehle, solche Siege mit unseren Fans zu feiern, gab der sichtlich gerührte Trainer von Eintracht Frankfurt zu: „Nach dem Spiel wäre hier das Dach weggeflogen.“ Stattdessen genoss der Österreicher die eindrucksvolle Bilanz und die herausragende Position im Rennen um die Königsklasse bei einem Glas Wein.
„Wir sind mega stolz und hoffen, dass wir im Flow bleiben“
Die Euphorie und die Lust auf die erstmalige Teilnahme an der Champions League sind rund um den Frankfurter Stadtwald kaum mehr zu bremsen – nach dem mitreißenden 2:1 (2:0) gegen Rekordmeister Bayern München bildete sich rund um die Arena gar ein kleiner Autokorso. Hütter schwärmte von „Bonuspunkten“, die zusätzliche „Kraft und Power“ geben sollen. „Wir sind mega stolz und hoffen, dass wir im Flow bleiben“, sagte der 51-Jährige.
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Momentan spricht nahezu alles dafür, dass die Mannschaft der Stunde ihre beeindruckende Form mitnehmen kann – schließlich sind die Fakten eindeutig. Die Eintracht ist in diesem Jahr noch ungeschlagen und mit 25 Punkten das mit Abstand beste Team. Dazu jagen die Adlerträger etliche Vereinsrekorde: Gegen den Klub-Weltmeister trafen die Frankfurter zum elften Mal nacheinander doppelt und stellten die Bestmarke aus dem Jahr 1977 ein.
Und auch abseits des Sportlichen zeigt die Eintracht derzeit große Klasse. Vor dem Spiel hatte das Team beim Aufwärmen mit speziellen T-Shirts an die Ermordeten des rassistisch motivierten Anschlags in Hanau vor einem Jahr erinnert. Dazu jubelte Amin Younes nach seinem Treffer mit einem Shirt, auf dem das Gesicht und der Name eines der neun Opfer gedruckt war.
Welche Wucht die Hessen in diesen Tagen entwickeln, spürte auch die Mannschaft von Trainer Hansi Flick im ersten Durchgang. Die Eintracht überzeugte mit spielerischer Klasse, unbändigem Willen und Toren durch Daichi Kamada (12.) und den überragenden Younes (31.). Vor der Pause habe die Mannschaft „fantastisch gespielt“, schwärmte Younes, der vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw Eigenwerbung betrieb.
Hütter: „Jetzt sind wir die Gejagten“
Teilweise wurden die Erinnerungen an die 5:1-Klatsche in der Vorsaison wach, die Flicks Vorgänger Niko Kovac den Job gekostet hatte. Selbst den kurzfristigen Ausfall von Andre Silva, dem zweitbesten Torjäger der Liga, steckten die Frankfurter scheinbar unbeeindruckt weg. Erst Robert Lewandowskis (53.) Anschluss und die Drangphase der Bayern vor dem Ende sorgten für etwas Verunsicherung bei den derzeitigen Überfliegern, die zum elften Mal ungeschlagen blieben.
Hütter hatte dennoch ein „unglaublich dominantes Spiel“ seiner Elf gesehen, das die Hoffnungen weiter befeuert. Punktgleich mit dem VfL Wolfsburg liegt die Eintracht auf Rang vier. Die Tabellensituation sei verlockend, sagte Sportvorstand Fredi Bobic, der aber vor verfrühtem Jubel warnte: „Es spricht jeder von der Champions League, es ist aber noch ein langer Weg. Jetzt sind wir die Gejagten.“
(SID) / Bild: Imago

