Heimspiel der ÖSV-Damen in zwei Nachbartälern
Innerhalb von zehn Tagen hat der Österreichische Skiverband (ÖSV) die beiden am Arlberg vorgesehen gewesenen Damen-Speedbewerbe umorganisiert. Zusammen mit dem lokalen Organisationskomitee, dem neben Präsident Alex Reiner und Pistenchef Heinz Stohl mit Ex-Abfahrtsweltmeister und ÖSV-Vize Michael Walchhofer ein echter Lokalmatador angehört, wurde trotz Schneemangels und laufendem Touristenbetrieb der Weltcup im Altenmarkter Ortsteil Zauchensee auf die Beine gestellt.
Keine 20 Straßenkilometer sind die beiden aktuellen Weltcup-Schauplätze Zauchensee und Flachau voneinander entfernt – und das auch nur, weil sie durch einen Berg getrennt sind. Beide Orte wollen sich als Damen-„Klassiker“ etablieren. Hermann Maiers Heimatgemeinde Flachau bietet dafür mit 168.000 Euro (69.000 alleine für die Siegerin) sogar das höchste Preisgeld im Damen-Weltcup auf.
Der Pongau ist eine höchst bemerkenswerte Quelle skifahrerischen Talents. Asse wie Annemarie Moser-Pröll, Petra Kronberger, Hermann Maier, Walchhofer, Hannes Reichelt, Hans Grugger, Brigitte Totschnig, Andrea Fischbacher, Gitti Obermoser usw. bis zu Michaela Kirchgasser kommen aus diesem Gau. Technik-Ass Kirchgasser schnallt wegen der besonderen Umstände und Strecke sogar wieder die Abfahrts-Ski an
Das Zugeständnis an die aktuell immer noch magere Schneesituation ist, dass es am Samstag auf der Zauchenseer Kälberloch-Piste keine normale Abfahrt vom spektakulär steilen Starthang aus, sondern eine Sprint-Abfahrt in zwei Durchgängen (9.30/11.30 Uhr) gibt. Gestartet wird bei der Gamskogelhütte. Erwartet wird eine Laufzeit von jeweils rund einer Minute.
Sprint-Abfahrten sind nichts Neues im Weltcup, allerdings ist die letzte schon einige Zeit her. Abfahrten in zwei Durchgängen hat es alleine bei den Damen etwa in St. Anton (1993), Narvik (NOR/1996), Val d’Isere (1997) oder etwa gleich drei Mal in Aare (1999, 2000 und 2002) gegeben. Auch bei den Herren ist dieses Format bekannt. Die erste Kitzbühel-Auflage beispielsweise hat 1990 Atle Skaardal gewonnen. Heute ist der gebürtige Norweger FIS-Chef-Renndirektor bei den Damen.
Zauchensee hat es fast immer gut gemeint mit den Österreicherinnen. Die letzte Abfahrt dort gewann 2014 Elisabeth Görgl vor Anna Fenninger. „Der Saisonstart war nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe“, weiß Görgl selbst, dass sie bisher noch nicht besonders aufgezeigt hat. Die Vorfreude der Steirerin auf den Heimauftritt ist deshalb aber sogar besonders groß. „Eine Sprint-Abfahrt bin ich noch nie gefahren, ich bin schon sehr gespannt“, sagte die bald 35-Jährige.
Die bisher letzte österreichische Super-G-Siegerin in Zauchensee ist mit Alexandra Meissnitzer (2004) auch heute noch dabei – allerdings als TV-Co-Moderatorin und Kamera-Fahrerin für den ORF.
Nicht nur Walchhofer hofft, dass das Sprint-Format den ÖSV-Ladies zum ersten Speed-Saisonsieg verhelfen könnte. Dem Abfahrts-Champ von 2003 hat bisher vor allem die Angriffslust der jungen Fahrerinnen, allen voran Cornelia Hütter, gefallen. „Ich bin überzeugt davon, dass speziell Hütter und Görgl bei einem Sprintrennen noch bessere Chancen haben, Lindsey Vonn zu fordern“, glaubt Walchhofer.
Die Pongau-Rennen sind auch der endgültige Auftakt in die heißeste Weltcup-Phase bei den Damen. Im Kampf um die große Kugel hat sich der anfangs vermutete Mehrkampf aktuell auf ein Duell zwischen Lara Gut und Vonn zugespitzt.
Für Vonn wäre es schon der fünfte Weltcup-Gesamtsieg, Gut wäre die erste Schweizer Gesamtsiegerin seit Vreni Schneider 1995. Während die 24-jährige Tessinerin trotz ihres aktuell 158 Punkte betragenden Vorsprungs nach 15 von über 40 Rennen davon aber nichts hören will, ist Vonn locker drauf.
Die 31-Jährige legte über den Jahreswechsel sogar einen US-Heimurlaub ein. Dabei jagte sie den snowboardenden Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton im Tiefschnee durch die Wälder Colorados und feuerte die Denver Broncos in der NFL an. Erst Dienstagabend und damit knapp vor dem ersten Zauchensee-Training am Donnerstag stieg Vonn in den Flieger zurück nach Europa.