Finaleinzug als Ziel für Österreich am ersten WM-Wochenende

Am ersten Wochenende der Leichtathletik-WM in Budapest sind gleich fünf der acht qualifizierten ÖLV-Aktiven im Einsatz. Freilich mit unterschiedlichem Leistungspotenzial. Für Lukas Weißhaidinger zählt mit dem Diskus nur der Finaleinzug, für Susanne Gogl-Walli ist das 400-m-Halbfinale realistisch. Ein solches peilt auch 100-m-Sprinter Markus Fuchs an, es käme überraschend. An ihre Bestleistungen herankommen wollen Sarah Lagger (Siebenkampf) und Raphael Pallitsch (1.500 m).

Am Samstag in der zweiten Qualifikationsgruppe ab 20.43 Uhr wirft Weißhaidinger, für den direkten Finaleinzug werden hoch angesetzte 66,50 m gefordert, zwölf Athleten kommen weiter. „Ich gehe davon aus, dass man 64,50 brauchen wird“, sagte der Olympia-Dritte nach seiner Ankunft in Budapest. „Ich hab‘ da schon mal schlucken müssen, das zeigt, wie hoch die Qualität ist. Bei 66,5 m haben wir vor ein paar Jahren von einer Medaille gesprochen.“

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Zumeist findet die Quali am Vormittag statt, den Abendtermin begrüßt der Oberösterreicher. „Das hat den Flair von einem Schladming Nightrace.“ Außerdem sei es fairer, fügte Trainer Gregor Högler hinzu, da bei niemandem um 5 Uhr Tagwache sei. In der Vergangenheit stellte sich die erste Gruppe in der Früh oftmals als Nachteil heraus. Die Taktik für die möglichen drei Versuche lautet laut Högler: „Den ersten nicht voll draufhauen, weil wenn man rutscht und bissl drüber bist, ist das Gefühl weg. Ich will einen Steigerungslauf durch den Ring.“

Fuchs, Lagger und Pallitsch wollen überraschen

Gleich in sieben Disziplinen ist Lagger im Einsatz, für die Kärntnerin ist es bei der dritten Möglichkeit nun tatsächlich das erste Antreten bei einer WM. Und es ist bereits ihr vierter Siebenkampf heuer. „Ich bin bereit. Es ist cool, dass die Saison noch diese Wendung gemacht hat“, sagte die Mehrkämpferin. Möglich machte den Start der doch unerwartete Sieg mit 6.089 Punkten in Bydgoszcz. Die WM birgt auch eine Riesenchance für Bonuspunkte, denn die 23-Jährige schielt freilich schon zu Olympia 2024 nach Paris.

Im WM-Teilnehmerinnenfeld fehlt die zweifache Weltmeisterin Nafissatou Thiam aus Belgien (Achillessehne), die Polin und Götzis-Dritte Adrianna Sulek sagte wegen Schwangerschaft ab. Anna Hall (USA), mit 6.988 Punkten Gewinnerin im Lände, darf mit dem Titel spekulieren. Laggers persönliche Bestleistung steht bei 6.225. „In einigen Disziplinen ist noch mehr drinnen. Es wird eine coole Stimmung sein, die zu guten Leistungen verhilft. Ich nehme mir keine Punkte vor, bin aber motiviert, meine Saisonbestleistung anzugreifen.“

Ganz anders ist die Ausgangslage von Raphael Pallitsch (33), dessen Geschichte bemerkenswert ist. Von 2010 bis 2012 erlebte er seine stärkste Zeit (Hallen-WM-14.), verletzte sich und stellte in der Rehabilitation fest, dass es das mit Spitzensport gewesen ist. Nach dem Studium unterrichtete er sechs Jahre in einem Wiener Gymnasium Sport, Religion und Ethik.

Während der Corona-Pandemie wurde das Laufen wieder zum Fixpunkt. „Ich habe gemerkt, dass ich neben dem Beruf gut trainieren kann, es aber schwierig ist, auf hohem Niveau Wettkämpfe zu laufen.“ Vor einem Jahr ging der nun erste Burgenländer bei einer WM in Karenz.

ÖLV-Rekordhalter Fuchs: „Semifinale muss Ziel sein“

„Ich habe in der Halle das Maximum rausgeholt, Freiluft musste ich an Meetings nehmen, was ich kriege.“ Das intensive, aber für die Quali nötige Rennprogramm verursachte ein mentales und körperliches Tief. Er kam rechtzeitig zur Ruhe und wieder auf die Höhe. Pallitsch kennt die Laufeinteilung für Samstagabend, mit der heuer erreichten 1.500-m-Bestzeit von 3:38,16 Min. ist er unter den 14 Läufern im vierten Lauf das Schlusslicht. „Jede Rangverbesserung ist ein Gewinn“, sagt er daher.

Neu ist, dass die ersten sechs weiterkommen und es keinen Aufstieg über die Zeit mehr gibt. Das könnte ihm grundsätzlich zugute kommen. „Allerdings wird trotzdem jeder Vorlauf schneller sein als meine Bestzeit.“ Sollte stark gebummelt werden und Pallitsch eine Chance sehen, will er seine Sprintstärke auspacken. „Meine starken letzten 150 m bringen mir nur was, wenn die Position gut ist.“

100-m-ÖLV-Rekordler Fuchs nützte die knapp bemessene Zeit im Stadion am Freitag intensiv. „Das ist für die Einstellung extrem wichtig für mich. Es ist meine erste WM-Bahn, das wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Ich bin unendlich glücklich, dass ich hier bin.“ Freilich setzt er sich das Semifinale zum Ziel, weiß aber: „Für mich ist die Qualifikation schon so eine Art Semifinale.“ Gogl-Walli greift am Sonntag über die Stadionrunde an.

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(APA)/Bild: GEPA