Gall auch bei Vuelta auf Spitzenplatz aus – Vingegaard Favorit

Wenige Wochen nach der Tour de France kommt es bei der Vuelta a España zum traditionell letzten Schlagabtausch der Rundfahrtasse in der langen Radsportsaison. In Abwesenheit von Tadej Pogacar ist Jonas Vingegaard der Topfavorit. Der Däne aus dem Visma-Team bekommt es allen voran mit dem UAE-Duo Joao Almeida und Juan Ayuso sowie Egan Bernal zu tun. Aber auch Felix Gall ist wie bei der auf Platz fünf beendeten Tour auf einen Spitzenplatz aus.

„Grundsätzlich fühle ich mich sehr gut. Ich habe jetzt auch nach der Tour keinen Stress oder keinen großen Druck. Ich will einfach schauen, dass ich dort anknüpfen kann, wo ich aufgehört habe“, sagte der 27-Jährige. Der in Frankreich wie auch schon 2023 vor allem in der Schlusswoche hervorragend aufgetretene Gall hat die Vuelta im Vorjahr erstmals bestritten. Damals war er noch als Helfer des letztlich zweitplatzierten Australiers Ben O’Connor im Einsatz, der mittlerweile für das Jayco-Team als sein Konkurrent antritt. Diesmal hat der Osttiroler im Decathlon-Rennstall aber alle Freiheiten und die Unterstützung seiner Teamkollegen sicher.

Auf dem Weg zum erhofften Spitzenplatz im Gesamtklassement will Gall möglichst auch einen Etappensieg einheimsen. Sein letzter und bisher zweiter Tageserfolg gelang ihm mit dem Tour-Königsetappentriumph 2023. Bei der Vuelta war vergangenes Jahr ein fünfter Platz sein Topresultat. Nach der Tour hat er sich eine einwöchige Pause gegönnt, den Feinschliff für die Vuelta holte er sich mit einem Höhentraining im Tiroler Kühtai. „Man weiß vielleicht nicht zu 100 Prozent, wo man steht“, sagte Gall. Die Vuelta liege ihm aber „vom Profil her“ sehr gut.

Großschartner unterstützt Almeida und Ayuso

Aus dem Vollen schöpfen kann hingegen einmal mehr das UAE-Team, das heuer bereits über 70 Siege eingefahren hat. Für die drei Vuelta-Wochen haben die Kapitäne Almeida und Ayuso durchwegs Tophelfer an ihrer Seite. Einer davon ist Felix Großschartner. Der Oberösterreicher hat zuletzt Anfang Juli die Tour of Austria mit seinem Auftaktetappensieg und dem Einbruch auf der Königsetappe absolviert.

Die schärfsten Gegner von Großschartner und Co. dürften wieder die schwarz-gelben Visma-Männer sein. Deren Leader Vingegaard stellt sich nach der erneut hinter Pogacar beendeten Tour wieder den dreiwöchigen Strapazen und will als erster Däne seit 1935 das Rote Trikot gewinnen. Neben seinem slowenischen Dauerrivalen fehlen auch Titelverteidiger Primož Roglič, dessen künftiger Red-Bull-Teamkollege Remco Evenepoel und auch Tokio-2021-Straßen-Olympiasieger Richard Carapaz, der sich nach überstandener Erkrankung noch nicht fit genug fühlt und den Fokus auf die WM im September in Ruanda legt. Vingegaard, kein Spezialist für Eintagesrennen, lässt die WM hingegen aus, wie er am Donnerstag verkündete.

Zehn Bergankünfte am Programm

Vingegaard war in Spanien zuletzt 2023 dabei, damals überließen er und Roglič nach teaminternen Differenzen dem ursprünglich nicht als Gewinner vorgesehenen Sepp Kuss den Sieg. Die heurige Auflage weist wie üblich zahlreiche Bergetappen auf. Bis zum Finale am 14. September in Madrid warten zehn Bergankünfte wie der Angliru oder der Bola del Mundo. Da die Strecke in Spanien bis auf die letzten drei Tage weit im Norden des Landes verläuft, hofft man, der gefürchteten Hitze möglichst aus dem Weg gehen zu können.

Zur Freude der schwächeren Zeitfahrer wie Gall gibt es am 18. Tag nur ein flaches, 26 km langes Einzelzeitfahren. Außergewöhnlich ist der Start im Piemont. Nach dem flachen Auftakt am Samstag in Turin geht es für drei Tage gleich einmal viel auf und ab und am Ende der vierten Etappe nach Voiron in Frankreich. Darauf folgt der Transfer nach Spanien und dort ein Teamzeitfahren über 20 km.

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(APA)/Beitragsbild: Imago