GEPA-07061382106 - ATZENBRUGG,AUSTRIA,07.JUN.13 - SPORT DIVERS, GOLF - PGA European Tour, Lyoness Open 2013 im Diamond Country Club. Bild zeigt Trainer Philippe de Busschere. Foto: GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber

Golf: Wiesberger-Coach glaubt an starke Leistung bei Masters

via APA

Augusta (Georgia) (APA) – Bernd Wiesbergers Coach Philippe de Busschere ist von einer guten Leistung des Österreichers beim US Masters in Augusta überzeugt, obwohl der Burgenländer erstmals beim ersten Saison-Major abschlägt. Der in Jakarta lebende Belgier arbeitet seit über vier Jahren mit dem Burgenländer und ist sicher, dass Österreicher zu sein kein limitierender Faktor ist, um erfolgreicher Profigolfer zu werden.

Warum er das so sieht, erklärte der Asien-Leiter der Leadbetter Golf Academy (LGA) im APA-Interview vor dem Turnier in Augusta, für das sich der Oberwarter als erster Österreicher überhaupt qualifiziert hat. Deshalb hat sich Österreichs bester Golf-Pro mit seinem Trainerstab akribisch vorbereitet und den Formaufbau bewusst so gesteuert, dass er möglichst erst beim Turnierstart nahe am Form-Höhepunkt ist. Das wichtigste ist aber sowohl für Wiesbergers Schwung-Coach als auch den Spieler selbst, Spaß zu haben und zu lernen.

Interview mit Bernd Wiesbergers Schwungtrainer Philippe de Busschere vor dem US-Masters in Augusta:

APA: Wie bereit haben sie Bernd Wiesberger für den ersten Masters-Auftritt machen können?

Busschere: “Er ist so bereit, wie man eben bereit sein kann. Es ist für Bernd ein neuer Kurs, er hat keine Erfahrung hier. Das kann man negativ, aber auch positiv sehen, weil er deshalb ja auch noch keine schlechte Erfahrung hier gemacht hat. Die Vorbereitung war gut, wir haben in den letzten Tagen vor dem Turnier unsere Ziele erreicht. Jetzt geht es darum, dass er Spaß hat und lernt. Wenn er Spaß hat, kommt alles andere von selbst.”

APA: Wie wichtig ist es vor so einem großen Turnier, die Form genau auf den Punkt zu bringen?

Busschere: “Speziell bei Majors kommst du sehr früh zum Turnier. Bernd ist schon seit Samstagabend da und hat am Sonntag losgelegt. Da ist man leicht zu früh am Peak. Wenn das schon am Dienstagnachmittag der Fall ist, kann das zu Problemen führen. Nicht viele spielen am Donnerstag eine 63 und gewinnen danach auch noch das Turnier. Klüger ist es, am Dienstag bei 80 Prozent und am Mittwoch bei 85 bis 95 Prozent zu sein. Dann steigert man sich bis Sonntag jeden Tag um weitere ein bis zwei Prozent. Dann kannst du am Ende sehr weit oben stehen.”

APA: Sie arbeiten seit viereinhalb Jahren mit Wiesberger. Können sie ihre Zusammenarbeit ein wenig beschreiben?

Busschere: “Die Beziehung zwischen Coach und Spieler ist immer sehr interessant. Man muss einerseits die gleichen Ziele und Ideen haben, es muss aber auch Unterschiede geben, sonst kannst du den Sportler nicht verändern. Wir kommen aber auch außerhalb des Golfsports gut zurecht, auch dahin gehend, wie wir Dinge im Allgemeinen sehen. Ein Schlüsselelement ist die Kommunikation. Wenn ich einen Schwung verändern will, muss er voll mitziehen. Wir kommunizieren aber so gut, dass wir alles überstehen.”

APA: Wie weit ist Wiesberger noch weg vom besten Golfer, der er sein könnte?

Busschere (lacht): “Die Frage kommt immer wieder, ich gebe immer die gleiche Antwort. Für einen Major-Sieg braucht es Glück, da musst du eine Woche lang alles perfekt treffen. Jeder der hier mitspielt, kann das Turnier auch gewinnen. Bernd hat die Ballantines und die Lyoness gewonnen, jetzt ist er hier. Ich sage nicht, ob er gewinnen kann oder nicht. Aber je mehr Erfahrung er gewinnt, desto eher wird diese spezielle Woche irgendwann kommen.”

APA: Wenn Wiesberger sein normales, gutes Golf abruft, ist dann der Cut auf jeden Fall drin?

Busschere: “Schwer zu sagen, es kommen ja auch die anderen Spieler dazu. Zu allererst sollte der Fun-Faktor kommen, dann wird es gut gehen. Ich zerbreche mir nicht den Kopf, ob er den Cut schafft, Zwanzigster oder sogar Zehnter werden kann. Ich will, dass er lernt und Erfahrung gewinnt.”

APA: Der Augusta National ist extrem hügelig, das sieht man im TV gar nicht. Wie habt ihr euch darauf eingestellt?

Busschere: “Hier geht es wirklich immer rauf und runter. Im Training hatten wir keine einzige ebene Lage. Also haben wir speziell Plätze gesucht, wo wir das üben können. Hier fallen zudem Fairways und Grüns meist gegeneinander, das ist speziell. Und die Landeareale für den Ball sind sehr klein. Das haben wir auch hier geübt. Bernd hat nun praktisch für jede Situation auch eine Lösung.”

APA: Was heißt das konkret?

Busschere: “Es gibt Situationen, die passen perfekt zu deinem Spiel. Da hat man dann wenig Druck und meist geht sich dann ein Par oder sogar ein Birdie aus. Bei anderen Situation, die dir nur zu 80 oder gar nur zu 60 Prozent liegen, musst du hingegen eine andere Lösung finden. Wir haben versucht, dafür eine gute Strategie zu entwickeln. Ich kenne keinen Spieler, dem immer alles zu hundert Prozent passt.”

APA: Ist es für einen Profi-Golfer wegen der kurzen Saison wirklich ein Nachteil, aus Österreich zu kommen?

Busschere: “Warum? Erstens ist Bernd groß und athletisch und hat einen starken Hüft-Rumpf-Bereich, der gut zu dem Schwung passt, den ich lehre. Und mit Österreich und der verkürzten Saison sehe ich kein Problem. Auch Holland hat viele sehr gute Spieler, sogar Belgien, und da regnet es fast pausenlos. Es gibt also kein Österreich-Problem. Man muss einfach über den Tellerrand blicken, um seine Ziele zu erreichen. Was tun die Skifahrer im Sommer, was tun wir im Winter? Wir sind einfach in die Halle gegangen. Es ist sogar besser, wenn du dein Training saisonal etwas mehr ausdehnst und nicht alles in eine Woche quetschen musst. Ich denke nicht, dass Golf in Österreich limitiert ist. Vielmehr, dass sich die Golfer selbst limitieren.”