Fast wie bei Klopp: Auch Serbien im Prozess der „Heilung“
Neuanfang. Aufbau. Zeit. Gier. Serbiens Nationaltrainer Veljko Paunovic muss sich derzeit mit so ziemlich denselben Themen und Problemen herumschlagen wie Jürgen Klopp, und irgendwie klingt der 49-Jährige auch ein bisschen wie sein deutscher Kollege.
„Ich möchte, dass diese Mannschaft die Fans wieder aufweckt“, sagte Paunovic vor dem Duell seiner „Adler“ mit Deutschland in der Nations League in München (Donnerstag, 20.45 Uhr). Und: „Das möchte ich sehen: Glauben und Mentalität.“
Wie die DFB-Elf durchschreitet auch die serbische Mannschaft ein tiefes Tal, die XXL-WM im Sommer wurde verpasst, der Start in die Nations League mit zwei Pleiten aus zwei Spielen verpatzt. Die Fans fragen sich zunehmend verzweifelt: Warum schöpft das Team trotz Talenten wie Aleksandar Stankovic (Inter Mailand), Lazar Samardzic (Atalanta Bergamo), Vasilije Kostov (Roter Stern Belgrad), Mihajlo Cvetkovic (RSC Anderlecht) oder Jovan Milosevic (Sporting Braga) ihr Potenzial so selten aus?
Serbien befinde sich im Prozess der „Heilung“, sagte Paunovic und überredete für seinen Wiederbelebungsversuch zuletzt Altmeister Dusan Tadic zum Comeback in der Nationalmannschaft. Der fast 38 Jahre alte Spielmacher war nach dem Vorrunden-Aus bei der EM 2024 eigentlich zurückgetreten, soll nun aber plötzlich zum Symbol des Neuanfangs werden. „Ich bin hier, um Führungsspieler zu sein und in entscheidenden Momenten Verantwortung zu übernehmen – auf und neben dem Platz“, sagte Tadic.
1:2 gegen Griechenland, 1:2 gegen die Niederlande – eine weitere Pleite gegen Deutschland kann sich Serbien eigentlich nicht erlauben. „Natürlich haben wir mehr erwartet und gewollt. Ich bin nicht zufrieden damit, dass wir Letzter der Tabelle sind“, sagte Paunovic. Und weil er ganz genau weiß, dass sich Klopps Team gegen einen tief stehenden Gegner schwer tut, schwört Paunovic seine Mannschaft auf eine starke Abwehr ein: „Wir müssen weniger Gegentore kassieren. Defensiv sind wir eigentlich nicht so schlecht, wie es die Anzahl der Gegentore vermuten lässt.“
Schritt für Schritt soll den Fans der Stolz auf ihre Nationalmannschaft zurückgegeben werden. „Das Niveau steigt von Spiel zu Spiel“, sagte Paunovic und rechnet sich gegen Klopp durchaus etwas aus: „Die Deutschen haben ihre Mittel, wir haben unsere.“
