Endlich schmerzfrei: Scheib vor Riesentorlauf angriffslustig
Die nächste WM-Chance für Österreichs Ski-Frauen ist gleichzeitig die Problemdisziplin. Im Riesentorlauf wartet das ÖSV-Team seit 1.145 Tagen oder 29 Rennen auf eine Podestplatzierung. Eine Medaille am Donnerstag (9.45 und 13.30 Uhr) in Méribel wäre dementsprechend eine handfeste Sensation. Eine im Team träumt aber zumindest für die Zukunft groß – und spricht ihre Ziele unverhohlen aus.
Als 13., Zwölfte und Elfte näherte sich Julia Scheib vor der WM sukzessive den Top Ten im Weltcup an. Anhand dieser Ergebnisse hat die 24-jährige Steirerin in ihrer Comebacksaison den Sprung ins WM-Team geschafft. Nach einem Kreuzbandriss im Februar 2021 folgten vier Knie-Operationen und fast 700 Tage ohne Rennen auf höchster Ebene. Heute ist Scheib laut eigener Aussage schmerzfrei – und angriffslustig wie wenige im ÖSV-Team. „Die Medaillen sind das Ziel, das ist ganz klar“, sagt sie mit leisem, aber bestimmtem Ton: Und: „Im Riesentorlauf ist es sicher das Ziel, dass ich die Kugel wieder nach Österreich hole. Das weiß ich auch, dass ich das drauf habe.“
Für WM-Edelmetall müsse sie zum einen „zwei gewaltige Fahrten treffen“, betonte Scheib. Für Zweites, den Gewinn der Weltcup-Riesentorlaufwertung, brauche sie vor allem eines: Zeit. „Die Vorbereitung in dieser Saison war brutal knapp. Wenn du im November noch nicht gescheit fahren kannst, dann wird es eng.“ Mit mehr Zeit wolle sie auch den Super-G ins Repertoire aufnehmen, sagte die Junioren-Vizeweltmeisterin von 2019 in dieser Disziplin. „Wenn du das Technische mitbringst, hast du teilweise viele Vorteile. Das sieht man an Brignone und Bassino. Von dem her ist das ganz oben auf der Liste.“
Die Favoriten beim Großereignis in Méribel sind freilich andere. Mikaela Shiffrin gewann fünf der acht Riesentorläufe in dieser Saison. Super-G-Weltmeisterin Marta Bassino stand fünfmal am Stockerl (ein Sieg), Titelverteidigerin Lara Gut-Behrami viermal (ein Sieg). Mit Kranjska-Gora-Gewinnerin Valerie Grenier, Olympiasiegerin Sara Hector, Federica Brignone, Petra Vlhova und Ragnhild Mowinckel sind alle weiteren Podest-Fahrerinnen erwähnt.
Österreichs Frauen brachten es in den acht Rennen insgesamt nur auf zwei Top-Ten-Plätze durch Katharina Liensberger (Fünfte beim Saisonauftakt in Killington) und Ricarda Haaser (Achte am Semmering). Franziska Gritsch vervollständigt ein WM-Quartett, das nichts zu verlieren hat. Unter Zugzwang steht das Team angesichts der Silbermedaille von Nina Ortlieb und zweimal Bronze durch Haaser und Cornelia Hütter nicht mehr. „Alles, was noch kommt, ist Zugabe“, erklärte Frauen-Rennsportleiter Thomas Trinker zuletzt.
Liensberger, die Bronzemedaillengewinnerin von 2021 in dieser Disziplin, scheiterte am Dienstagabend wie auch Haaser und Scheib in der Qualifikation für den Parallel-Hauptbewerb. Nichtsdestoweniger verschrieb sich die Vorarlbergerin selbst „entschlossenes Skifahren“. Haaser meinte: „Der Speed war recht gut, aber am Papier stand bisher nicht das Ergebnis, auf das wir alle warten und das auch möglich wäre.“ Den Favoritenkreis sieht die Tirolerin, die als einzige Österreicherin in den Top 15 der Startliste rangiert, recht groß. „Es gibt zehn oder 15 Leute, die das Rennen gewinnen können.“
Von weiter hinten will indes Scheib ihre aufsteigende Form unter Beweis stellen. „Bei der WM will ich das ausreizen.“ Fehlenden Mut kann man der 24-Jährigen nicht vorwerfen. „Mut braucht man beim Skifahren. Da muss man einfach angreifen, sonst ist man verloren. Mutig, mit Angriff – so werde ich das angehen.“
(APA)
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