Eine Akademie im Lavanttal als Ziel? WAC-Akademieleiter Walter Kogler im Gespräch
Walter Kogler ist seit 01. August 2023 Geschäftsführer der WAC-Nachwuchsakademie im Sportpark Klagenfurt. Davor war er von 2015 bis 2023 Experte bei Sky. In der Akademie ist er für die U14, U15, U16 und U18 des WAC zuständig. Sky-Redakteur Martin Grath hat Walter Kogler in seinem Büro im Sportpark Klagenfurt getroffen und nach seinen ersten Erfahrungen nach knapp sechs Monaten im Amt befragt.
Die wichtigste Frage zu Beginn. Herr Kogler wie geht es Ihnen und wie haben Sie sich in der WAC-Akademie eingelebt?
Das ist wirklich eine ganz wichtige Frage, weil es nicht selbstverständlich ist, dass man etwas Neues beginnt und es einem tatsächlich sofort gefällt, aber in meinem Fall ist es wirklich so, dass mir die Arbeit sehr gut gefällt.
Wie sehen Ihre Aufgaben und Arbeitsbereiche in der Akademie aus?
Als Geschäftsführer bin ich für die finanziellen Belange zuständig. Wie so eine Akademie wirtschaftlich aufgebaut ist, dass wir die Förderungen und Zuschüsse bekommen. Ich bin verantwortlich für das Geld, das wir als Verein selbst reinstecken, für die ganze Infrastruktur und auch für die Personalplanung. Wir haben über 20 Mitarbeiter in der Akademie.
Auch die sportliche Organisation fällt in meinen Aufgabenbereich. Spiele organisieren, die Kommunikation mit den Schulen und den anderen Verbänden, wenn man zum Beispiel einen Spieler in die Akademie holt.
Im sportlichen Bereich bin ich im ständigen Austausch mit meinen Trainern. Wir sprechen über die Trainingsinhalte, die Art und Weise wie wir spielen wollen, die Spielphilosophie – auf was legt man Wert im körperlichen und taktischen Bereich und und und …
Bleibt bei so vielen organisatorischen Aufgaben noch Zeit die Spieler selbst zu beobachten?
Ich stehe sehr oft am Feld und schau mir die Trainings an. Ist ja ganz logisch, wenn wir im Vorfeld besprechen welche Schwerpunkte wir setzen wollen, dann muss ich ja wissen, wie wir das auf dem Platz umsetzen. Natürlich muss ich auch die Spieler kennenlernen. Das sind vor allem für mich am Anfang gar nicht so wenige gewesen, da wir in der Akademie rund 70 Spieler haben. Am Vormittag erledige ich Organisatorisches und am Nachmittag sehe ich den Mannschaften beim Training zu. Bei den Meisterschaftsspielen bin ich sowieso immer dabei.
Wohnen alle Spieler im Internat direkt beim Stadion Klagenfurt?
Nicht alle. Aktuell befinden sich über 40 Spieler im Internat. Der Rest kommt aus der Umgebung und es macht mehr Sinn, wenn sie zu Hause schlafen. Ansonsten haben wir mit einigen Schulen Kooperationen, damit unsere Spieler Dienstag und Donnerstag vormittags in den ersten zwei bis drei Stunden trainieren dürfen. Vom Umfang her haben unsere Spieler ein gewaltiges Pensum, da ist vom zeitlichen Aufwand her nicht viel Unterschied zu den Profis.
Gibt es Vorgaben, wie die Spieler in der Schule abzuschneiden haben?
Wir haben eine duale Ausbildung. Das Fußballerische ist das eine, aber auch die Schule ist sehr wichtig. Wir betreuen die Spieler und helfen, die passende Schule zu finden. Im Internat haben wir vier Frauen angestellt. Die Spieler werden beaufsichtigt und es ist immer rund um die Uhr jemand für sie da. Wir sind im engen Austausch mit den Schulen und wissen bei jedem einzelnen Spieler über seine Noten Bescheid und auch wann die nächsten Tests oder Prüfungen anstehen. Zusätzlich haben wir 3 Lehrer angestellt, die mit den Kindern am Nachmittag in den zwei vorhandenen Lehrsälen lernen. Bei 70 Spielern sind natürlich immer ein oder zwei dabei, die es etwas lockerer angehen. Sollte das der Fall sein, dann wird der Spieler aus dem Training genommen und muss extra büffeln, um den schulischen Rückstand aufzuholen.
Viele Akademie-Spieler des WAC schaffen den Sprung in die Bundesliga
Wie kann sich der WAC bei der Akquise junger Spieler gegenüber der größeren Akademien von Salzburg, Sturm, Rapid etc. durchsetzen?
