“Möchte in jedem Fall aktiv bleiben” – Exklusiv-Interview mit Stefan Maierhofer

von Franz Verworner

Seit September vergangenen Jahres macht Stefan Maierhofer alias der “Major” die Schweizer Challenge League unsicher. Mit seinen 36 Jahren nähert sich der 19-malige Internationale zwar seinem Karriereende, noch denkt der Mittelstürmer aber gar nicht daran, die Fußballschuhe an den Nagel zu hängen. Nach seinen starken Leistungen beim Schweizer Zweitligisten FC Aarau spricht Maierhofer im Exklusiv-Interview über seine Rolle im Verein, die Stärke der Liga und seine Zukunftspläne.

Sky: Hättest du damals, als du beim FC Aarau unterschrieben hast, geglaubt, dass am Ende der Saison eine Top-Platzierung möglich wäre?

Major: Erwartungen und Ziele steckt man sich immer und ich bin einer, der sich immer hohe Ziele steckt und dabei probiert, das unmögliche möglich zu machen. Wie ich damals unterschrieben habe, habe ich gute Gespräche mit dem Trainer und dem Sportdirektor gehabt und ich habe schon gesagt, wenn wir eine Serie starten, dann ist einiges möglich und dann können wir vielleicht doch noch auf diesen zweiten Platz springen, wo wir jetzt sind. Das wichtige ist, dass wir uns in den letzten drei Runden jetzt wirklich belohnen.

Sky: Du bist ein Spieler mit sehr viel Erfahrung und hast viel erlebt. Inwiefern bist du für deine Mannschaftskollegen nicht nur Mitspieler sondern auch Mentor?

Major: Die Spieler hier in Aarau haben natürlich auch geschaut, wo ich in meiner Karriere schon war und haben mich zum Beispiel auf meine Zeit bei Köln, Duisburg und Rapid angesprochen. Außerdem haben sie – wie es auch sein soll – von Haus aus den Respekt gegenüber älteren Menschen an den Tag gelegt. Ich bin so wie ich bin, ich gehe auf Leute zu, ich bin positiv, ich sage jedem meine Meinung – ob das jetzt positiv oder negativ ist. Ich bin auch einer, der sich gerne einbringt und mit Taten und gutem Beispiel voran geht und auch mit einem ‘Schmäh’ und einem Witz für das interne Klima sorgt. Ich bin aber auch jemand, der einfach kritisch ist und ich glaube, in den Situationen wo es darauf ankommt, finde ich die richtigen Worte und kann den einen oder anderen motivieren, aber ich glaube auch, wir haben uns jetzt einfach als Mannschaft gefunden und dann braucht es nur noch Kleinigkeiten.

Sky: Was würde der Aufstieg in die Super League für dich, den Verein und die gesamte Region bedeuten?

Major: Wir müssen noch ein bisschen aufpassen und die Kirche im Dorf lassen. Es sind jetzt noch drei Spiele und ich hoffe, dass wir diese drei Spiele positiv gestalten und natürlich gewinnen, dann ist alles möglich. Wenn wir es in die Relegation schaffen, haben wir das erste Spiel auswärts und das zweite zu Hause, da ist dann einfach alles möglich. Der Weg, den wir jetzt eingeschlagen haben, ist einfach phänomenal und das hat es, glaube ich, im Schweizer Fußball in dieser Art noch nicht gegeben. Mit dem Abstieg haben wir zum Glück gar nichts mehr zu tun, das haben wir uns erarbeitet – als Team, als Mannschaft und auch mit den Fans gemeinsam – das spricht einfach für uns. Für die Region und den Verein wäre es natürlich überragend, für mich persönlich aber auch.

Sky: Wie wir alle wissen hat die Relegation ihre eigenen Regeln. Wie siehst du die Chancen, wenn ihr es in die Relegation schafft?

Major: Das ist natürlich auch eine Frage von Mentalität. Wir müssen dann noch einmal alle Kräfte mobilisieren und bündeln und so auftreten, wie in den letzten Wochen. Ich denke, dass es auch ein kleiner Vorteil ist, wenn du das zweite Spiel zu Hause hast. Mit einem guten Hinspiel-Ergebnis kannst du vor heimischem Publikum einiges bewegen. Wir müssen mit breiter Brust und Spaß und Freude in die beiden Spiele gehen und dann, glaube ich, sind wir sogar ein wenig im Vorteil.

Sky: Du hast ja schon einige verschiedene Ligen in deiner Karriere gesehen. Wie würdest du die Challenge League im Vergleich zu anderen Ligen einschätzen?

Major: Wenn ich jetzt einmal die Challenge League und die tipico Bundesliga hernehme: Ich denke schon, dass wir, so wie wir in Aarau auftreten und spielen, in Österreich mit Vereinen wie St. Pölten oder dem WAC mithalten könnten. Wir haben es gesehen, wie wir in Belek gegen Rapid gespielt haben. Das Ergebnis war zwar klar für Rapid, aber von der Spielweise und der Spielstruktur her konnten wir mithalten. Ich glaube, wir könnten in Österreich in der oberen Liga ohne Probleme mitspielen.

Sky: Auch wenn wir jetzt vermutlich nicht zu hören bekommen, was wir uns wünschen, aber wie sieht deine Zukunft aus?

Major: Die Gespräche mit dem Verein laufen. Wenn wir aufsteigen, dann möchte ich hierbleiben. Ich werde zwar im Sommer 37, aber es macht Spaß. Ich bin körperlich fit, mir geht es gut und ich sehe auch, dass ich mit den Jungs hier mithalten kann. Auch für den Fall, dass wir es knapp nicht schaffen, führen wir mit dem Verein Gespräche. Die Leistungen, die ich in den letzten Wochen und Monaten gebracht habe, haben zum Glück auch andere mitbekommen und es werden auch mit anderen Vereinen Gespräche geführt. Ich möchte nie etwas ausschließen im Fußball, es geht oft ganz schnell. Es muss einfach das Gesamtkonzept passen, nicht nur das Finanzielle. Ich muss auch eine Perspektive haben und mich wohlfühlen. Das habe ich hier, als ich damals hergeflogen bin, einfach gespürt in Aarau und mich deswegen dafür entschieden. Vielleicht wäre die zweite türkische Liga finanziell besser gewesen, aber ich möchte einfach seriös arbeiten und das habe ich hier einfach gefunden. Man sieht ja auch, dass es die richtige Entscheidung war und deswegen hoffe ich, dass der Schritt jetzt einfach belohnt wird mit dem Aufstieg. Wir werden sehen, in welche Richtung es geht, aber ich möchte in jedem Fall als Spieler aktiv bleiben.

Major-Effekt: Aarau auf dem Weg zur Relegation

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