Held mit Hindernissen: Glasners wundersamer Weg mit der Eintracht

Oliver Glasner hat Eintracht Frankfurt in seinem Premierenjahr ins Finale der Europa League geführt. Dabei drohte ihm im Herbst schon die frühe Entlassung.

Oliver Glasner ruht in sich. Völlig entspannt scherzt er dieser Tage mit seinen Co-Trainern, schießt ein paar Freistöße oder redet feinfühlig auf seine Spieler ein.

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Von Hektik oder Nervosität vor dem „größten Spiel der Karriere“ keine Spur, vielmehr sorgt sich der Vordenker von Eintracht Frankfurt um ganz banale Dinge. „Meine Glückshose muss sauber werden, die ist noch in der Reinigung. Ich hoffe, dass die rechtzeitig kommt“, erzählt der 47-Jährige mit breitem Grinsen.

Glasner auf den Spuren von Ernst Happel

Etwas Glück kann zur Krönung seiner ersten Saison am Main ja schließlich nicht schaden. Als erst fünfter österreichischer Trainer geht Glasner am Mittwoch (21.00 Uhr/live auf Sky Sport Austria) in ein europäisches Finale, bislang schaffte es einzig der legendäre Ernst Happel auf den Thron. Nur zu gerne würde Glasner mit einem Triumph gegen die Glasgow Rangers in dessen Fußstapfen treten – und dabei stand seine Amtszeit bei der SGE im Herbst schon vor dem Blitz-K.o.

Die Premiere am 8. August 2021 ging mit dem sang- und klanglosen Pokal-Aus beim Drittligisten Waldhof Mannheim in die Hose, das Warten bis zum ersten Pflichtspielsieg dauerte satte neun Partien.

Nicht wenige Stimmen sowohl in der Medienlandschaft als auch in Fankreisen wurden laut, die bereits eine Ablösung forderten. Erst mit dem Überraschungs-Coup bei Bayern München (2:1) kam der aus Wolfsburg gekommene Coach bei der launischen Diva so richtig an.

Glasner blieb trotz Fehlstart ruhig: „Haben die Ärmel hochgekrempelt und gemeinsam nach vorne geschaut“

„Der einfachste Weg bei Rückschlägen ist, etwas anderes zu machen“, sagte Glasner: „Wir sind stattdessen zusammengerückt, haben die Ärmel hochgekrempelt und gemeinsam nach vorne geschaut. Dann wächst du als Mannschaft, als Gruppe und als Verein. Wenn du aus schwierigen Situationen gut rauskommst, erreichst du das nächste Level.“ Das gelang der Eintracht vor allem in Europa – auch weil Glasner früh weiterdachte.

„Er versucht, die Mannschaft träumen zu lassen“, sagte Kapitän Sebastian Rode: „Er hat früh weit blicken lassen. Das war mit ein Faustpfand und ein Weg zum Finale. Er hat früh gesagt, wir wollen von Runde zu Runde schauen, aber am 18. Mai keine Tingel-Tour machen, sondern in Sevilla sein.“ Zudem fungiere Glasner als „akribischer Vorarbeiter“, habe dem Team seinen Stempel aufgedrückt.

„Er ist ein super Typ, hat einen guten Draht zur Mannschaft. Das hilft einem“, schwärmte Mittelfeldspieler Ansgar Knauff. Und der Hochgelobte nimmt sich selbst trotz des Erfolgs nicht zu wichtig – auch eine seiner Stärken. „Ich bleibe lieber im Hintergrund, die Spieler sind die Protagonisten, die meine Hirngespinste umsetzen müssen“, betont Glasner.

Er werde „seinen Jungs“ vor dem Finale sagen: „Carpe Diem – genießt die Zeit“. Das tue er selbst in Frankfurt schließlich mittlerweile auch.

„Ich habe schon ein bisschen mehr Falten und graue Haare bekommen“, erzählt er mit schelmischem Grinsen über seine Premierensaison. Auch sein Gesicht ist durch einen bei einem Sturz mit dem E-Roller erlittenen Jochbeinbruch zu Jahresbeginn immer noch leicht gezeichnet.

Und doch habe er Frankfurt „schätzen- und kennengelernt – die Spieler, die Stadt, den Verein“. Und mit der Trophäe in der Europa League entstünde wohl endgültig eine unzerstörbare Liebesbeziehung.

(SID) / Bild: Imago