England nicht mehr „boring“: Southgate bleibt gelassen

Am Ende eines turbulenten zweiten WM-Tages war Englands Teamchef Gareth Southgate um Gelassenheit bemüht.

Als einer der wenigen Europäer äußerte er Verständnis für das FIFA-Vorgehen in der Causa „One Love“, seinen eigenen Kritikern konterte er angesichts des überzeugenden 6:2-Auftaktsiegs gegen den Iran nicht. Sein Tenor: Gegen andere Kaliber werde die Leistung nicht reichen.

Als ihn ein Journalist nach dem sportlichen Rufzeichen darauf ansprach, ob ihm dieser Sieg auch wegen der „Boring boring Southgate“ (Langweiliger Southgate) und der „Boring boring England“-Vorwürfe besonders gut gefalle, antwortete Southgate. „Das wird nicht genug sein, um im Turnier sehr weit zu kommen. Wir haben noch viel zu tun, aber es ist ein sehr guter Start.“

Dem früheren Defensivspieler wird vorgehalten, seine „Three“ Lions oft zu defensiv aufzustellen. Der 52-Jährige bietet oft eine Dreierkette mit zusätzlich zwei defensiven Außenverteidigern auf. Für das Iran-Spiel aber entschied er sich für ein 4-2-3-1 mit vier offensiven Spielern, was Harry Kane, Raheem Sterling, Mason Mount und Bukayo Saka mit Torbeteiligungen und starken Leistungen rechtfertigten.

„Wir müssen uns selbst loben. Wir haben sehr gut performt. Wir sind glücklich über unsere Performance“, sagte der zweifache Torschütze Saka, der als Spieler des Spiels ausgezeichnet und im Netz gefeiert wurde. Noch im Vorjahr war der Arsenal-Profi in der digitalen Sphäre rassistisch angefeindet worden, nachdem er im EM-Finale gegen Italien den entscheidenden Elfmeter verschossen hatte. „Das wird für immer ein Teil von mir sein. Meine Freunde und meine Familie haben den Arm um mich gelegt. Das hat mir geholfen, in diese gute Verfassung zurückzukehren“, sagte Saka.

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Sein Trainer gab indes auch zu, dass der Wirbel um die „One Love“-Armschleife alles andere als ideal für die Vorbereitung auf das Auftaktspiel gewesen sei. „Wir mussten uns auf den Fußball konzentrieren. Wir konnten da nicht involviert sein, vor allem die Spieler nicht. Das ist nicht ihre Aufgabe, das zu regeln“, sagte Southgate: „Die Menschen wissen, wofür wir stehen. Wir knien, weil wir glauben, damit etwas bewirken zu können.“

Noch vor einer Woche hatte der englische Verband FA angekündigt, die Aktion selbst bei drohenden Strafen durchziehen zu wollen. „Die Diskussionen waren zwischen den Nationen und der FIFA. Ich verstehe die Situation der FIFA. Es ist schwierig, irgendwo eine Linie zu ziehen“, sagte Southgate. Eigentlich hätte Harry Kane mit besagter Schleife auflaufen sollen. Doch weil die FIFA mit sportlichen Sanktionen wie einer Gelben Karte drohte, zogen die europäischen Teams die Kampagne kurzfristig zurück.

(APA)

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Beitragsbild: Imago