Die Form passt: Österreich will bei Olympia wieder aufzeigen
Österreichs Wintersport wird ein kampfstarkes Team bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d’Ampezzo stellen. Zwar stehen hinter der aktuellen Form einiger Leistungsträgerinnen und Leistungsträger noch ein paar Fragezeichen, allerdings streben auch neue Namen nach Ruhm und Ehre. Vor vier Jahren in Peking wurden je sieben Medaillen in Gold und Silber sowie vier in Bronze gewonnen. An diese Ausbeute heranzukommen, wird schwierig werden, ist aber nicht unmöglich.
In der Kernsportart Ski alpin wird die Maximalanzahl von 22 Athletinnen und Athleten nach Cortina d’Ampezzo (Frauen) respektive Bormio (Männer) entsandt werden. Medaillenchancen bestehen in jeder Disziplin, auch wenn die Anwärter oftmals Solokämpfer sind. Im Vergleich zu 2022 kann übrigens keiner der Olympiasieger seinen Titel verteidigen. Super-G-Olympiasieger Matthias Mayer hat seine Karriere beendet, die Goldenen von Johannes Strolz in der Alpinen Kombination und die im Teambewerb wurden in Bewerben geholt, die 2026 nicht mehr olympisch sind.
Die besten Chancen haben dem Saisonverlauf nach Julia Scheib (Riesentorlauf), Cornelia Hütter (Abfahrt, Super-G), Stefan Brennsteiner (Riesentorlauf), Marco Schwarz (Riesentorlauf, Super-G) und Vincent Kriechmayr (Super-G, Abfahrt). Alle fünf haben in dieser Saison bereits Weltcuprennen gewonnen. Auch Mirjam Puchner (Speed), Raphael Haaser (Speed) und Manuel Feller (Slalom) spitzen auf Edelmetall. Weh tut freilich der verletzungsbedingte Ausfall von Katharina Liensberger.
Nordischer Bereich bringt ebenfalls Chancen
Besonders hoch geschraubt haben die Erwartungen durch ihren herausragenden Saisonstart die Nordischen Kombinierer. Johannes Lamparter und Thomas Rettenegger feierten Siege, auch Franz-Josef Rehrl und Stefan Rettenegger schafften es bereits aufs Weltcup-Podest. Im Langlauf startete Mika Vermeulen mit einem dritten Rang vielversprechend, zuletzt wurde der Steirer aber durch eine Erkrankung zurückgeworfen. Aufgezeigt hat währenddessen Benjamin Moser, der bisher als Sprinter bekannte Tiroler überzeugte auch als Gesamtzehnter der Tour de Ski. Bei den Frauen ist im Fleimstal mit Teresa Stadlober zu rechnen, die beständig in der Weltspitze mitmischt.
Auch die Skispringer sind nach guten Weltcup-Resultaten für Medaillen gut. Jan Hörl und Stephan Embacher überzeugten bei der Vierschanzentournee, Gesamtweltcupsieger Daniel Tschofenig und Stefan Kraft feierten in dieser Saison bereits je einen Weltcup-Sieg. Das Gold im Teambewerb von Peking kann nicht mehr erfolgreich verteidigt werden, weil dieser durch einen Super-Team-Bewerb mit zwei Springern à drei Durchgängen ersetzt wurde. Bei den Frauen hüpfte Lisa Eder schon mehrmals auf das Podest, die Salzburgerin wird nach dem Kreuzbandriss von Eva Pinkelnig auch im Mixed-Team eine entscheidende Rolle spielen.
Realistische Chancen auf Edelmetall im Biathlon hat aus dem rot-weiß-roten Aufgebot nur Lisa Hauser. Der Ex-Weltmeisterin gelang Anfang Dezember ihr erster Weltcupsieg nach drei Jahren Pause, zudem zählt die Olympia-Anlage in Antholz zu ihren Lieblingsstrecken.
Gasser jagt drittes Olympia-Gold
Auf den Anlagen in Livigno werden die Medaillen im Snowboard und Ski Freestyle/Freeski vergeben. Snowboard-Star Anna Gasser peilt im Big Air ihre dritte Goldmedaille an. Alessandro Hämmerle geht im Cross auf Titel Nummer zwei los, ebenso wie Benjamin Karl im Parallel-Riesentorlauf. In dieser Disziplin will auch Sabine Payer zuschlagen. Im Freeski klopfte Matej Svancer im Big Air bereits wieder ganz vorne an, Lara Wolf trumpfte im Slopestyle auf. Buckelpistenfahrerin Avital Carroll war zuletzt von ihrer Topform, in der sie 2025 bei der WM zweimal Bronze gewann, noch weit entfernt.
Im neu errichteten Eiskanal Eugenio Monti in Cortina sind in allen drei Sportarten Medaillenkandidatinnen und -Kandidaten am Start. Im Rodeln gibt es mehrere „heiße Eisen“, allen voran die Weltmeisterinnen und Weltcup-Führenden Selina Egle/Lara Kipp bei der olympischen Frauen-Doppelsitzer-Premiere. Auch Jonas Müller (Einsitzer Männer), Lisa Schulte und Hannah Prock (Frauen) sowie Juri Gatt/Riccardo Schöpf (Doppel Männer) werden das Podest nicht kampflos der Konkurrenz überlassen.
Flock will Karriere krönen
Janine Flock hat im Skeleton zwei Saisonsiege eingefahren und will ihre Karriere bei ihren vierten Spielen mit einer Olympia-Medaille krönen. Auch Samuel Maier fährt eine starke Saison. Im Monobob ist Katrin Beierl bereits zweimal in dieser Saison auf das Stockerl gefahren. Bei den Männern fehlt Markus Treichl in diesem Winter noch ein Platz in den Top drei.
Mit einem Quartett wird Österreich im Eisschnelllauf vertreten sein. Für Vanessa Herzog wird es nach vierten Plätzen bei den Spielen 2018 und 2022 nach schwachen Weltcupleistungen aber kaum zur Medaille reichen. Für die 19-jährige Jeannine Rosner und den 20-jährigen Alexander Farthofer kommen diese Spiele trotz einiger starker Leistungen diesbezüglich wohl zu früh. Gabriel Odor aber könnte im Massenstart eine Überraschung liefern. Im Short Track ist der Wiener Nicolas Andermann ohne Medaillenchance. Im Curling und im Eishockey ist Österreich nicht vertreten.
(APA) / Bild: GEPA
