Exklusiv: Marcel Koller über Spielphilosophie, Legionäre und die Rolle von Alaba bei den Bayern

Marcel Koller spricht im Exklusiv-Interview über die Rolle der Legionäre, Spielphilosophie im Nationalteam und warum es gut wäre, wenn Alaba bei den Bayern im zentralen Mittelfeld spielen würde.

Marcel Koller über die Spielzeit von den ÖFB-Legionären

„Es ist wichtig, dass man andere Erfahrungen sammelt. Im Ausland muss man sich mehr durchbeißen und durchkämpfen, man braucht ein anderes Auftreten. Wenn man sich zurück erinnert, es gab auch in meiner Amtsperiode Phasen wo die Spieler in ihren Vereinen nicht gespielt haben. Das nützt den Spielern dann auch nicht viel, das Selbstvertrauen ist weg, du hast keine Möglichkeit dich zu beweisen und bist natürlich enttäuscht. Beim Nationalteam geben wir den Spielern das Selbstvertrauen, dass es nicht immer notwendig ist, dass sie bei ihren Vereinen spielen. Natürlich wäre es gut, aber wir haben ihnen die Gewissheit gegeben, dass sie wichtig sind für uns und das Nationalteam. Natürlich haben wir im Training schauen müssen, ob die Spieler fit sind und ob es funktioniert. Wir mit den besten Spielern spielen, es ist meistens auch gut ausgegangen. Es wäre natürlich trotzdem wichtig, dass sie regelmäßig spielen und im Rhythmus sind, bei der WM-Qualifikation war das leider nicht immer so. Da hat man dann schon manchmal nach 60-70 Minuten gemerkt, dass die Luft weg war. Bei vier fünf Spielern sieht man das dann natürlich auch und wird zum Problem.“

Marcel Koller über Marc Janko und seinen Wechsel zu Basel

„Marc Janko ist damals zurückgeflogen nach Sydney und hat gemerkt, dass er nicht mehr erwünscht ist. Das ist eine schwierige Situation, er hat das schon mal erlebt bei der WM-Qualifikation gegen Schweden. Damals hat er sich schwer verletzt und danach lange keinen Verein gefunden. Auch gegen Russland hatte Janko ähnliche Gedanken, er wusste, dass er sich nicht verletzten durfte. Mit dem Tor hat er seine Leistung aber gekrönt. Für uns ist es natürlich gut, dass er einen Verein gefunden hat wo er gerne unterschrieben hat. Die kürzeren Wege bei der Anreise bedeuten mehr Erholung. Wir hoffen natürlich, dass er das bei uns am Platz umsetzten kann.“

Marcel Koller über Martin Hinteregger

„Martin Hinteregger hat bisher unsere Vorgaben perfekt umgesetzt. Er ist noch ein sehr junger Spieler auf seiner Position, trotzdem spielt er bereits ruhig und abgeklärt. Er wird noch mehr Erfahrung sammeln und noch besser werden. Wir wissen nicht ob er in einer europäische Liga wechseln wird, wenn es ihm bei Salzburg gefällt, dann ist das ein wichtiger Faktor. Wenn er sich wohlfühlt und sich einen Wechsel nicht zutraut, dann ist es so vielleicht aktuell besser. Das hat aber nichts mit seiner fußballerischen Qualität zu tun, aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass ein anderer Spieler im Ausland einen riesen Schritt macht und die Konkurrenz noch größer wird. Das sind aber kurzfristige Entscheidungen, die werden direkt im Teamcamp gefällt. “

Marcel Koller über Christian Fuchs‘ Rolle bei Leicester und seinen Wechsel nach England

„Ich denke Christian Fuchs ist nicht wegen dem Trainer gewechselt, das ist die Entscheidung vom Spieler. Man muss die Leistung auf den Platz bringen, wenn die passt, dann spielt man bei jedem Trainer. Ich glaube nicht, dass ein Trainer jemanden bevorzugt weil er Engländer ist. Wenn beide genau gleich gut sind, dann muss man eine Entscheidung treffen. Wenn der Trainer glaubt er kann mit Fuchs gewinnen, dann wird er mit ihm planen.“

Marcel Koller über Marcel Sabitzer und Stefan Ilsanker

„Das liegt auch am Spieler, wie entwickelt er sich weiter, wie sind seine Spiele. Das ist natürlich nicht einfach. Grundsätzlich sind in den Topligen die zweiten Ligen nochmal stärker als woanders. Die Spieler die bei uns jetzt immer dabei waren, die sind dabei weil sie gute Fußballer sind und wir von ihnen überzeugt sind. Schlussendlich müssen die Spieler trotzdem mit guten Leistungen auf sich aufmerksam machen.“

Marcel Koller über David Alaba und seine Rolle bei den Bayern

„David Alaba braucht bei uns immer eine gewisse Zeit bis er im Zentrum wieder zurechtkommt. Zwei drei Tage sind bei uns eine lange Zeit, wir haben nicht so viel Zeit mit der Mannschaft. Wenn du immer auf deiner Position spielst und dich dort wohl fühlst, dann wäre er gleich drinnen. Bei den Bayern spielt er eine defensivere Position. Bei den Bayern haben sie für David eine Rolle kreiert die bei uns nicht so funktioniert. Für uns wäre es natürlich gut, wenn er bei den Bayern eine zentralere Position spielen würde.“

Marcel Koller über die Philosophie  im Team

Ich hab mich früher auch über Tiki-Taka aufgeregt, wenn man schnell nach vorne spielen kann und trotzdem lieber Tiki-Taka spielen möchte, dann hab ich mich vor dem Fernseher aufgeregt. Wenn ich mit drei Ballkontakten ein Tor erzielen kann, dann brauche ich nicht 50 oder 100 Ballkontakte. Für mich ist beides wichtig, ich möchte schon Fußball spielen lassen, aber die Wahrnehmung ist mir bei den Spielern wichtig. Wenn die Möglichkeit gegeben ist, einen Konter schnell zu spielen und den Gegner früh zu attackieren, dann will ich lieber schnell in den Strafraum spielen. Da brauch ich kein Tiki-Taka. Blind nach vorne spielen wenn alles zugestellt ist, das ist aus meiner Sicht auch falsch. Der richtige Pegel ist wichtig um erfolgreich zu spielen.“

Marcel Koller über die Kaderbenennung im Nationalteam

„Es gibt da keine spezielle Technik oder Methode, das ist von Spieler zu Spieler individuell. Im Verein hat man eine Philosophie die vom Sportdirektor oder Trainer ausgegeben wird und nach der man die Spieler auswählt. Mit der Technik und den neuen Möglichkeiten ist es einfacher geworden, es braucht trotzdem Fußballverständnis. Wir müssen sehen, ob uns der Spieler weiterbringt. Da müssen gewisse Dinge abgeklärt werden, zum Beispiel ob der Spieler menschlich zu uns passt, ob er die gewünschte Position spielen kann, hat er die Wahrnehmung, kann er das schnelle Umschaltspiel umsetzen. Das ist schwierig zu analysieren. Da braucht es das richtige Auge um am Ende die richtigen Spieler dabeizuhaben.“