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Fußball-Höhenflug in Nordamerika? Pöltl skeptisch

Jakob Pöltl geht nicht davon aus, dass der Fußball durch die gemeinsam mit Mexiko veranstaltete WM-Endrunde in den USA und Kanada einen nachhaltigen Höhenflug erleben wird.

„Es kann sein, dass so ein Event einen Push bringt“, meinte der NBA-Profi bei einem Heimatbesuch in Wien. „Ich glaube aber nicht, dass der Fußball dadurch auf einmal in Nordamerika durchstarten wird.“ Die anderen etablierten Sportarten würden dort weiterhin größer bleiben.

Die Profiligen im American Football (NFL), Baseball (MLB) und Basketball (NBA) sind die drei umsatzstärksten Sportligen der Welt. Die Major League Soccer (MLS) hat in den vergangenen Jahren zwar eine Aufwertung erfahren, liegt in Nordamerika aber immer noch deutlich hinter der Eishockey-Liga NHL auf Rang fünf. „Ich bin mir sicher, sie werden versuchen, das Momentum mitzunehmen“, sagte Pöltl. „Es kann sein, dass ein bisschen Euphorie aufkommt, vor allem, wenn eines der Gastgeberteams weit kommt.“

Pöltl über ÖFB-Team: „Traue ihnen einiges zu“

In Toronto finden sechs WM-Partien statt. Von der Vorfreude auf das Turnier habe er in den zwei jüngsten Wochen in Wien aber mehr mitbekommen als davor in seiner Wahl-Heimat, schilderte der Center der Toronto Raptors. Dem ÖFB-Team schaute Pöltl Anfang Juni bei der Generalprobe gegen Tunesien (1:0) auf die Beine. „Es war jetzt nicht beste Partie, die ich gesehen habe, aber ich traue ihnen grundsätzlich einiges zu. Ich glaube, dass sie das Zeug dazu haben, bei der WM auch ein bisschen aufzuzeigen.“

Angesichts der Gegner Jordanien, Argentinien und Algerien sprach Pöltl von einer „eher schwereren Gruppe“. Er hoffe aber, dass die Österreicher diese überstehen. „In den K.o.-Spielen kann dann viel passieren.“ Der 30-Jährige kennt die Situation aus seiner eigenen College-Zeit. Dort geht es im Gegensatz zur NBA, in der Play-off-Serien im Modus „best of seven“ gespielt werden, im Turnierformat ständig gegen das Aus.

WM-Tipp lautet Frankreich

„Mentale Stärke ist umso wichtiger, wenn es in einem Spiel um alles geht“, sagte Pöltl. Entscheidend sei in diesen Phasen, das eigene Ding durchzuziehen und dem Matchplan zu folgen. „Da jetzt versuchen neue Sachen zu erfinden, bringt oft nichts“, meinte der neben ÖFB-Star David Alaba und NFL-Profi Bernhard Raimann bestbezahlte Sportler Österreichs. „Es geht darum, seiner Linie treu zu bleiben, nochmal mental alles zu geben – und dann auch im richtigen Moment das nötige Glück zu haben.“ Pöltls scherzhafter Weltmeistertipp lautete denn auch Österreich – um sich am Ende doch noch auf Frankreich zu korrigieren.

Die politischen Begleiterscheinungen des Turniers bedauert Pöltl, insbesondere die Einreisedebatte. „Ich finde es schade, weil so eine WM ein Riesenevent ist, bei dem die Welt ein bisschen zusammenkommt“, erklärte der Wiener. „Wenn aus allen möglichen Ländern Fans einreisen wollen und dann nicht können, nimmt das ein wenig von dem Flair und von der Energie weg, die eine WM normalerweise hat.“ Er hoffe aber, dass trotz der Einreiseprobleme gute Stimmung aufkomme und alle Nationen gut vertreten seien. „Weil das macht es ein bisschen aus.“

WM-Vorfreude bei Raimann „riesig“

Footballer Raimann blickt ebenfalls gespannt auf das Turnier in seiner Wahl-Heimat. „Ich freue mich riesig auf die Weltmeisterschaft. Besonders, weil Österreich wieder dabei ist“, sagte der Offensive Tackle der Indianapolis Colts auf APA-Anfrage. Zwar finden keine WM-Spiele in Indiana statt, dennoch wird Raimann die ÖFB-Elf aufmerksam verfolgen. „Ich werde jedes Mal, wenn das Nationalteam spielt, mitfiebern“, kündigte der 28-jährige Wiener an. Mit dabei sein wird auch seine Familie aus Österreich, die während der WM auf USA-Besuch ist.

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(APA)

Bild: Imago