Elf Spielerinnen nicht dabei: ÖEHV-Konflikt geht weiter
Der am Wochenende publik gewordene Konflikt zwischen den besten österreichischen Spielerinnen und dem Österreichischen Eishockeyverband (ÖEHV) schwelt weiter. Das Frauen-Nationalteam ist am Montag mit 21 Spielerinnen zu einem Turnier in die Slowakei gereist. Allerdings hat ein Großteil der Leistungsträgerinnen abgesagt. Elf Spielerinnen haben die Konsequenzen gezogen, nachdem mit dem Verband keine Lösung gefunden worden ist.
Die von der younion-Sportgewerkschaft unterstützten Spielerinnen fordern faire und professionelle Rahmenbedingungen für das Frauen-Nationalteam und haben dem Verband im März neun Verbesserungsvorschläge schriftlich übergeben. Auf verbindliche Lösungen warten sie auch drei Tage nach Bekanntwerden der Krise weiter. „Es gab wieder zahlreiche Gespräche, Rechtfertigungen und Überzeugungsversuche. Auf konkrete schriftliche Zusagen oder Vorschläge warten die Spielerinnen aber weiterhin. Selbst der mediale Aufschrei ist ihnen egal“, schrieb die Spielergewerkschaft am Dienstag und kritisierte die Verlässlichkeit namentlich von Geschäftsführer Alexander Helwig, Vizepräsidentin Yasmin Stepina und Generalmanager Martin Kogler. „Ein unvollständiger Kader bei einem A-Nationalteam-Trainingslager muss doch ein Zeichen für die Verantwortlichen sein“, erklärte Sascha Tomanek von der Eishockeyspieler:innen UNION in der younion. Die Daseinsgewerkschaft und fragte sich, warum die Spielerinnen „auch jetzt wieder auf zwei Hotels aufgeteilt“ wurden.
Weitere Spielerinnen streiken
Dass Kapitänin Anna Meixner, Amerika-Legionärin Theresa Schafzahl oder Routiniers wie Antonia Matzka, Charlotte Wittich und Annika Fazokas beim Lehrgang drei Monate vor der erstmaligen Teilnahme an einer A-WM fehlen werden und sogar einen WM-Boykott androhen, stand schon seit Tagen fest. Nun schlossen sich weitere Spielerinnen an.
Gar nicht erst eingeladen wurde Torhüterin Selma Luggin, Schlüsselspielerin beim Aufstiegsturnier. „Nachdem ich Cheftrainer (Alexander) Bröms tagelang nicht erreicht habe, um zu fragen, warum ich nicht einberufen wurde, wurde meinen Kolleginnen am Wochenende erklärt, dass man meine Qualitäten ohnehin kennt und daher andere Torfrauen mal die Chance geben will. Drei Monate von der A-WM, bei einem Camp mit neuem Goaliecoach (Pierre Groulx) und nachdem Joey Vollmer (Anm.: bisheriger Torhütertrainer) zuvor ohne Begründung gehen musste“, wurde Luggin in der younion-Aussendung zitiert.
ÖEHV will Dialog
Ohne das halbe Stammteam bestreitet das Nationalteam in Bardejov daher Testspiele gegen die Slowakei (Donnerstag), Niederlande (Freitag) und Italien (Samstag). Die Woche will der Verband aber auch zum Dialog nutzen. „Dem ÖEHV liegt nicht an einer Eskalation, sondern an konstruktiven Gesprächen und Lösungen im Sinne des österreichischen Eishockeysports“, teilte der Verband in einer Aussendung mit. „Genauso wichtig (wie der aktuelle Lehrgang) ist mir der offene Austausch mit den Spielerinnen. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam eine gute Basis für die Zukunft des Frauen-Eishockeys schaffen können“, wird Stepina zitiert.
Unterstützung erhielten die der Verbandsführung kritisch gegenüberstehenden Frauen von Marco Rossi. „Wer unser Land vertritt und alles für diesen Sport gibt, verdient Respekt, Wertschätzung und die bestmögliche Unterstützung. Unabhängig davon, ob bei den Frauen, Männern oder im Nachwuchs. Gerade für die nächste Generation müssen wir gemeinsam dafür sorgen, dass sich das österreichische Eishockey in die richtige Richtung entwickelt. Ihr habt meine volle Unterstützung!“, erklärte der NHL-Stürmer.
