„Gibt nichts Geileres“: Letzte Runde liefert Thriller um den Meistertitel
Die Blicke aller heimischen Fußball-Fans werden am kommenden Samstag nach Wien und Graz gerichtet. Denn am vorletzten Bundesliga-Spieltag meldete sich die von vielen bereits abgeschriebene Austria mit einem 2:1-Erfolg in Wolfsberg im Meisterrennen zurück und erzwang einen Titel-Showdown mit Tabellenführer Sturm und dem WAC.
„Wahnsinn, so etwas gibt es nur in Österreich. Für die Zuschauer gibt es nichts Geileres“, kommentierte Dominik Fitz den Thriller. Die violette Meister-Rechnung ist einfach: Gewinnt die Austria zuhause gegen Blau-Weiß Linz und zeitgleich der WAC in Graz, wandert der Teller erstmals seit 2013 wieder nach Favoriten.
Die nach der Derby-Niederlage verblasste Titelhoffnung ist plötzlich wieder präsent. „Die Chance für uns ist noch da. Wir müssen schauen, dass wir unsere Aufgaben machen. Den Rest können wir nicht beeinflussen“, sagte Liga-Topscorer Fitz bei Sky.
Helm tritt auf Euphoriebremse
Trotz aller Euphorie und Spannung betonte Trainer Stephan Helm die Notwendigkeit, „auf dem Boden zu bleiben“.
Kurze Freude sei nach dem verdienten Erfolg im Lavanttal jedoch angebracht. „Jeder, der es mit der Austria hält, kann die Zeit jetzt ein Stück weit genießen. Wir genießen es auch, aber ab morgen legen wir den kompletten Fokus aufs Training“, erklärte der Burgenländer. „Wir werden diese Woche noch einmal richtig hart arbeiten. Was am Ende rauskommt, werden wir sehen.“
WAC-Coach Kühbauer: „Haben schlechteste Karten“
Für den WAC ist der erste Meistertitel der Vereinsgeschichte aufgrund der Niederlage gegen die Austria hingegen weiter weg gerückt. „Wir haben jetzt die schlechtesten Karten, so ehrlich müssen wir sein. Aber im Fußball weiß man nie, was passiert“, erklärte Trainer Dietmar Kühbauer.
Der amtierende ÖFB-Cupsieger muss in Graz gewinnen und zugleich auf einen Ausrutscher der Austria gegen Blau-Weiß Linz hoffen, um am Ende doch noch das Double zu holen.
Kühbauer haderte nach der ersten Niederlage in der Meistergruppe sowohl mit der Leistung seiner Mannschaft als auch mit dem Schiedsrichter-Team. Der WAC-Coach sah beim zweiten Austria-Treffer ein Foulspiel an Simon Piesinger und ortete daher eine „klare Fehlentscheidung“. Besonders bitter: Piesinger verletzte sich in der Situation und musste ebenso wie Kapitän Dominik Baumgartner das Spielfeld verfrüht verlassen.
Trotz dieser Unstimmigkeit sprach Kühbauer von einem verdienten Sieg der Austria: „Wir waren heute nicht so giftig von der ersten Minute weg. Wir haben sehr viel abgewartet und reagiert, und das sollte man im Fußball nie machen. Ob das mit dem Druck zu tun hat, weiß ich nicht.“ Helm strich in der entscheidenden Phase vor allem den Mut seiner Austria-Mannschaft hervor: „Wir haben gewusst, dass wir auf einen starken Gegner treffen. In so einem Spiel musst du dir was zutrauen, sonst hast du keine Chance. Und das haben wir gemacht.“
Gelassenheit bei Sturm
Bei Tabellenführer Sturm Graz übte man sich trotz der 1:3-Niederlage bei Rapid in Ruhe. „Es ist nichts passiert. Wir sind nach wie vor drei Punkte vorne und haben jetzt am Samstag die Möglichkeit, vor eigenem Publikum alles klar zu machen.“
Den Grazern reicht im abschließenden Heimspiel gegen den WAC ein Remis zur Verteidigung des Meistertitels. Bei einer Niederlage gegen den WAC hätten die Steirer den Titel nicht mehr in der eigenen Hand und müssten auf Schützenhilfe von Blau-Weiß Linz im Spiel gegen die Wiener Austria hoffen.

Drei Teams – Ein Titel
Am kommenden Samstag erwartet Fußball-Österreich wohl eine der spannendsten Meister-Entscheidungen in der Geschichte. Seit Einführung der Punkteteilung 2018/19 ist es ein Novum, dass drei Teams am letzten Spieltag noch eine rechnerische Chance auf den Titel haben.
Zuletzt war dies in der Saison 2010/11 der Fall, mit dem besseren Ende für Sturm. Auch heuer sind die Grazer in der Pole Position, die Austria und der WAC jedoch auf der Lauer.
Sollten am Ende der Saison alle drei Teams 39 Punkte haben, würde es zu einem direkten Vergleich des Trios untereinander kommen. In diesem Dreiervergleich wäre die Austria vorne und damit neuer österreischer Meister.
