Goal West #3: Die Unaufsteigbaren

via Sky Sport Austria

Sie tun mir ja leid, die Fans von Austria Lustenau. Vor 18 Jahren musste der Traditionsklub den Abstieg aus Österreichs höchster Liga hinnehmen. Davor konnte man sich immerhin drei Jahre lang mit Klubs wie Sturm Graz, Rapid, Salzburg oder Austria Wien messen. In Heimspielen im Reichshofstadion lieferte man sich teils großartige Schlachten mit Österreichs Creme de la Creme des Fußballs. Nicht selten entstand im Reichshofstadion Volksfeststimmung, bis zu 10.000 Fans fanden den Weg aus allen Regionen Vorarlbergs in die größte Marktgemeinde Österreichs. Auch, um nach dem Spiel der besten und größten Party im “Ländle” beizuwohnen.

Nach dem Abstieg war aber Schluss mit lustig. Das lange Leiden der Fans begann. Und jetzt warten die Lustenauer schon 18 lange Jahre auf eine Renaissance. Jahr für Jahr war der Wiederaufstieg das große Ziel, immer scheiterte man. Frei nach dem Motto: Jährlich grüßt das Murmeltier. Teils versagte man kläglich, teils unglücklich. Egal, die Treue der Fans konnte dies alles nicht trüben. Sie kamen, wenn auch nicht mehr in Massen, ins ehrwürdige Reichshofstadion und wollten ihren Verein endlich zum Aufstieg peitschen. Und wurden immer wieder enttäuscht. Es grenzt schon an Masochismus, was sich die Lustenauer Saison um Saison antaten. Als ob man sich auf den Rängen schon ans „Hoffen und wieder enttäuscht werden“ gewöhnt und es auch ein wenig herbeigesehnt hatte.

Als neutraler Beobachter musste ich deshalb vor Start der aktuellen Saison schmunzeln, als Trainer-Neuling Andreas Lipa ohne Umschweife das Ziel Aufstieg ausgab, die Fans so wieder hoffen ließ. Verständlich, denn immerhin haben ja drei Teams die Chance auf die Bundesliga. Aber im selben Atemzug verscherbelte Austria-Präsident Hubert Nagel ein eingespieltes Team – ins Ausland oder gar an Konkurrenten wie die SV Ried. Und stellte eine komplett neue Mannschaft zusammen. Die Folge: nach 11 Runden war Lipa nicht mehr Trainer und die Austria lag im Aufstiegsrennen auf dem achten Rang. Und punktetechnisch so weit weg, dass sogar der Relegationsplatz außer Reichweite war. Diesmal kroch das Murmeltier schon sehr früh aus seinem Loch. Wieder nix mit Aufstieg.

Und die Zukunft? Die, meine lieben Lustenau-Fans, schaut in dieser Causa gar nicht rosig aus. Denn ab sofort reicht es nicht mehr, sportlich Spitze zu sein um aufzusteigen – was alleine schon schwer genug ist, wie man weiß. Sondern man muss auch über eine Sportstätte verfügen, die Bundesliga-tauglich ist. Dazu reicht es nicht, das Reichshofstadion in Planet Pure-Stadion umzutaufen. Und es reicht auch nicht, davon zu sprechen, dass die Pläne für einen Umbau des Stadions schon am Tisch liegen. Das am 23. März entschieden wird, wie das neu umgebaute Stadion ausschauen soll. Und das auch die Politik in Lustenau einem Umbau zugestimmt hat.

Versprochen wurde in der  Vergangenheit schon sehr viel von Seiten der Klubführung. Ab sofort braucht es Taten. Am besten sollten bereits im Mai die Bagger auffahren. Denn die nächste Saison wird, zumindest medial, ohne große Beachtung der Lustenauer in Verbindung mit Österreichs Profi-Fußball, stattfinden. Und wenn man sich zu lange Zeit lässt, alle Rahmenbedingungen für eine Teilnahme in der höchsten Spielklasse, zu erfüllen, wird sich die Zeit in der Bedeutungslosigkeit unweigerlich verlängern. Was vor allem für die leiderprobten Fans schade wäre. Außer man hat sich damit abgefunden, unaufsteigbar zu sein.

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Über Markus Krautberger

Geboren 14.10.1976 in Graz

Als Fußballer den Nachwuchs bei SK Sturm Graz absolviert (von der U11 bis zur Kampfmannschaft)

Stationen als Fußballer: TSV Hartberg (2x), SKN St. Pölten, DSV Leoben, SV Mattersburg, Kapfenberger SV, SW Bregenz, RW Rankweil (Amateure), SC Eisenstadt (Amateure) – Ende der sportlichen Laufbahn Sommer 2009.

Nach (Bzw während) der Fußballer-Laufbahn: “Praktikum” bei der Sportwoche von 2006 bis 2008 (Schweiz-Korrespondent 2007 bis 2008 vor der EURO 2008), dazu auch im Sportmagazin Artikel veröffentlicht;  seit 2008 freier Journalist für Vorarlberger Nachrichten; seit Sommer 2009 bei Sky Sport Austria.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unseres Redakteurs widerspiegelt und nicht der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss.