Fergie Time, Fallrückzieher, Dramen: Die Derby-Klassiker von Manchester
„Fergie Time“-Drama, Wayne Rooneys Fallrückziehertor, Demütigungen vor eigenem Publikum und vieles mehr bot das Manchester Derby in seiner Historie auf. Heute (17:30, live auf Sky – streame mit Sky X!) treffen United und City zum 199. Mal in einem Pflichtspiel aufeinander.
Das Duell der beiden Vereine aus der nach Einwohner fünftgrößten Stadt Englands brachte immer wieder denkwürdige Duelle mit sich. Den direkten Vergleich führt United in der Geschichte mit 81 Siegen gegenüber 63 City-Erfolgen an. 54-mal gab es ein Remis. Im Jänner dieses Jahres siegte United im bisher letzten Aufeinandertreffen mit 2:0.
Verein der Stadt gegen Weltklub
Die Anhänger von City sehen ihren Klub als „wahren Verein Manchesters“, da City immer in der Stadt Manchester beheimatet war. Daher stammt auch der Spitzname „Cityzens“. United spielt hingegen seit 1910 im Old Trafford. Das als „Theatre of Dreams“ bezeichnete Stadion liegt in der Metropolregion Greater Manchester, ein paar Kilometer außerhalb des Stadtzentrums. Die Fans von Man United argumentieren hingegen, der global beliebtere Verein und ohne arabische Millionen international erfolgreich gewesen zu sein.
Das erste Manchester Derby stieg 1881 in einem Freundschaftsspiel. Manchester City (bis 1894 als „St. Mark´s“ unterwegs) empfing United, damals im 19. Jahrhundert unter dem Namen „Newton Heat Football Club“. Zum ersten Spiel in einem Wettbewerb kam es erst zehn Jahre danach im FA Cup. Newton Heath siegte mit 5:1.
United-Legende schießt United eine Liga tiefer
Angreifer Denis Law bestritt in seiner Karriere insgesamt 405 Spiele für Manchester United. Davor war er beim Lokalrivalen und bei Torino in Italien unter Vertrag. Der Schotte gewann mit den United in den 60er-Jahren zusammen mit Legenden wie George Best oder Bobby Charlton zweimal den FA Cup und einmal die englische Meisterschaft.

Law sorgte im April 1974 für einen der emotionalsten Momente in der Geschichte des Derbys. Die im Jänner 2025 verstorbene Legende wechselte zur Saison 1973/74 wieder zu City und traf am letzten Spieltag auf seinen langjährigen Klub. In Minute 81 traf Law zum 1:0 für City und United stieg in die damalige zweite Division ab.
Alles neu nach Geld aus Arabien
Im September 2008 übernahm Scheich Mansour aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Man City für rund 200 Millionen Pfund und läutete somit eine neue sportliche Ära ein. Aus dem Mittelständler wurde über die Jahre ein europäischer Topklub, City gewann in der Scheich-Ära bisher achtmal die Premier League.
Im neuen Zeitalter ist auch die Derbybilanz der Himmelblauen positiv. 22 Siege, fünf Unentschieden und 19 Niederlagen stehen zu Buche.
2023 folgte unter Pep Guardiola der langersehnte Champions-League-Triumph mit einem 1:0-Erfolg über Inter Mailand. Seither ist Manchester neben Mailand die einzige Stadt mit zwei Champions-League-Siegern.
Sieben-Tore-Spektakel lässt Ferguson strahlen
Zu einem spektakulären Match kam es im September 2009, als eine hochspannende Partie gleich sieben Treffer beinhaltete. Im Old Trafford führten die Gastgeber durch einen Doppelpack von Darren Fletcher sowie einem weiteren Tor durch Wayne Rooney dreimal. Manchester City – damals trainiert von Ex-United-Kicker Mark Hughes – schlug durch ein Tor von Gareth Barry und zwei Treffer von Craig Bellamy aber immer zurück. In der 96. Minute bescherte Michael Owen United den späten 4:3-Sieg.

Siegertrainer Sir Alex Ferguson bezeichnete diese Partie als das „wahrscheinlich beste Manchester Derby aller Zeiten“. Dieser Treffer gilt auch als Höhepunkt der sogenannten „Fergie Time“, als United oft in der Nachspielzeit in der langen Ferguson-Ära Spiele noch für sich entschied.
Vor Beginn der Saison 2009/10 sorgte ein Wechsel für mächtig Furore. Stürmerstar Carlos Tevez konnte sich mit United nicht über eine Vertragsverhandlung einigen. Der Argentinier unterschrieb darauf hin beim Stadtrivalen. Auch Owen Hargreaves wechselte 2011 nach Vertragsende von Rot direkt zu Himmelblau.
United-Tragödie im Old Trafford
Zwei Jahre später drehte City dann in der Heimstätte des Rivalen den Spieß gewaltig um. Nach 45 Minuten führte City unter Roberto Mancini mit 1:0. Mario Balotelli traf für City und es kam sein legendäres Shirt mit der Aufschrift „Why always me?“ zum Vorschein. Damit nahm der italienische Stürmer mit teils falschen Medienmeldungen gegen seine Person Stellung, das Bild ging rasch um die Fußballwelt.
Niemand ahnte, dass die zweite Halbzeit in die Geschichte eingehen wird. Balotelli erzielte seinen zweiten Treffer. Ein Dzeko-Doppelpack, David Silva und Sergio Agüero besiegelten den 6:1-Auswärtssieg der Skyblues. Für United traf Darren Fletcher zum zwischenzeitlichen 1:3. Vor 75.000 Zuschauern erlitt Manchester United die höchste Derbyniederlage aller Zeiten. City wurde in dieser Spielzeit am letzten Spieltag im Fernduell mit dem Stadtrivalen erstmals in der Premier-League-Ära Meister.

Im Februar des gleichen Jahres lieferte Wayne Rooney mit einem Fallrückzieher zum 2:1-Endstand das wohl spektakulärste Tor in Manchesters Derbygeschichte. Rooney und Agüero sind mit elf Treffern auch die Rekordtorschützen im direkten Vergleich der beiden Stadtrivalen.
United hofft auf Turnaround, City will weiter siegen
Zweimal standen sich Manchesters Vertreter auch im englischen Pokalfinale gegenüber. 2023 gelang Ilkay Gündogan im City-Dress nach zwölf Sekunden das schnellste Tor in einem FA-Cup-Finale. Gündogan traf nach 51 Minuten erneut und fixierte den Sieg für City. Bruno Fernandes glich zwischenzeitlich aus. Ein Jahr später revanchierte sich der Rivale durch Tore von Garnacho und Mainoo und sicherte sich den Pokal.
In der 199. Auflage des Derbys empfangen die „Red Devils“ die „Skyblues“ im Old Trafford. Mit nur vier Punkten aus drei Partien verlief der Saisonstart der Carrick-Truppe nicht zufriedenstellend. Auf der Gegenseite hat City mit neun Zählern aus ebenso vielen Spielen das Maximum am Konto und ist Tabellenführer.
Vieles spricht für die „Skyblues“, doch das Spiel zwischen den beiden Lokalrivalen hat wie schon in der Geschichte oft Unvorhersehbares geboten und hat auch diesmal das Potential dazu. In der Champions League tankten beide schon Selbstvertrauen für die bevorstehende Aufgabe.
