GEPA-0905065535 - ALTACH,AUSTRIA,09.MAI.06 - FUSSBALL - Red Zac Erste Liga, SC Altach vs Kapfenberger SV. Bild zeigt den Jubel von Modou Jagne (Altach). Foto: GEPA pictures/ Andreas Pranter

Ex-Altacher Jagne: „Historisches Jahr für Gambia“

von Labinot Spahiu

Für das kleine afrikanische Land Gambia hat sich ein Traum erfüllt. Zum ersten Mal in der Geschichte haben sich die Gambier für den Afrika Cup qualifiziert. Nicht nur für die Spieler ein historischer Moment, das ganze Land hat auf diesen Moment hingefiebert.

Das fußballverrückte Land steht Kopf und mittendrin einer mit österreichischer Vergangenheit. Modou Jagne, ehemaliger Spieler des SCR Altach und Austria Kärnten. Der 38-Jährige spielte knapp fünf Jahre in Österreich, absolvierte fünf Länderspiele für Gambia und ist neben seiner Tätigkeit als TV-Experte, auch im gambischen Verband als „Competition Manager“ tätig. Dort ist Jagne für die Abwicklung der ersten und zweiten gambischen Liga verantwortlich, sowohl für den Männer- als auch für den Frauenfußball und ist im Spielerscouting, auch nach Österreich, involviert.

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„Für Gambia ist das ein historisches Jahr. Das gesamte Land ist euphorisch und feiert das Nationalteam. Dieses Jahr ist unser Jahr, wir sind das erste Mal beim AFCON dabei und das Land saugt diese Emotionen auf“, meint Jagne. Alle 2,4 Millionen Einwohner haben in Westafrika diesen Moment gefeiert – und in diesen Wochen gibt es weiteren Grund zum Feiern. Das erste Spiel in der Geschichte Gambias im Afrika Cup wurde gewonnen. Ein knappes Ergebnis, wie viele Spiele des Afrika Cup ausgingen. 1:0, ein Tor von Ablie Jallow, Spieler des FC Metz, momentan an den belgischen Erstligisten RFC Seraing ausgeliehen.

Doch die Hürden, überhaupt teilnehmen zu dürfen, waren hoch. Besonders finanziell, wie Jagne sagt. „Der Verband startete ein Fundraising, um sich die Reise und sonstige Kosten für den Afrika Cup in Kamerun überhaupt leisten zu können. Doch jeder im Land hat Geld gespendet, auch wenn es nur ein Euro war. Alle haben an einem Strang gezogen und nun feiern wir einen tollen Start ins Turnier,“ so Modou Jagne im Sky-Interview.

Gambia als Talenteschmiede Westafrikas

Mit einem 1:0 Sieg gegen Mauretanien startete Gambia in den Afrika Cup. Das Team ist gespickt mit jungen Talenten, besonders Torschütze Jallow und Arnautovic-Teamkollege Musa Barrow stechen aus der gambischen Nationalmannschaft hervor. „Für das Land und besonders die junge Generation sind solche Topspieler immens wichtig. Die jungen Leute entscheiden sich immer öfter für den Fußball, sie sehen diesen Weg als Möglichkeit, ihre Träume zu verwirklichen. Stetig bringt Gambia solche Rohdiamanten hervor, die in europäischen Topligen auch Fuß fassen können,“ so Jagne.

Für Modou Jagne, der unter anderem mit Werner Grabherr, Leonardo da Silva oder auch Ailton zusammengespielt hat, stehen die Aufstiegschancen Gambias bei 50 Prozent. „Gambia hat das Momentum. Seit der Qualifikation für den Afrika Cup schwebt das Team auf einer Euphoriewelle, und diese wird uns hoffentlich ins Achtelfinale tragen.“

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In den sechs Vierergruppen kommen jeweils die Gruppenersten und -zweiten weiter, sowie die vier besten Gruppendritten. Bei einem weiteren Punktgewinn wäre Gambia so gut wie durch. Neben Mauretanien, sind auch Tunesien und Mali die Gruppengegner der Westafrikaner. Aus österreichischer Sicht hat besonders Mali einen interessanten Kader. Mit Amadou Haidara, Mo Camara und Didier Samassekou sind gleich drei Spieler, die aus dem afrikanischen Red Bull-Scouting den Sprung in den europäischen Spitzenfußball geschafft haben. „Eine tolle Initiative für afrikanische Talente, sie lernen früh wie ein Fußballprofi zu leben, diszipliniert zu sein und dadurch profitieren alle Beteiligten.“

Auch in Gambia wünscht sich Jagne eine gute Akademie, schließlich hätte man viele Talente im eigenen Land. „Wir haben viele junge Spieler, in der ersten gambischen Liga liegt der Altersdurchschnitt bei 19 Jahren, in der zweiten Liga sogar bei 17 Jahren. Doch in Gambia gibt es keine Profi-Liga, alle machen das semi-professionell und müssen nebenbei arbeiten. Das hindert uns in der Ligaarbeit aber nicht. Wir versuchen unsere Top-Talente so gut es geht zu fördern und geben ihnen die Chance, den Sprung in gute Ligen zu ermöglichen.“

WM 2026 als nächstes großes Ziel

Für die gambische Nationalmannschaft ist einiges möglich, wie Jagne sagt. Das Achtelfinale als großes Ziel, mit etwas Glück könne man es bis ins Viertelfinale schaffen. Doch insgeheim träumt man schon von der Weltmeisterschaft 2026. Die Aufstockung auf 48 Teams kann ein weiteres, historisches Erlebnis wahr werden lassen. „Dadurch bekommt Afrika neun Startplätze in der WM-Gruppenphase. Mit dem Potential und den jungen Talenten unserer Nationalmannschaft ist noch vieles möglich. Es ist auf jeden Fall unser nächstes großes Ziel, sich für eine WM-Endrunde zu qualifizieren, auch wenn es noch relativ weit in der Zukunft liegt.“

Gambia wird dieses Jahr wohl den Afrika Cup nicht gewinnen, für Modou Jagne gibt es zwei große Favoriten auf den prestigeträchtigen Titel im afrikanischen Fußball. „Für mich sind Nigeria und Veranstalter Kamerun die Favoriten auf den AFCON-Sieg. Die Nigerianer waren lange weg von der Topspitze, aber man darf sie nicht unterschätzen. Sie sind wieder voll motiviert und können an guten Tagen jeden Gegner schlagen. Kamerun hat den Heimvorteil im Rücken, das wird ihnen bestimmt helfen. Das spürt man einfach und kommt so schnell in einen Flow, was für jede Mannschaft nach vorne bringen kann. Außerdem weht mit der Wahl von Kamerun-Legende Samuel Eto’o ein frischer Wind, der in der Mannschaft weht.“

Im heutigen Spiel gegen Mali kann Gambia den Einzug ins Achtelfinale fixieren. Für Modou Jagne und das gesamte Land könnte es eine weitere Party geben – wer weiß, wohin die Reise von Gambia noch geht.

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Bild: GEPA