Expected Goals: Welche Teams sind am effizientesten?

via Sky Sport Austria

Der Fußball wird in den letzten Jahren immer weiter bis ins kleinste Detail analysiert und zerlegt. Die Aufzeichnungen aller Aktionen, die am Platz passieren ist mittlerweile eine Selbstverständlichkeit. Ein sehr spannendes Modell sind die “Expected Goals” (auf Deutsch: die zu erwartenden Tore). Philipp Ertl, Chief Editor of OPTA Sports Austria hat dieses Modell in der Tipico Bundesliga unter die Lupe genommen und einige interessante Thesen aufstellen können.

Expected Goals

Das Modell wird seit Jahren von Analytikern verwendet und stets weiterentwickelt. Es berücksichtigt unter anderem die exakte Ausgangsposition des Schusses, die Position des Torwarts, die Angriffssituation (Konter, Standard, Positionsangriff) und die Spielsituation (Spielstand, -minute). So wird versucht die Erfolgswahrscheinlichkeiten der abgegebenen Schüsse zu beschreiben und den Chancen eine Qualität zuzuordnen. Eine hohe Gesamtanzahl an Schüssen bedeutet nicht immer eine hohe Gesamtanzahl an guten Möglichkeiten.

Besonders interessant wird das Modell, wenn Mannschaften klar von den „Expected Goals“ abweichen. Deshalb haben wir das Modell für die Österreichische Bundesliga unter die Lupe genommen. Elfmeter wurden dabei nicht berücksichtigt bzw. herausgerechnet.

Sturm und Salzburg sehr effizient

Insgesamt liegen die BL-Teams, wie in anderen Ligen auch, im Schnitt klar über den „Expected Goals“, den Toren die aufgrund der Chancen zu erwarten waren. Am höchsten über den Werten liegen Sturm und Altach, die auch in der Tabelle ganz vorne stehen. Sie erzielten jeweils rund sieben Tore mehr als aufgrund der Schusspositionen zu erwarten war. Eine der vielen möglichen Erklärung dafür sind die effektiven Stürmer beider Mannschaften, die ihre Chancen eiskalt ausnutzen. Bei Sturm ließen die Spieler diese Qualität in den letzten Runden vermissen, die Grazer lagen zeitweise noch deutlicher über der Berechnung (+10) als derzeit (+7,4).

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Rapid gab ligaweit die meisten Schüsse ab, suchte den Abschluss aber manchmal zu voreilig. Zudem vergab Rapid auch viele gute Möglichkeiten und liegt damit unter der zu erwartenden Ausbeute.

Am weitesten unter den Erwartungen liegt der FC Admira Wacker Mödling. Die Niederösterreicher erzielten fünf Tore weniger als das Modell berechnet. Das Stürmerproblem der Niederösterreicher ist bekannt. Immerhin drei Teams erarbeiteten sich weniger gute Möglichkeiten, die Admira hat aber ligaweit die schwächste Ausbeute.

Sturms Defensive schlägt sich bisher über Wert

In der Auswertung der Defensive fällt auf, dass die Wiener Austria sehr viele gute Möglichkeiten zuließ. Der Wert der Expected Goals wird nur von der Admira übertroffen, drei Mannschaften kassierten aber mehr Gegentore als die Austria. Die für die Wiener historisch meisten Gegentore nach 14 Runden (24 – wie 1996) sind also nicht nur auf Pech zurückzuführen.

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Sturm Graz liegt auch in der Defensive deutlich über den Berechnungen. Das Defensivverhalten des Tabellenführers wird immer wieder bemängelt, obwohl die Grazer die wenigsten Gegentore (12) kassierten. Bei den berechneten Gegentoren liegen sie in dieser Wertung auch nur auf Platz 4. Die wenigen Gegentore sind auf die gute Abwehrquote von Torhüter Gratzei (76% – ligaweit die zweitbeste Quote), als auch auf einiges Glück bzw Unvermögen der Gegner zurückzuführen.

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Christian Dobnik hat mit 83% abgewehrten Bällen die beste Quote aller Torhüter. Er trug bei seinen fünf Einsätzen (drei davon zu Null) auch einiges dazu bei, dass der WAC neben Sturm das einzige Team der Liga ist, das weniger Gegentore kassierte, als es die Berechnung vermuten lässt.

Gegen Mattersburg war es am einfachsten zum Torerfolg zu kommen. Die Burgenländer kassierten fast sieben Gegentore mehr, als die Chancenqualität der Gegner erahnen lässt – der höchste Wert.

Ein Ausblick: Mattersburg und Admira mit viel Luft nach oben

Über einen langen Zeitraum betrachtet, wird erwartet, dass sich die Expected Goals und die tatsächliche Torausbeute annähern. Unter diesem Aspekt schauen wir uns die Ausgangsposition für die restliche Saison genau an.

Wenn man die Auswertungen von Offensive und Defensive zusammenzählt, liegt Sturm am deutlichsten über den Berechnungen. Ein deutliches Überperformen muss nicht immer in einem Einbruch enden und kann auch auf hohe Abschlussqualität der Spieler zurückzuführen sein. Wenn die Stürmer allerdings nicht aus jeder Chance einen Treffer machen oder/und die Gegner ihre Chancen verwerten, kann das zu einem Zwischentief führen.

Bei Salzburg zeigt die Entwicklung in letzter Zeit deutlich nach oben. Wenn der amtierende Meister einen Lauf bekommt, ist er kaum zu stoppen.

Das größte Steigerungspotential in dieser Wertung haben Mattersburg und die Admira. Der WAC wiederum muss hoffen, seine gute Form zu konservieren, um nicht doch noch in den Abstiegskampf verwickelt zu werden.

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Autor: Philipp Ertl / Chief Editor of OPTA Sports Austria