FC Barcelona, Barca s President Josep Maria Bartomeu delivers a speech during the opening act of the Bara Store Canaletas held at Las Ramblas district in Barcelona, Spain, 20 February 2020. Opening act of the Bara Store Canaletas at Las Ramblas district ACHTUNG: NUR REDAKTIONELLE NUTZUNG PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xQuiquexGarciax GRAF3860 20200220-637178380220426387

“Game of Thrones” bei Barca: Machtkampf um Präsident Bartomeu

via Sky Sport Austria

Der FC Barcelona versinkt im Chaos. Erst das brisante “Barcagate”, nun der geräuschvolle Rücktritt von sechs Klubdirektoren. Im Mittelpunkt: Der umstrittene Präsident Josep Maria Bartomeu.

Selbst Lionel Messi fand die Entwicklungen seltsam. Eine eigene Agentur, die Barca-Legenden wie Messi, Gerard Pique, Xavi oder Pep Guardiola in den Sozialen Medien attackierte, nur um das Image von Klub-Präsident Josep Maria Bartomeu zu stärken? Das sogenannte “Barcagate” hatte beim FC Barcelona zuletzt für reichlich Unruhe gesorgt – nun verdichten sich die Anzeichen, sechs Klubdirektoren traten geräuschvoll von ihren Ämtern zurück und erhoben teils schwere Vorwürfe.

Präsident Bartomeu unter Beschuss

In einem offenen Brief, der am Karfreitag in der Zeitung La Vanguardia erschien, forderten die beiden Vizepräsidenten Emili Rousaud und Enrique Tombas sowie Silvio Elias, Maria Teixidor, Josep Pont und Jordi Clasamiglia eine vorgezogene Neuwahl und beanstandeten Mängel bei der Aufarbeitung des Barcagate.

Der zunehmend umstrittene Bartomeu, der 2021 nach zwei Amtszeiten als Klub-Boss laut Statuten abtreten muss, soll dem Unternehmen “I3 Ventura” eine Millionensumme für gezielte Diffamierungen gezahlt haben, um ihn und die Vereinsführung in der Öffentlichkeit zu stärken. Die spanische Zeitung Sport schrieb von einem “Bürgerkrieg” und bezeichnete das Barcagate als “Zeitbombe”.

Im Februar kamen erste Details ans Licht, Bartomeu kündigte den Vertrag mit I3 Ventura und betonte, dass das Unternehmen ausschließlich Social-Media-Posts überwacht habe. Unabhängige Wirtschaftsprüfer starteten eine interne Untersuchung, die noch andauert.

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Wurde Geld veruntreut?

Laut Sport zahlte Barca für die Dienste an der in Uruguay ansässigen Firma allerdings 980.000 Euro statt der marktüblichen 120.000 bis 150.000 Euro. Zudem sollen die Rechnungen in fünf Tranchen aufgeteilt worden sein, um keine Aufmerksamkeit bei den Kontrollbehörden zu erwecken.

“Wenn die Rechnungsprüfer uns sagen, dass die Kosten für diese Dienstleistungen 100.000 Euro betragen und wir eine Million bezahlt haben, bedeutet das, dass jemand seine Hand in die Kasse gelegt hat. Ich habe keine Beweise, und ich kann nicht sagen wer”, sagte Rousaud dem Radiosender RAC1.

Der Abgang des Vizepräsidenten kam besonders überraschend, ihm wurde eigentlich ein gutes Verhältnis zu Bartomeu nachgesagt. Der Klub reagierte verärgert auf die Vorwürfe. “Der FC Barcelona bestreitet kategorisch jede Handlung, die als Korruption bezeichnet werden könnte und behält sich daher das Recht vor, gegebenenfalls rechtliche Schritte einzuleiten”, schrieb der spanische Meister und Tabellenführer in einer Mitteilung.

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Klub gibt keine gute Figur ab

Das Sextett berief sich in seiner Erklärung außerdem auf Dissonanzen im Umgang des Klubs mit der Coronakrise. So hatten die zähen Verhandlungen mit den Profis um einen Gehaltsverzicht hohe Wellen geschlagen, auch in diesem Punkt fühlten sich die Superstars um Kapitän Messi durch die Vereinsführung in ein schlechtes Licht gerückt.

Rousaud hatte am vergangenen Mittwoch beim Radiosender Cadena Ser noch Unstimmigkeiten in der Barca-Führung durchblicken lassen: “Bartomeu rief mich an und sagte mir, er wolle das Management umbauen, weil er einigen der Direktoren misstraue, mich eingeschlossen.”

Nun kamen ihm die Vorstandsmitglieder zuvor. Bartomeus Position scheint im klubeigenen “Game of Thrones”, wie ein Mitarbeiter die Abläufe hinter den Kulissen bei ESPN bezeichnete, dennoch gefestigt zu sein.

Die restlichen 13 Direktoren stärkten dem Präsidenten offenbar den Rücken, weitere Rücktritte werde es nicht geben. Damit sollte Bartomeu für seine abschließenden 14 Monate als Präsident der Blaugrana fest im Sattel sitzen – trotz aller Scharmützel.

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(SID)

Bild: Imago