Funkel soll Köln vor Abstieg retten: „Sicherlich nicht unmöglich“

Markus Gisdol ist entlassen, Friedhelm Funkel soll den 1. FC Köln doch noch zum Klassenerhalt führen. Sechs Spieltage vor Saisonende geht die Angst vor dem siebten Abstieg um. Funkels Augen leuchteten, als er über seine wohl letzte Herausforderung als Trainer in der Fußball-Bundesliga sprach. „Es ist eine tolle Aufgabe, die ich mit viel Optimismus angehe“, sagte der Routinier, der für seine Rettermission beim 1. FC Köln aus dem Ruhestand zurückgekehrt ist: „Es ist nicht einfach, aber sicherlich nicht unmöglich.“

Die verbleibenden sechs Saisonspiele wird Funkel das Team betreuen, aus alter Verbundenheit zum FC, den er bereits 2002/03 trainiert hat – und auch der Corona-Pandemie geschuldet. Denn eigentlich hatte Funkel andere Pläne, nach seiner Entlassung bei Fortuna Düsseldorf im Januar 2020 hatte er angekündigt, seine Trainerkarriere zu beenden und den Ruhestand zu genießen. Doch Corona „hat das Leben von Millionen Menschen verändert“, sagte Funkel, der in den vergangenen Monaten mangels Alternativen sehr viel Fußball gesehen hatte und plötzlich wieder Lust verspürte.

Seine Begeisterung wolle er auf die Mannschaft übertragen, mit vielen Gesprächen das Vertrauen der Spieler gewinnen und sie für den Schlussspurt in der Fußball-Bundesliga wieder mental aufbauen. Aktuell ist der FC Tabellen-17. mit drei Punkten Rückstand auf den Relegationsrang. „In der Zusammenarbeit mit den Jungs gilt es ab sofort, die notwendigen Punkte zu holen, um in der Liga zu bleiben“, sagte Funkel: „Ich bin überzeugt davon, dass wir das schaffen können.“

Wie schwer die Aufgabe werden wird, konnte Funkel am Sonntagabend beobachten. Beim unglücklichen 2:3 (1:1) gegen den FSV Mainz 05, saß noch Markus Gisdol auf der Trainerbank. Die Leistung des Teams war zwar ansprechend, sie genügte aber nicht – und weil Sport-Geschäftsführer Horst Heldt die Mainz-Partie zu einem Endspiel für den Trainer ausgerufen hatte, musste er handeln.

Nach diesem Spiel sei die Entscheidung gefallen, mit Funkel einen „neuen Impuls“ zu setzen, sagte Heldt und fügte mit Blick auf den neuen Coach an: „Er ist einer der dienstältesten Trainer, mit einer unglaublichen Erfahrung. Wir sind überzeugt, dass er den Input bringt, den wir benötigen. Es sind noch sechs Spiele, in denen alles möglich ist.“

Es ist eine Lösung auf Zeit, das machte Funkel bei seiner Vorstellung klar. Nach dem Saisonende werde er wieder in den Ruhestand gehen, aber er freue sich nun auf intensive sechs Wochen.

Gisdol war am Sonntag kurz vor Mitternacht entlassen worden, und Heldt nahm umgehend Kontakt zu Funkel auf. Der gebürtige Neusser findet nun eine Mannschaft vor, die stark verunsichert ist. Vorne entsteht, trotz der Treffer gegen Mainz, zu wenig Gefahr – hinten fängt sich der FC viel zu viele „einfache“ Gegentreffer. Es droht der siebte Abstieg der Vereinsgeschichte, der für den unter der Corona-Pandemie ächzenden Klub gravierende Folgen haben könnte.

Ab seinem ersten Training am Dienstag (11.00 Uhr) wartet viel Arbeit auf Funkel, der wenig Zeit hat, alle Baustellen anzugehen. Am Samstag (18.30 Uhr/Sky) steht das Derby bei Bayer Leverkusen an, anschließend kommt Champions-League-Anwärter RB Leipzig nach Köln.

Erst danach geht es gegen Augsburg, Freiburg, Hertha und Schalke – also Gegner, die vermeintlich auf Augenhöhe sind. Was Hoffnung macht: Aktuell ist Hertha BSC auf Platz 15 ebenfalls nur drei Zähler entfernt, Köln hat also weiter Chancen, den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen – mit Funkel auf der Trainerbank.

Und danach? Thorsten Fink könnte ein Kandidat für eine langfristige Lösung ab Sommer sein, auch der Name des früheren Erfolgstrainer Peter Stöger fällt immer wieder, soll aber laut Sky-Informationen nicht nach Köln zurückkehren.

(SID/red.)