VALENCIA, SPAIN - FEBRUARY 09:  Gary Neville manager of Valencia CF faces the media during a press conference ahead of Wednesday's Copa del Rey Semi Final, second leg match between Valencia CF and FC Barcelona at Paterna Training Centre on February 9, 2016 in Valencia, Spain.  (Photo by Manuel Queimadelos Alonso/Getty Images)

Ex-Starkicker Gary Neville muss sich als Coach erst beweisen

via APA
Valencia/Wien (APA) – Gary Neville hat als Spieler eine erfolgreiche Fußball-Karriere hinter sich. Zwei Champions-League-Triumphe und neun Meistertitel mit Manchester United, dazu 85 Länderspiele für Englands Nationalteam sprechen für sich. Als Coach muss sich der 40-Jährige aber erst beweisen. Bei Rapids Europa-League-Gegner Valencia, seiner ersten Station als Chefcoach, ist es bisher nicht nach Wunsch gelaufen.

Der ehemalige Weltklassespieler hätte den sechsfachen spanischen Meister als Nachfolger des Portugiesen Nuno Espirito Santo nach seinem Amtsantritt am 7. Dezember zurück auf die Erfolgsspur führen sollen. Das gelang bisher aber nicht wirklich, erst im zehnten Anlauf durfte sich der Engländer am Samstag mit dem 2:1 gegen Espanyol Barcelona über seinen ersten Ligasieg freuen.

Dass er den überhaupt noch auf der Bank miterleben durfte, war wohl seinen guten Beziehungen zum singapurischen Geschäftsmann und Clubchef Peter Lim zu verdanken, der ihn vorerst bis 30. Juni als “Feuerwehrmann” installiert hatte. Ohne die wäre wohl spätestens nach der 0:7-Pleite im Cup-Halbfinal-Hinspiel beim FC Barcelona am 3. Februar, der höchsten Niederlage seit einem 0:7 im UEFA-Cup 1993 beim Karlsruher SC, Schluss gewesen.

 

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Neville verfiel aber auch danach genauso wie nach der folgenden 0:1-Meisterschaftsniederlage gegen Betis Sevilla nicht in Panik und arbeitete konzentriert weiter. Dass auch dank der Unterstützung von Sportdirektor Jesus Garcia Pitarch, für den Neville der disziplinierteste Mensch ist, den er jemals im Fußball-Geschäft gesehen habe. Dass Neville ein absoluter Fachmann ist, ist unbestritten. Nicht nur wegen seiner Karriere, sondern auch wegen seiner erfolgreichen Zeit als TV-Analyst.

“Das Besondere ist nicht der gegnerische Trainer Neville, sondern die Mannschaft, der Verein und dass wir gegen so einen im Sechzehntelfinale spielen dürfen”, sagte Rapid-Trainer Zoran Barisic. Vor fast 20 Jahren kreuzten die beiden noch auf dem Feld die Klingen. Der Valencia-Coach spielte in jener United-Mannschaft, die Rapid in der Champions-League-Saison 1996/97 zweimal mit 2:0 besiegte. Im Old-Trafford-Stadion wurde Barisic in der 64. Minute eingetauscht. “Ich kann mich noch erinnern, dass ich brennheiß war, weil wir verloren haben und ich nicht von Anfang an gespielt habe”, betonte der Rapid-Coach nun rückblickend.

 

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Zudem erzählte Barisic eine witzige Anekdote: “Auf dem Weg zur Kabine ist mir ein kleiner ‘Bua’ entgegengekommen und hat mich um mein Leiberl gefragt, das hab ich ihm dann gegeben und er hat mir seines gegeben. Ich war schon so heiß und habe mir gedacht, sogar die ‘Ballschanis’ tauschen da die Leiberl mit den gegnerischen Spielern, derweil war es der Solskjaer, der gegen uns ein Tor gemacht hat.” ManUnited habe damals eine fantastische Generation gehabt. “Es war die sogenannte 92er-Generation, wo Alex Ferguson auf einmal viele junge Spieler hochgezogen hat, die dann über eine Periode unheimlich guten Fußball gespielt haben”, erklärte Barisic.

Neville hofft nun auch als Trainer auf den Durchbruch. Da wartet bei Valencia viel Arbeit, ist es doch das Ziel von Lim, der den Club 2014 übernommen und vor dem Bankrott bewahrt hatte, an die goldene Ära von 1999 bis 2004 anschließen zu können. Damals erreichte Valencia nicht nur zweimal das Champions-League-Finale (2000, 2001), sondern gewann auch den UEFA-Cup (2004), die spanischen Liga-Titel fünf und sechs (2002, 2004) sowie den spanischen Cup (1999).

Von solchen Erfolgen war der sechsfache Meister in der jüngeren Vergangenheit weit entfernt. Den letzten Titel gab es 2008 im Cup, in der Liga gab es zuletzt Rang vier, davor die Pätze acht, fünf und zweimal drei. Die vierte Kraft hinter dem FC Barcelona, Real Madrid und Atletico Madrid zu sein ist eigentlich das Minimalziel. Besonders bitter ist da aktuell, dass ausgerechnet der kleine Nachbar Villarreal auf Rang vier liegt und Valencia in den Schatten stellt. Die Neville-Elf läuft Gefahr zum ersten Mal seit 1988 eine Saison außerhalb der Top Ten zu beenden, ist aktuell nur Zwölfter.

Das junge Trainerteam, dem mit Nevilles Bruder Phil, der seit Sommer bei Valencia ist, und Miguel Angel Angulo zwei weitere Ex-Kicker angehören, soll das verhindern. Dafür erhalten sie neuerlich routinierte Hilfe in Person von Pako Ayestaran, der seit Montag als zusätzlicher Assistenztrainer im Amt ist.

Gary Neville war während seiner aktiven Karriere nur für ManUnited tätig, absolvierte in der Premier League als Rechtsverteidiger 398 Spiele. Den Champions-League-Pokal konnte er 1999 und 2008 stemmen. Etwas mehr als ein Jahr nach seinem Karriereende heuerte er im Mai 2012 als Co-Trainer von Englands Nationalteam an. Diese Funktion hat er nach wie vor inne.

 

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