„Einfach schön“: Silberne Puchner von Moser-Pröll geherzt

Ski-Ikone Annemarie Moser-Pröll hatte es prophezeit. „Das ist die Strecke für die Mirjam, die ist für sie zugeschnitten. Ich bin überzeugt, dass sie das runterbringt.“ Kurz darauf bretterte Mirjam Puchner zu WM-Silber in Saalbach und Österreichs Jahrhundertsportlerin stellte sich mit einer emotionalen Umarmung als Gratulantin ein. „Sie ist so eine Liebe und ein Vorbild. Es ist einfach schön, wenn so eine Sportlerin dir den Preis übergibt“, sagte Puchner überglücklich.

Der schönste Karriere-Erfolg der 32-Jährigen ist perfekt. „Man träumt davon, dass es dann auch geht, ist Wahnsinn.“ Ausgerechnet am WM-Ort gelang ihr der ersehnte Umkehrschwung. Bis Mittwoch noch hatte der Rennläuferin aus St. Johann im Pongau ein Platz am Pistenrand so wie im Super-G gedroht.

„Die Saison war alles andere als gut, da braucht man nichts schönreden. Ich habe mir gesagt: Das, was war, kannst du nicht mehr ändern. Schaue, dass die WM ein Neustart ist.“ Mit starken Trainings sicherte sich Puchner den Startplatz und mehr noch: Nach Bestzeit in der zweiten Einheit galt sie auf der „Ulli Maier“-Abfahrtsstrecke mit viel Gleiteranteil und lang gezogenen Kurven als Geheimfavoritin.

„Keinen Druck verspürt“

Kreisende Gedanken, nachdem sie deutlich vor dem Wecker um 6.15 Uhr munter geworden war, fing sie erfolgreich ein. „Ich habe mich auf das Rennen so gefreut wie noch nie auf ein Rennen. Ich habe keinen Druck verspürt.“ Trotz kleinerer Fehler zog sie diesmal den Angriffsplan konsequent durch. „Ich wollte mir einfach im Ziel nichts vorwerfen.“

15/100 Rückstand auf Breezy Johnson (USA) waren schnell gefunden, an diesem Tag war das für Puchner einerlei. „Ich brauche nicht kleinlich sein, Silbermedaille ist geil.“ Super-G-Silber bei Olympia 2022 in Peking hat sie bereits in ihrer Vita stehen. „Vergleichen wir es nicht. Es waren damals keine Zuschauer, es war nichts los, es war Olympia, das ist WM – es war komplett konträr. Heim-WM ist schon geil.“

Tränenreiche Jahre

Die Familie erlebte den Coup hautnah – und in besonderen Rollen – mit. Papa Christoph ist Chefmeteorologe der WM, ihr größerer Bruder Joachim als ORF-Kamerafahrer regelmäßig im Bild. Seiner Schwester steht der ehemalige Abfahrer mit Rat und Tat zur Seite. „Wir arbeiten so intensiv seit den letzten sechs, sieben Jahren zusammen, da hat man eine spezielle Bindung.“ Er erinnerte an „viele Höhen und Tiefen“ in Mirjams Karriere mit „Operationen, wo das Karriereende im Raum steht“.

Vor der WM 2017 brach sie sich als hoch Gehandelte einen Unterschenkel. Die Verletzung erwies sich als kompliziert, es folgten mehrere Operationen, etwa weil der Knochen nicht wie erwartet zusammengewachsen war. Erst 2019 wurde ihr ein 34 Zentimeter langer Nagel entfernt – kurz nachdem sie in Soldeu/Andorra mit der Abfahrt ihren zweiten und bis jetzt letzten Weltcupsieg gefeiert hatte.

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(APA) Foto: GEPA