Wir punkten mit großer Durchlässigkeit. Bei uns schaffen es viele Spieler in die österreichische Bundesliga. Andere Akademien sieben sehr stark aus und füllen spätere Jahrgänge mit internationalen Spielern auf. Das passiert bei uns nicht. Regionalität ist auch wichtig. Dazu müssen wir mit unserem Angebot hohe Qualität und eine gute Ausbildung bieten, damit es nicht notwendig ist einen jungen Spieler 300km wegzuschicken.
Ist nach so kurzer Zeit schon eine „Walter Kogler Handschrift“ zu erkennen?
Großartig was zu verändern ist schwierig in einer Akademie. Das geht bei Profimannschaften leichter mit Transfers oder neuen Trainingsinhalten. Ich war diese Saison bei der Sichtung der neuen Akademiespieler noch nicht dabei und muss mir das jetzt einmal anschauen. Ich bin gerade dabei, dass wir einzelne Steps setzen. Eine Trainingseinheit haben wir komplett geändert. Da gehen wir komplett auf die individuellen, taktischen und technischen Fähigkeiten der Spieler ein. Dazu haben wir innerhalb der Akademie die Mannschaften durchgemischt. Heißt, dass der 15-Jährige mit dem 17-Jährigen oder 18-Jährigen gemeinsam am Platz steht und da steh ich dann auch selbst am Platz und arbeite direkt mit den Spielern. Zusätzlich haben wir ein Versuchsprojekt gestartet und zwei Videoanalysten geholt, die uns ab Frühjahr unterstützen.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Manfred Schmid & Co. ?
Einige Akademiespieler spielen bereits bei den WAC-Amateuren und da sind Manfred Schmid, Cem Sekerlioglu und Hannes Jochum regelmäßig zuschauen. Gefällt ihnen ein Spieler, dann kann es schon sein, dass er die nächste Woche bei den Profis mittrainieren darf. In Länderspielpausen sagen sie zum Beispiel, dass sie 4 Plätze frei haben und zwei Spieler von den Amateuren nehmen und zwei von der Akademie. Sie sagen uns dann welche Position sie brauchen, wir besprechen uns in unserem Trainerteam und schicken dann dem Profil entsprechend Spieler zur Kampfmannschaft. Der Austausch zwischen A-Kader, Amateure und Akademie ist sehr eng und Manfred Schmid ist auch ständig interessiert, was sich bei uns so tut.
Welche Ziele haben Sie sich selbst gesetzt?
Mein Vertrag läuft drei Jahre und für mich wäre es erfolgreich, wenn wir es in drei Jahren geschafft hätten, dass wir die Akademie so aufstellen, dass sie dem Verein einen Mehrwert bringt. Das regelmäßig Spieler den Sprung in die Kampfmannschaft schaffen. Laut einer Auswertung vom ÖFB hat die WAC-Akademie in den verganenen Jahren die viertmeisten Spieler in die österreichische Bundesliga gebracht. Davor sind nur Salzburg, Rapid und die Wiener Austria.
Ein langfristiges Ziel ist auch, dass man es schafft mit dem WAC die Akademie etwas nachhaltiger woanders aufzubauen. Man wäre dann nicht mehr so abhängig. Aktuell muss alles mit Klagenfurt und anderen besprochen werden, Trainingszeiten koordiniert werden etc..

Unverständnis für den Klagenfurter Bürgermeister
In der Kärntner Krone war vor kurzem ein Artikel, in dem der Klagenfurter Bürgermeister Christian Scheider verlautbarte, den Vertrag für die WAC-Nachwuchsakademie zu kündigen. Was sagen Sie dazu?
Von Seiten des Bürgermeisters wurde mit uns nicht gesprochen und wir waren auch sehr überrascht und enttäuscht, dass wir es aus dem Artikel erfahren haben. Fakt ist, dass wir den Vertrag mit dem Land Kärnten haben und nicht mit dem Bürgermeister oder der Stadt Klagenfurt. Der Vertrag für die Räumlichkeiten läuft bis 2029 und sollte das Land Kärnten auf uns zukommen, dann werden wir weitersehen. Mehr will ich aktuell dazu auch nicht sagen.
Gibt es schon Pläne für eine eigene Akademie?
Wir haben schon die ein oder andere Variante. Auch mit dem Wissen, dass unser Vertrag hier 2029 ausläuft. Standorte wären verschiedene denkbar. Von der Emotion her wäre es natürlich gut, wenn sie direkt im Lavanttal wäre. Aber es ist auch nicht ausgeschlossen, sie aufgrund der Erreichbarkeit in einem Kärntner Zentralraum zu machen.
(Martin Grath/Red.)
