Funk-Ärger bei Hamilton: Kritik an Ferraris Strategie
Lewis Hamilton hat Ferrari nach dem GP der Niederlande wegen einer Teamentscheidung kritisiert. Der Ferrari-Pilot verlor hinter Charles Leclerc wertvolle Zeit und sieht dadurch wichtige Punkte im WM-Kampf gegen Kimi Antonelli verloren.
Ein Funkstreit zwischen Hamilton und Ferrari sorgte in Zandvoort für Diskussionen. Der siebenmalige Weltmeister sprach sogar von einem möglichen Podiumsverlust.
Ein Funkstreit, verlorene Sekunden und die nächsten Punkte auf den WM-Leader eingebüßt: Beim GP der Niederlande in Zandvoort geriet Ferrari mit einer fragwürdigen Entscheidung ins Zentrum der Diskussionen. Im Fokus: Charles Leclerc, Lewis Hamilton und die Frage, ob die Scuderia im Titelkampf konsequent genug handelt.
Was war passiert? In Runde 42 sollte Leclerc an die Box kommen, um sich frische Reifen abzuholen. Die Crew stand bereit, doch der Monegasse entschied sich kurzfristig dagegen und blieb draußen.
Hamilton mit sarkastischem Funk ans Team
Für Lewis Hamilton wurde die Situation zum Problem.
Erst eine Runde später bog Leclerc schließlich zum Reifenwechsel ab. Die verlorene Zeit brachte Hamilton auf die Palme. „Super Art, um Zeit zu verschwenden! Gute Arbeit!“, funkte der Brite sarkastisch an die Box.
Hamilton: „Das hat uns wahrscheinlich das Podium gekostet“
Nach dem Rennen machte Hamilton keinen Hehl aus seinem Ärger. „Es war definitiv frustrierend. Ich hatte eine super Pace, war auf einer anderen Strategie mit einem anderen Reifen. Er hatte ganz klar Probleme auf dem Medium-Reifen am Ende des Stints, und ich habe da ganze Sekunden verloren.“
Für Hamilton geht es längst nicht nur um ein einzelnes Rennen. Der Ferrari-Pilot kämpft gegen Mercedes-Star Kimi Antonelli um die Weltmeisterschaft. Genau deshalb hätte die Situation aus seiner Sicht früher gelöst werden müssen. „Um als Team die maximale Punktezahl herauszuholen, müssen wir besser zusammenarbeiten. Die Entscheidung hätte früher getroffen werden sollen. Ich denke, das hat uns wahrscheinlich mindestens das Podium gekostet.“
Am Ende wurde Hamilton nur Vierter. Antonelli landete dagegen auf Rang zwei und baute seinen Vorsprung in der Fahrerwertung weiter aus. Die Folge: Hamilton verlor weitere sechs Punkte auf den WM-Spitzenreiter und liegt nun bereits 59 Zähler hinter dem Mercedes-Piloten.
Glock kritisiert Ferrari scharf
Für Sky-Experte Timo Glock ist die Sachlage eindeutig. „Es ist richtig, was Hamilton sagt. Bei Mercedes wird es umgesetzt. Dort lässt man Antonelli an George Russell vorbeigehen. Das hätte man in dieser Phase auch bei Ferrari machen müssen.“
Vor allem die fehlende Konsequenz im direkten Vergleich mit Mercedes stößt Glock auf. „Wenn man um die WM und um Siege fahren will, dann muss man das so perfekt umsetzen, wie es Mercedes gemacht hat. Das ist das Paradebeispiel, wie man es nicht machen sollte mit Leclerc und Hamilton. Leclerc hält Hamilton zwei, drei Runden zu lange auf. Wenn man Lewis frühzeitig vorbeigebracht hätte, hätte man vielleicht sogar vor Antonelli sein können.“
Leclerc sieht die Situation gelassener
Leclerc selbst betrachtet die Thematik deutlich nüchterner. „Das sind normale Diskussionen während eines Rennens. Von außen sieht das vielleicht schlimmer aus.“
Der Ferrari-Pilot verteidigte zudem seine Einschätzung bezüglich des Boxenstopps. „Am Ende war es aus meiner Sicht nicht die richtige Runde, um in die Box zu fahren. Die Entscheidung wurde anders getroffen und das werden wir gemeinsam analysieren.“
Vasseur verteidigt die Strategie
Auch Teamchef Fred Vasseur wollte das Team trotz des ernüchternden Ergebnisses nicht vorschnell verurteilen.
„Zu einem Zeitpunkt dachten wir, Charles würde bis zum Ende fahren. Er war vor Antonelli, dann kam das Safety Car. Klar hat Lewis etwas Zeit hinter Charles verloren. Hinterher ist es immer einfach, alles zu erklären.“
Ferrari lässt wichtige WM-Punkte liegen
Genau hier liegt aber das Problem. Es geht nicht darum, ob Hamilton in Zandvoort sicher auf das Podium gefahren wäre. Es geht darum, dass Ferrari erneut den Eindruck vermittelt, in den entscheidenden Momenten nicht konsequent genug zu handeln.
Während Mercedes offenbar kompromisslos auf die WM-Strategie setzt und Antonelli unterstützt, wirkte Ferrari unentschlossen. Die Folge waren verlorene Sekunden und verlorene Punkte.
Glock bringt es auf den Punkt: „Bei Ferrari ist immer irgendwo ein Haken drin. Jetzt war es die Umsetzung der perfekten Strategie, die sie nicht hinbekommen haben.“
Hamilton nun 59 Punkte hinter Antonelli
59 Punkte Rückstand sind bei noch maximal elf ausstehenden Rennen (die Austragungen der Rennen in Katar und Abu Dhabi sind aufgrund des Nahost-Konfliktes noch nicht gesichert, Anm. d. Red.) nicht uneinholbar. Doch genau solche Situationen könnten am Ende entscheidend sein.
Die Frage nach Zandvoort lautet deshalb nicht, ob Ferrari einen Fehler gemacht hat. Die größere Frage ist, wie viele solcher Fehler sich die Scuderia im Titelkampf mit Mercedes überhaupt noch leisten kann.
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