Großschartner auf Ö-Tour-Sieg aus: Vernunftappell an Kollegen
Radprofi Felix Großschartner nimmt die Tour of Austria am Mittwoch in Topform mit Siegambitionen und sehr starken Teamkollegen in Angriff. Der 31-Jährige ist im seit Jahren weltweit erfolgreichsten Rennstall UAE Emirates neben Jungstar Isaac del Toro und Rafal Majka einer der drei Kapitäne. Bei der vor dem Schlusstag abgebrochenen Tour 2024 wurde Großschartner Vierter, 2017 war er bereits einmal Dritter.
„Wir haben als Team drei gute Karten, die wollen wir ausnützen. Für wen wir fahren, wird sich herauskristallisieren. Wichtig ist, dass wir das Rennen gewinnen können“, sagte Großschartner im APA-Gespräch. Abgesehen von seiner Mannschaft sei die Rundfahrt mit sechs weiteren World-Tour-Mannschaften sehr stark besetzt, ergänzte der Oberösterreicher. Dass er nicht alleiniger Kapitän ist, sei aufgrund der Teamstärke verständlich. „Auf dem Papier ist Isaac sicher der stärkste Fahrer, aber es ist sein erstes Rennen nach dem Giro. Mal schauen, wie er sich fühlt.“ Gegebenenfalls werde er volle Unterstützung erhalten. „Ich weiß, wenn es für mich passt, kann ich mich auf das Team verlassen und umgekehrt ist es genau gleich.“
Hochform halten als große Kunst
Für Großschartner sprechen nicht nur die gute Streckenkenntnis, sondern auch seine derzeitige Verfassung. Gesamtrang zwei bei der Slowenien-Rundfahrt, eine gelungene Tour de Suisse sowie Gold und Silber bei den Staatsmeisterschaften stimmen den Kletterer zuversichtlich. „Vor allem die Meisterschaften waren echt gut.“
Die Hochform zu konservieren, sei aber immer wieder eine Herausforderung. Er habe in seinen vielen Jahren im internationalen Geschäft gelernt, auch in Topverfassung nicht über das Ziel hinauszuschießen und die Belastung bestmöglich zu steuern. „Ich glaube, am Ende des Tages, und das ist oft das Schwierigste, ist es am wichtigsten, dass man auf den eigenen Körper hört. Wenn man im Training merkt, heute geht es nicht so gut, dann muss man es nicht mit der Brechstange durchziehen. Man neigt dazu, es zu übertreiben. Zurückzustecken, ist oft viel besser“, sagte Großschartner. Eine Schablone, die zu perfekten Ergebnissen führe, gebe es jedoch nicht. „Kein Jahr ist wie das andere, und man macht immer noch Fehler.“
Risikoabwägung als Notwendigkeit
Seine Risikobereitschaft und sein Rennverhalten hätten sich über die Jahre ebenfalls verändert. „Ich fahre im Training ganz anders als früher. Und ich bin auch im Rennen anders geworden. Ich weiß, wo es sich nicht auszahlt, volles Risiko zu nehmen und das tue ich dann auch nicht. Ich habe eine eigene Risiko-Schwelle, die ich nicht überschreite.“
Mit seiner Fahrweise sei er bei Superstar Tadej Pogacar und Co. ein beliebter Helfer. „Meine Teamkapitäne fahren gerne hinter mir. Ich kann alles ganz gut abschätzen. Ich habe das Gefühl, ich bin nie ein unnötiges Risiko eingegangen.“ Auch das habe ihn seit mehreren Jahren vor gröberen Sturzverletzungen bewahrt. Wagemut sei im Renngeschehen dennoch unverzichtbar. „Wenn es drauf ankommt, gehe ich schon gewisses Risiko ein, das gehört dazu, aber nicht sinnlos.“
Das gilt nicht für alle Fahrer. Nicht zuletzt aufgrund von vielen Stürzen wünscht sich Großschartner mehr Rücksichtnahme im Feld. „Am Ende des Tages machen wir das Rennen schnell. Wichtig ist, dass man auch einmal zurücksteckt, man aufeinander schaut und Rücksicht nimmt.“ Im Kampf um Positionen und Siege sei das jedoch oftmals ein frommer Wunsch. „Es ist schwierig, weil jeder will vorne sein, jeder hat Angst, dass er etwas verpasst.“ In der aktuellen Sicherheitsdiskussion hält er ein Mindestmaß an Rücksicht und möglichst perfekte Streckenabsicherungen für wichtiger als angedachte Materialbeschränkungen.
Tödlicher Unfall im Vorjahr
Ein dramatisches Beispiel für die Gefährlichkeit des Sports ist der Todesfall von André Drege im Vorjahr in der Großglockner-Abfahrt. Dem Norweger wurde ein Reifendefekt zum Verhängnis. „Was willst du gegen sowas tun, das war einfach ein Riesenpech. Es gibt einfach ein gewisses Risiko im Radsport, wie bei anderen Sportarten auch. Dass es so tragisch ausgeht, ist natürlich der absolute Worst Case.“
(APA)
Beitragsbild: GEPA
