"Es geht um Medaillen": ÖLV-Star Hudson will bei WM aufs Podest

„Es geht um Medaillen“: ÖLV-Star Hudson will bei WM aufs Podest

Coach Gregor Högler hat es schon einmal hinbekommen. 2019 fand die Leichtathletik-WM in Doha und noch etwas später im Kalenderjahr als heuer jene in Tokio statt, Höglers Schützling Lukas Weißhaidinger warf damals den Diskus am 30. September auf Bronze. Neben dem Oberösterreicher will heuer am Saisonende in Japan auch „Stallkollegin“ Victoria Hudson über Hochform und am 20. September eine WM-Medaille verfügen, es ist das klare Saison-Hauptziel der Speerwurf-Europameisterin.

„Die Trainingsplanung erfolgt so, dass man eigentlich vom Tag X regressiv aufgebaut trainiert“, erklärte Högler am Mittwoch im BSFZ Südstadt im Rahmen einer Pressekonferenz im APA-Gespräch über die Vorgehensweise bei einem solch späten Highlight. „Am Schluss ergibt sich das Bild für den Saisonanfang durch die Höhepunkte, die man steckt.“ Im Sommer müsse man jedenfalls „ein paar Meso-Zyklen“ (Anm. kürzerer Zeitraum in der Trainingsperiodisierung) einbauen, um die nachlassende Kraft wieder zu fördern. „Es ist ein Doppel-Zyklus. Man nimmt dadurch Wettkämpfe hin, bei denen man weiß, man ist nicht in Hochform.“

Nach Saison-Auftakt in China eine Erfahrung reicher

Eine Hochform Hudsons war auch nicht für vergangenes Wochenende beim Saison-Einstieg der 28-Jährigen in der Diamond League in Shaoxing geplant gewesen, freilich kam kurz vor dem Abflug noch eine Rückenverletzung dazu. Eine Absage der Reise war aber kein Thema. Hudson: „Ich habe mir gedacht, vielleicht geht der Rücken auf und es löst sich wieder.“ Letztlich wurde es mit 55,88 m nur der zehnte und letzte Rang. „Ich bin trotzdem eine Erfahrung reicher. Wir haben es genutzt, um zu sehen, wie ich auf den Jetlag reagiere.“ Zur WM wird nun eine Woche davor angereist.

Ihre wahre aktuelle Stärke würde Hudson gerne bei der nächsten Chance am 25. Mai in Rabat zeigen, wo es für sie die ersten Diamond-League-Qualifikationspunkte für das Finalmeeting Ende August in Zürich geben soll. Högler ist sich sicher, dass die Rückenproblematik bis dahin im Griff ist. „Wir müssen die Therapie anpassen, gehen über Tiefenwärme, über Magnetfeld.“ Training werde aber keines ausgelassen, sondern adaptiert. „Bewegung ist auch Heilung.“ Die Vorbereitung habe grundsätzlich gepasst, nun habe man eben eine kleine Baustelle. „Aber das ist das Geschäft.“

Überhaupt hat Hudson in der Vorbereitung auf die nach-olympische Saison nur ein Training verpasst – auch eine Folge einer Ernährungsumstellung. Es sei um eine Stärkung ihres Immunsystems gegangen, am Tag eins des Aufbaus habe sie das in Zusammenarbeit mit Leistungssport Austria, dessen sportlicher Vorstand Högler ist, verfolgt. „Ich bin nie krank gewesen, das hat es bei mir davor gar nicht gegeben“, hob Hudson die Auswirkungen des neuen Impulses hervor. „Ich bin sicher noch nie so fit und stark gewesen wie ich es momentan bin“, meinte die Niederösterreicherin.

Hudson: Kleine Nuancen machen den Unterschied

Es seien bei der Ernährung „kleine Sachen, die einen großen Unterschied ausmachen“. So wie die Kohlenhydrat-Zufuhr während des Trainings. Gleich sei es bei Technik-Umstellungen. „Es sind so kleine Nuancen, die ein, zwei, drei Meter bringen können. Ich muss mich um ein halbes Prozent verbessern, um drei Meter zuzulegen.“ Darauf zielt mehr Muskelkraft in den Beinen und als Folge mehr Anlaufgeschwindigkeit ab. „Victoria kann hohe Impacts zum Boden bringen“, sagte Högler. Daher müsse im Gegensatz zu schwereren Athletinnen mehr über die Beinkraft kommen.

All das soll primär in einer WM-Medaille münden, viel mehr noch als in einer Verbesserung ihres nationalen Rekords von 66,06 m. „Am Schluss kommt es aufs Großereignis an. Es geht um Medaillen“, verdeutlichte Hudson. Bei Olympia in Paris hat es damit mit 59,69 m und nur Rang 20 gar nicht geklappt. „Wenn ich ein bisschen unter meiner Bestleistung gewesen wäre, hätte ich Gold machen können.“ Man müsse also nicht unbedingt Außergewöhnliches leisten. „Es muss nur gut sein und an dem Tag passen. Dann ist der Traum von einer Medaille schon sehr realistisch.“

2024 sei für sie ein Traum-Jahr gewesen, „mit einer kleinen Ausnahme“, sprach Österreichs Sportlerin des Jahres 2024 Olympia an. Daraus ergebe sich für heuer in einer gewissen Art und Weise eine Verpflichtung, abliefern zu müssen. „Aber hauptsächlich mir selbst gegenüber.“ Wenn es freilich nicht so laufen sollte, sei es auch okay. Man müsse lernen, sich nicht immer zu 100 Prozent über die Leistung zu definieren. „Da macht man sich zu viel Druck im Sport. Es kommt, wie es kommt. Man kann sich nur bemühen, 100 Prozent zu geben. Oft kann man es nicht ganz beeinflussen.“

(APA)/Bild: GEPA