Erleichterung bei Rapid: Hoffnung auf Europa lebt
Die Gäste hatten im Allianz Stadion die deutlich besseren Chancen und wähnten sich nach dem Ausgleich in der 91. Minute durch Ex-Rapidler Rene Gartler schon in der Verlängerung, ehe eine lange Fehlerkette der Linzer in der 93. Minute das 2:1 für Rapid durch Joelinton ermöglichte. Dank des ersten Pokal-Finaleinzugs seit 2005 lebt nun die Chance der Grün-Weißen, eine verkorkste Saison noch halbwegs zu retten.
Allerdings wartet im Endspiel am 1. Juni in Klagenfurt Doublegewinner Red Bull Salzburg, der sich im zweiten Semifinale beim 5:0 auswärts gegen die Admira in Bestform präsentierte. Nur mit einem Sieg über den Titelverteidiger und dem ersten Cup-Triumph seit 1995 wäre Rapid in der kommenden Saison international vertreten.
Djuricin: „Wir haben einfach glücklich gewonnen“
Über die Rollenverteilung im Finale machte sich Djuricin noch keine Gedanken – es überwog die Freude über einen immens wichtigen Sieg, der dem Rekordmeister nach den öffentlichen Schlammschlachten wieder etwas Ruhe beschert. „Beim 1:1 habe ich mein Leben nicht gepackt, ich habe gedacht, ich kann nicht glauben, dass wir schon wieder so viel Pech haben. Und beim 2:1 weiß ich gar nicht mehr genau, was ich gemacht habe, so glücklich war ich“, erzählte der Coach.
Dass die Leistung wieder einmal zu wünschen übrig ließ, gab Djuricin unumwunden zu. „Es war ein glücklicher Sieg, aber wir nehmen ihn trotzdem an.“ Der 43-Jährige ortete in diesem Zusammenhang so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit für die Tiefschläge der vergangenen Monate. „Da haben wir viele Partien verloren oder unentschieden gespielt, die wir hätten gewinnen können.“
Die Folgen dieser Misserfolgsserie waren gegen den LASK vor allem in der ersten Hälfte spürbar. „Wir haben in der Pause einige Sachen angesprochen, die Mannschaft hat sich zusammengerissen und ist noch näher zusammengerückt. In der zweiten Hälfte hat man dann den Teamgeist gespürt.“ Dennoch sei die Verunsicherung nach wie vor spürbar. „Ich weiß auch nicht, warum. Die Jungs vergessen immer wieder ihre hohe individuelle Qualität“, sagte Djuricin.
Seine Spieler machten sich über die gezeigte Leistung ebenfalls keine Illusionen. „Unsere erste Hälfte war grottenschlecht, da haben uns der LASK und Knoflach (Anm.: Rapid-Goalie) am Leben gehalten. Am Schluss haben wir den ‚Lucky Punch‘ geschafft – wie und warum, das weiß keiner“, meinte Stefan Schwab, der Assistgeber des Joelinton-Treffers. Ähnlich äußerte sich Thomas Murg. „Es war sicher ein glücklicher Sieg, aber wir können nichts dafür, wenn der LASK seine Chancen nicht verwertet“, erklärte der Schütze des zwischenzeitlichen 1:0.
Bei den von rund 1.500 Fans nach Wien begleiteten Linzer Profis war die Enttäuschung unmittelbar nach dem Schlusspfiff groß. „Es geht ihnen nicht gut, teilweise haben sie noch auf dem Platz geweint“, berichtete Trainer Oliver Glasner. Vorwürfe gab es vom Ex-Rieder aber keine. „Ich verspüre einen unheimlichen Stolz auf meine Mannschaft und ziehe den Hut davor, was sie hier geboten hat.“
Vor der Mittwoch-Partie hatte der LASK 17 Pflichtspiele ohne Niederlage überstanden und den Aufstieg in die Bundesliga in souveräner Manier fixiert. „Ich freue mich auf die kommende Saison, und ganz Österreich kann sich auf einen starken LASK in der Bundesliga freuen. Man hat gesehen, dass wir absolut konkurrenzfähig sind, aber das war für mich auch keine Überraschung“, betonte Glasner.
Nicht ohne Stolz wies der Oberösterreicher darauf hin, wie sehr man die Hütteldorfer in Bedrängnis gebracht hatte. „Rapid hat in der zweiten Hälfte den Spielaufbau eingestellt und nur noch hohe Bälle nach vorne gespielt. Das ist das größte Kompliment, das man bekommen kann, dass sich Rapid daheim vor 18.000 Zuschauern nach einem Zweitligisten richtet.“
Wohl auch deshalb gab es von Glasner für seine Kicker einen Marschbefehl. „Ich habe ihnen gesagt: ‚Burschen feiert’s heute, dass sich die Balken biegen.'“ In Partylaune befanden sich auch die Rapid-Kicker – in der Kabine betätigte sich Tobias Knoflach als „Master of Ceremonies“, wie ein vom Club veröffentlichtes Video zeigte.
Im Lager von Red Bull Salzburg befand man sich nach dem 5:0-Kantersieg in der Südstadt ebenfalls in Hochstimmung. „Das war eines der besten Spiele, seit ich in Salzburg bin“, jubelte Trainer Oscar Garcia an seinem 44. Geburtstag. „Das schönste Geschenk war die Leistung. Die war vom Anfang bis zum Schluss richtig gut, mehr kann man nicht erwarten“, sagte der Coach, dessen Team schon am Samstag als Meister feststehen könnte und das vierte Double in Folge anstrebt.