Gall will nach Vuelta-Erfolg auch ersten Spitzenplatz bei Straßen-WM
Zwei Wochen nach der erfolgreichen Vuelta ist Felix Gall am Sonntag in Montreal auf seinen ersten Spitzenplatz in einem Rad-WM-Straßenrennen aus. Die vielen kurzen Anstiege des Klassiker-Rundkurses gelten allerdings nicht als seine Domäne, Favoriten sind in Abwesenheit von Titelverteidiger Tadej Pogacar demnach andere. Allen voran Remco Evenepoel, der sich gezielt auf die WM vorbereitet und in Kanada einmal mehr bereits das WM-Zeitfahren dominiert hat.
Gall musste die „sehr kräftezehrende“ Spanien-Rundfahrt verdauen. Der Osttiroler gönnte sich nach dem dritten Gesamtrang eine ruhige Phase mit nur wenig Training. „Der Körper hat sich die Ruhe genommen oder eingefordert. Die Energie kommt aber schön langsam wieder zurück und ich freue mich auf das letzte Rennen der Saison“, sagte der Juniorenweltmeister von 2015, der bisher bei selten bestrittenen Eintagesrennen in der Elite noch nie ganz vorne mitmischen konnte.
„Mir wäre lieber, wenn der Anstieg noch länger wäre“
Sollte der Kletterspezialist aber seine bestechende Form der Vuelta konserviert und die Müdigkeit abgeschüttelt haben, könnte er im erwarteten Ausscheidungsrennen bis zum Schluss an der Spitze mithalten. „Für mich gilt es, den Anfang gut zu überstehen, und dass ich dann auch im Finale schauen kann, was möglich ist“, sagte Gall. Der zwölfmal zu befahrende Rundkurs mit einem 1,6-km-Berg als Hauptschwierigkeit gefällt ihm nur bedingt. „Der Anstieg ist schon ganz ordentlich, der Rest eher schnell und technisch. Mir wäre lieber, wenn der Anstieg noch ein bisschen länger wäre“, sagte Gall.
Die anspruchsvolle Strecke mit gesamt 3.800 Höhenmetern und die große Distanz von 273 km spiele ihm aber in die Karten. „Ich glaube, über die Länge wird es dann doch ein sehr selektives Rennen. Ich hoffe, dass ich so meine Stärke ausspielen kann“, sagte Gall, der nur Felix Großschartner und Patrick Konrad als Helfer an seiner Seite haben wird. Die Topnationen dürfen je acht Mann an den Start schicken, andere sechs bzw. fünf. Konrad zählt Gall dennoch zum Kreis der Medaillenwärter: „Nach einem Podium bei einer Grand Tour bist du auch automatisch ein Favorit für das WM-Straßenrennen“, sagte der Routinier.
Gall gibt kein Ergebnisziel aus
Gall selbst gab kein konkretes Ergebnisziel aus, als Titelfavoriten nannte auch er den am höchsten gehandelten Evenepoel. Holt der Belgier auch im Straßenrennen Gold, würde er mit dem Double wie schon bei Olympia 2024 für eine Premiere sorgen. Mit Wout van Aert verfügt das belgische Team noch über ein zweites heißes Eisen. Ein solches ist auch Mathieu van der Poel. Der Niederländer kürte sich 2023 wie Evenepoel im Jahr davor bereits einmal zum Weltmeister.
Van der Poel unterstrich in der Vorwoche durch ein denkwürdiges 175-km-Solo zum Sieg auf der Schlussetappe der Luxemburg-Rundfahrt seine WM-Ambitionen. Ebenfalls zu den Medaillenanwärtern zählen Frankreichs Jungstar Paul Seixas und der Mexikaner Isaac del Toro, die im Zeitfahren als Dritter bzw. Sechster überzeugten. Die Briten setzen einmal mehr auf Tom Pidcock, Spanien bietet Juan Ayuso und Vuelta-Triumphator Enric Mas auf. Slowenien verfügt mit Primoz Roglic auch ohne den wegen seiner in Spanien erlittenen Sturzverletzungen fehlenden Pogacar über einen Sieganwärter.
Vollering im Frauen-Rennen Topfavoritin
Das Frauen-Rennen über 180 km und 2.600 Höhenmeter geht am Samstag in Szene. Die meisten Augen werden auf Demi Vollering gerichtet sein. Die Niederländerin geht nach ihren Siegen beim Giro und der Tour sowie mehreren Frühjahrsklassikern auf ihr erstes WM-Gold los. Titelverteidigerin ist die im Vorjahr in Kigali völlig unerwartet zum Sieg gefahrene Magdeleine Vallieres, ein weiterer Überraschungscoup der Kanadierin ist vor Heimpublikum wenig wahrscheinlich. Unerwartet käme auch ein Spitzenplatz für eine der drei Österreicherinnen Christina Schweinberger, Katharina Sadnik und Carina Schrempf.
