Ex-“Bayern-Jäger” Bielefeld: “Blut, Schweiß – und nur noch Freudentränen”

via Sky Sport Austria

Hinter Arminia Bielefeld liegt ein sehr bewegtes Jahrzehnt. Nun wollen die Ostwestfalen wieder in ruhige Fahrwasser kommen.

Bielefeld (SID) Es ist keine acht Jahre her, da war Arminia Bielefeld noch selbsternannter “Bayern-Jäger”: “Power-Ernst” Middendorp, Arminias Jahrhundert-Trainer, hatte dies angesichts von Rang zwei nach fünf Spieltagen 2007/08 bewusst provokant gesagt. Keine drei Monate später wurde Middendorp entlassen – und für Arminia begann ein wilder Ritt.

Heute hat man dazu in Ostwestfalen zumindest eine Art erleichterte Selbstironie entwickelt. Es geht wieder aufwärts und vor dem Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Champions-League-Anwärter Borussia Mönchengladbach am Mittwoch (19.00 Uhr/Sky) dient das verrückte Auf und Ab der vergangenen Jahre zumindest zur Identitätsstiftung.

“Wir haben unsere ganz spezielle DNA. Arminia Bielefeld, das ist Blut, Schweiß und Tränen”, sagt Geschäftsführer Marcus Uhlig dem SID. Und Sportchef Samir Arabi gibt schmunzelnd die Vorgabe für die nächsten Jahre hinterher: “In Zukunft hoffe ich auf Blut, Schweiß – und hoffentlich nur noch Freudentränen.”

Unmöglich scheint in Bielefeld nichts. “Hier laufen die Dinge etwas anders”, sagt Uhlig, und kaum jemand weiß das besser als er. Als Middendorp die Arminia zum “Bayern-Jäger” ausrief, betrieb der gelernte Jurist noch ein eigenes Marketing-Büro und kümmerte sich unter anderem um die Homepage, das Stadionmagazin und Werbekampagnen. Später wurde er Pressesprecher, nebenbei zunächst noch Teammanager, 2011 schließlich Geschäftsführer.

Die Arminia, die Mitte der 2000er-Jahre auf dem besten Weg war, endlich ein etablierter Erstligist zu werden und das Image der grauen Maus abzustreifen, lag da plötzlich auf der Intensivstation. Schon zu Zweitliga-Zeiten nahm sie zu Lasten von drei Punkten Abzug eine Finanzspritze aus dem Sicherungsfonds des Liga-Verbandes in Höhe von 1,25 Millionen Euro in Anspruch.

Als die Arminia kurz darauf Letzter der 3. Liga war, schienen die Lichter auf der Alm angesichts von 30 Millionen Euro Schulden endgültig auszugehen. Doch der Verein kämpfte sich zurück in die 2.  Liga, stieg dort auf denkbar dramatische Weise ab – in der Nachspielzeit der Verlängerung des Rückspiels der Relegation – und ist nun wieder obenauf.

Nach dem Abstiegs-Drama habe er sofort “eine Jetzt-Erst-Recht-Mentalität” verspürt, berichtet Uhlig. Auch bei Trainer Norbert Meier, den man deshalb behielt, obwohl dies “sicher ein Risiko und im Umfeld durchaus umstritten war”. Nach mäßigem Saisonstart war nach Ansicht von Arabi das 4:1 gegen Zweitligist SV Sandhausen in der ersten Pokalrunde “der Turnaround”. Meier betonte im SID-Interview welche Bedeutung der Erfolg im Pokal “für die Stadt, den Verein und die Mannschaft” habe: “Das ist positive Werbung und auch finanziell enorm wichtig”.

In der 3. Liga hat die Arminia sieben Spiele vor dem Saisonende zehn Punkte Vorsprung auf Rang vier, und auch gegen Gladbach rechnet sie sich was aus. In der 2. Liga, das haben sie sich in Ostwestfalen fest vorgenommen, gibt es dann auch einen neuen Rasen. Der ist schließlich schon 15 Jahre alt und brachte zuletzt die Bremer zur Verzweiflung. Doch zunächst soll er gemeinsam mit Blut und Schweiß dafür sorgen, dass Arminia die nächste Sensation schafft.

SID hs rd