RIO DE JANEIRO, BRAZIL - FEBRUARY 12:  Jose Maria Marin, president of the Brazilian football confederation attends a press conference to announce the proposed host cities for football matches for the 2016 Rio Olympics on February 12, 2015 in Rio de Janeiro, Brazil.  (Photo by Buda Mendes/Getty Images)

FIFA-Prozess: Jury verteilt Schuldsprüche – zwei Ex-Funktionäre umgehend in Haft

via Sky Sport Austria

New York/Frankfurt (SID) Die früheren Südamerika-Bosse Jose Maria Marin und Juan Angel Napout landeten wegen ihrer über Jahre auf Kosten des Fußballs geführten Schmutzgeschäfte am Freitag im Gefängnis. Die Jury im New Yorker FIFA-Prozess sprach die beiden Ex-Funktionäre der Korruption, organisierten Kriminalität und des Betrugs schuldig – Richterin Pamela Chen ordnete wegen Fluchtgefahr umgehend Haft an.

Der ehemalige brasilianische Verbandsboss Marin (85) wurde von der Jury in sechs der sieben vor Gericht gebrachten Fälle für schuldig befunden, der ehemalige FIFA-Vizepräsident Napout (59/Paraguay) in drei von fünf. Das Strafmaß steht jeweils noch aus – vor allem die bewiesene organisierte Kriminalität dürfte aber zu langen Aufenthalten hinter Gittern führen.

Im Fall von Perus früherem Fußball-Chef Manuel Burga (60) ist die Jury noch zu keiner Entscheidung gekommen. Der Ausschuss wird seine Beratungen am Dienstag fortsetzen. Burga wird nicht die Annahme von Bestechungsgeldern, sondern “nur” Verschwörung zu kriminellen Machenschaften vorgeworfen. Chen merkte an, bislang “keine Gründe” für eine Berufung zu sehen.

Die FIFA teilte unmittelbar im Anschluss an die Urteile mit, “alle notwendigen Schritte” unternehmen zu wollen, um von den schuldig gesprochenen Angeklagten Entschädigungszahlungen einfordern zu können. Der Weltverband betonte, dass auch das Gericht bestätigt habe, dass die FIFA “Opfer” der Kriminellen gewesen sei.

Marin soll laut Anklage 6,55 Millionen Dollar, Napout 10,5 Millionen Dollar Schmiergeld angenommen haben. Als Gegenleistungen sollen die Funktionäre ihren Einfluss bei der Vergabe von Marketing- und TV-Rechten an Turnieren und Spielen vor allem im südamerikanischen Kontinentalverband CONMEBOL verkauft haben.

Marin finanzierte sich laut Staatsanwaltschaft mit dem Schmiergeld auf Schwarzgeldkonten ein Leben in Saus und Braus. Bei Hermes in Paris habe der Funktionär einmal knapp 21.000 Dollar ausgegeben, bei Bulgari in Las Vegas soll für 50.000 Dollar eingekauft worden sein.

Ähnliche Kuriositäten, aber auch Erschreckendes und Tragisches hatte der FIFA-Prozess quasi seit dem ersten Verhandlungstag am 6. November offenbart. So war der frühere Rechtehändler Alejandro Burzaco während seiner Aussage im Zeugenstand in Tränen ausgebrochen. Der Peruaner Manuel Burga hatte zuvor eine unmissverständliche “Halsabschneider”-Geste gemacht, später aber betont, er habe sich nur gekratzt. Der von Burzaco der Korruption bezichtige Argentinier Jorge Delhon beging (vermeintlich) Selbstmord.

Um eine Falschaussage von Napout auffliegen zu lassen (was gelang), hatte die Staatsanwaltschaft den prominenten Musiker Kevin Jonas, Mitglied der früheren Pop-Band Jonas Brothers, in den Zeugenstand gerufen. Chen hatte ein Jury-Mitglied nach Hause geschickt, weil dieses eingeschlafen war.

Vor allem aber hatten die Zeugenaussagen und Tausende Seiten Beweismaterial aufgezeigt, dass die Ermittlungen im Korruptionssumpf noch lange nicht abgeschlossen sind. Insgesamt richtet sich die US-Anklageschrift gegen 42 Personen, von denen sich bereits mehrere schuldig bekannt haben – darunter auch Burzaco, der sich von der Zusammenarbeit mit den Behörden Strafmilderung erhofft.

Oft beschuldigt wurden die früheren Spitzenfunktionäre Nicolas Leoz (Paraguay) und Ricardo Teixeira (Brasilien), die in der Hackordnung noch über den drei Angeklagten standen, sich aber vehement gegen die Auslieferung aus ihren Heimatländern in die USA zur Wehr setzen. Die “graue Eminenz” des südamerikanischen Fußballs, der Argentinier Julio Grondona, der sich laut eines Zeugen gerne seinen schweren Siegelring als Ehrerbietung hatte küssen lassen, verstarb 2014.

Deshalb werden viele Indizien vorläufig eben solche bleiben. Dazu gehören auch die Verdachtsfälle rund um die Vergabe der WM 2022 an Katar. Marin, Napout und Burga waren bei der Entscheidung des FIFA-Exekutivkomitees im Dezember 2010 nicht stimmberechtigt – im Gegensatz zu Leoz, Teixeira und Grondona.

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