Gladbach nächstes Opfer von Favoritenschreck Bielefeld

(SID)Borussia Mönchengladbach ist nach einem Elfmeterkrimi das nächste Opfer von Favoritenschreck Arminia Bielefeld geworden und hat die Chance auf den ersten Titel seit 20 Jahren leichtfertig verschenkt. Der Tabellendritte der Fußball-Bundesliga unterlag im Viertelfinale des DFB-Pokals beim Ersten der 3. Liga nach Fehlschüssen von Rafael und Ibrahima Traoré mit 4:5. Nach 120 Minuten hatte es 1:1 (1:1, 1:1) gestanden.

Gladbach scheiterte damit bereits zum siebten Mal in den vergangenen 20 Pokal-Jahren im Elfmeterschießen und muss beim Finale am 30. Mai erneut vor dem Fernseher sitzen. Zum bislang letzten Mal stand die Borussia 1995 im Endspiel von Berlin (3:0 gegen Wolfsburg).

Die Ostwestfalen, die zuvor schon die Erstligisten Hertha BSC und Werder Bremen ausgeschaltet hatten, sind der insgesamt siebte Drittligist im Halbfinale und der erste seit Einführung der eingleisigen 3. Liga 2008. Von den bisherigen sechs Außenseitern erreichten drei das Finale, den „Pott“ holte bisher keiner.

Manuel Junglas, schon beim 3:1 gegen Bremen zweimal erfolgreich, brachte die Arminia in Führung (26.), Nationalspieler Max Kruse glich mit einem umstrittenen Handelfmeter aus (32.), bereits in der Verlängerung hatte Bielefelds Torjäger Fabian Klos in der 114. Minute den Siegtreffer auf dem Kopf.

Gladbachs Coach Lucien Favre hatte gegenüber dem starken 4:1 am Samstag bei 1899 Hoffenheim wie nahezu immer in englischen Wochen zwei Offensivspieler gewechselt: Diesmal bekamen Thorgan Hazard und André Hahn den Vorzug vor Fabian Johnson und Raffael. Den verletzten Abwehrchef Martin Stranzl ersetzte wieder Roel Brouwers.

Der Underdog machte jedoch schnell klar, dass der Champions-League-Anwärter dieses Spiel alleine über seine spielerischen Fähigkeiten nicht wird dominieren können. Die Bielefelder kämpften von der ersten Sekunde an leidenschaftlich und errichteten nicht etwa ein Abwehr-Bollwerk, sondern suchten mutig den Weg nach vorne.

Und so hatte der Drittligist auch die klaren Chancen in dieser Phase: Den 25-m-Schuss von Christoph Hemlein lenkte Borussia-Keeper Yann Sommer mit den Fingerspitzen über die Latte (16.), nach einer Rettungsaktion von Brouwers flog der Zentimeter drüber (23.). Spätestens jetzt begannen die Heim-Fans unter den 26.137 Zuschauern – rund 50.000 Tickets hätte die Arminia verkaufen können – an die nächste Sensation zu glauben. Und als Junglas per Schlenzer die Führung erzielte, wurde die altehrwürdige Alm zum Tollhaus.

Der heftig diskutierte Strafstoß – Kruse hatte Florian Dick den Ball aus kurzer Distanz an den Unterarm geschossen und danach sicher verwandelt – brachte die taumelnde Borussia zurück ins Spiel. Der Favorit gewann nun etwas an Sicherheit, klare Dominanz versprühten die Borussen aber auch weiter nicht. Die Arminia berappelte sich bald wieder und kam weiter zu Chancen, das Spiel stand stets auf Messers Schneide.

Während bei der Borussia nur Sommer und Kruse Normalform erreichten, gefielen bei Arminia Dennis Mast und Stephan Salger.

Am 29. April um 20:30 (Live auf Sky) trifft Drittligist Arminia Bielfeld auf den aktuellen Bundesliga-Zweiten VfL Wolfsburg

Die Stimmen zum Spiel:

Kruse:“Haben uns von der Müdigkeit anstecken lassen“

Für Gladbachs Max Kruse war die Arminia nicht die bessere Mannschaft. „Wir waren nicht aufmerksam“, so Kruse.

 

Eberl: „Bielefeld hat es sehr sehr gut gemacht“

Gladbachs Sportdirektor spricht nach der Viertelfinalniederlage gegen Bielefeld – und gibt sich als fairer Verlierer.

 

Klos: „Ein richtig richtig geiler Abend“

Bielefelds Kapitän ist überglücklich nach dem Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals. Er blickt aber schon bereits wieder auf den Liga-Alltag.

 

Schwolow: „Hatte kleinen Riecher“ 

Bielefelds Torhüter spricht über den Einzug ins Halbfinale und seinen gehaltenen Elfmeter gegen Traore.

 

Favre: „Quasi keine Torchancen gehabt“

Lucien Favre spricht über die Gründe des Ausscheidens im DFB-Pokal. Den Platz lässt er als Ausrede nicht gelten.

 

Brinkmann: „Abende für die man Fußball spielt“

Dem Bielefelder fehlen nach dem Einzug ins Pokal-Halbfinale die Worte.