Ferencváros im Fokus: Sport, Politik und die Nachwuchs-Strategie des Salzburg-Gegners

In der UEFA Europa-League trifft der FC Red Bull Salzburg am heutigen Donnerstag (ab 18 Uhr live auf Sky Sport Austria 3 – mit Sky Stream das Spiel live streamen) auf Ferencváros. Der Fußballklub aus Budapest steht nicht nur sportlich, sondern auch politisch oft im Mittelpunkt.  

Ferencváros blickt auf eine sehr erfolgreiche und zugleich turbulente Historie zurück. 1899 gegründet, avancierte der Verein zum ungarischen Fußball Rekordmeister. Bis 2006 spielte der Traditionsverein ununterbrochen in der höchsten ungarischen Liga, ehe er wegen finanziellen Problemen zwangsrelegiert wurde.

Nach dem neuerlichen Wiederaufstieg hat sich Ferencváros in den letzten Jahren zum Serienmeister entwickelt. Seit der Saison 2018/19 krönte sich der Klub aus der ungarischen Hauptstadt Budapest sieben Mal in Folge zum Champion.

Erfolg dank Nähe zur Politik

Dieser Aufschwung ist kein Zufall, sondern auch der Regierungspartei Fidesz und deren Ministerpräsident Viktor Orbán zu verdanken. „Ferencváros ist zum Flaggschiff-Projekt von Fidesz geworden, da es der beliebteste Verein des Landes ist und Verbindungen zur rechten Politik hat“, sagt Ádám Fekő, Journalist beim ungarischen Magazin Magyar Narancs, gegenüber Sky Sport Austria.

Zwischen dem Klub und der politischen Partei bestehen enge Bindungen. So ist beispielsweise Klubpräsident Gábor Kubatov gleichzeitig auch der Vizepräsident von Fidesz. Laut Ádám Fekő mischt sich Fidesz nicht direkt in das Sportgeschäft ein, sehr wohl aber in die Finanzen des Klubs. „Der wahre Einfluss liegt darin, dass Ferencváros bewusst zum reichsten Verein Ungarns gemacht wurde“, sagt er.

Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Fradiváros“. Der Bau der Sportanlage wurde mit rund 60 Millionen Euro von der Regierung gefördert. „Mit dem Bau wurde nie begonnen, eine spätere Regierungsverordnung erlaubte es dem Verein jedoch das bereits erhaltene Geld für seine Betriebskosten zu verwenden“, so Fekő.

Hohe Investitionen

Dass der Fußball in Ungarn von der Politik gefördert und für die eigenen Zwecke gebraucht wird, ist kein Geheimnis. Die Regierungspartei Fidesz investiert seit Jahren hohe Summen in den Nationalsport.

Wie viel Geld genau in den Fußball fließt, ist aufgrund fehlender Transparenz schwer zu ermitteln. Laut Fekő flossen aber seit der Machtübernahme von Fidesz im Jahr 2010 bereits mehrere Milliarden Euro in die Förderung des Sports. Dies geschieht auf verschiedene Arten, unter anderem durch Sponsorengelder von staatlichen Firmen oder den Bau von Stadien.

Der Zweck dieser Investitionen sei gemäß Fekő Erfolge des ungarischen Fußballs als die der Partei zu verkaufen und den Rückhalt in der Bevölkerung zu stärken. „Das Problem ist, dass der ungarische Fußball nicht annähernd so gut ist, wie es die darin investierten Gelder vermuten lassen“, sagt er.

Wenig Erfolge im Nachwuchsbereich

Am stärksten zeigt sich dieses Ungleichgewicht im Nachwuchsbereich, in den Ungarns Regierung seit Jahren viel Geld steckt. Zahlreiche Akademien wurden aufgebaut, um junge Talente zu fördern. Die Erfolge bleiben vorerst bescheiden, wie der ungarische Sportjournalist János Kele vom Onlineportal 24.hu gegenüber Sky Sport Austria betont. „Kurzfristiger Erfolg wird oft langfristiger Entwicklung vorgezogen“, sagt er.

Der (Um)Weg ins Ausland

Ein Beispiel für diesen Entwicklungspfad ist der heutige Ferencváros-Stürmer Barnabás Varga. Er konnte sich als Jugendspieler in Ungarn nie richtig durchsetzen und musste zunächst einen Umweg über Österreich nehmen. Erst da konnte sich der heute 30-Jährige entwickeln und spielte unter anderem für den SV Mattersburg und den SV Lafnitz, bevor er den Sprung zurück in die Heimat und schließlich zu Ferencváros schaffte.

Varga ist kein Einzelfall. Viele Talente suchen ihr Glück schon in jungen Jahren im Ausland. „Vielversprechende ungarische Talente entscheiden sich oft dafür, das Land so früh wie möglich zu verlassen und ihre Karriere im Ausland aufzubauen“, sagt Kele. Paradebeispiele dafür sind Dominik Szoboszlai oder Milos Kerkez, die heute beide beim FC Liverpool unter Vertrag stehen.

Selbst vom jetzigen Ferencváros-Kader können gemäß Kele nur Alex Tóth und Krisztián Lisztes Jr. den aktuellen Bestrebungen der Nachwuchsförderung zugeordnet werden.

Keine Zeit für Entwicklung

„Ferencváros ist in erster Linie kein fußballerisches oder geschäftliches Projekt, sondern ein politisches“, stellt Kele klar. Der Erfolg von Ferencváros soll als Beweis dafür dienen, dass die Milliarden, die in den Fußball gesteckt werden, auch tatsächlich Erfolg bringen.

Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es Spieler, die sofort einschlagen. Und das sind meistens nicht ungarische Talente, die zunächst Zeit für ihre Entwicklung benötigen. Aus diesem Grund setzt Ferencváros auf einen breiten Kader mit vielen Legionären. „Die Logik ist einfach: Wenn genügend Spieler da sind, werden einige davon auch Erfolg haben“, sagt Kele.

Prominente Trainer

Zur Strategie von Ferencváros gehört auch die Verpflichtung von prominenten Trainern. So wurde der Klub beispielsweise 2021 vom jetzigen Rapid-Coach Peter Stöger trainiert. Seit Jänner 2025 steht der ehemalige irische Nationalspieler Robbie Keane an der Seitenlinie und konnte die Mannschaft in der letzten Saison sogleich zum Meistertitel führen.

Salzburg unter Druck

Beim heutigen Duell gegen Ferencváros steht Red Bull Salzburg bereits mächtig unter Druck. Nach dem schlechten Auftakt mit Niederlagen gegen Porto und Olympique Lyon liegt das Team von Trainer Thomas Letsch auf dem vorletzten Platz der Europa-League-Ligaphase. Ferencváros hingegen hat nach den ersten zwei Partien bereits vier Punkte auf dem Konto.

Bisher noch keine Duelle

Bisher sind Red Bull Salzburg und Ferencváros noch nie aufeinandergetroffen. Das letzte Pflichtspiel mit einem österreichischen Team liegt für Ferencváros bereits 32 Jahre zurück. Damals traf das Team aus Budapest in der 1. Runde des Pokals der Pokalsieger auf den FC Tirol und verlor beide Spiele.

Für Red Bull Salzburg liegt das letzte Kräftemessen mit einem ungarischen Team sogar noch länger zurück. 1991 traf, die damals noch unter dem Namen Austria Salzburg spielende Mannschaft, im Rahmen des Intertoto Cups auf den Vác Fc. Es resultierten damals ein Sieg und ein Remis für die Salzburger.

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Bilder: Imago/GEPA