Hemetsberger hatte in Kitzbühel „wieder ein gewisses Feeling“

Das Siegertreppchen ist zwar Sperrzone geblieben, doch noch nie in dieser Weltcup-Saison waren Österreichs Abfahrer so nahe dran wie im Ski-Mekka Kitzbühel. Daniel Hemetsberger crashte mit seiner beherzten Fahrt beinahe die kanadisch-schweizerische Party, Stefan Babinsky erhöhte mit Rang acht die Top-Ten-Präsenz und Otmar Striedinger kam auf den 13. Platz. Auch ohne Vincent Kriechmayr sah die ÖSV-Bande plötzlich wie ein schlagkräftiges Team aus.

Noch vor einer Woche hatte sich Striedinger in Wengen mit dem 17. Platz begnügen müssen und war damit bester Österreicher. Babinsky war 21., Hemetsberger nur 28., Kriechmayr crashte und zog sich dabei eine Verletzung im rechten Knie zu. Es war ein fast desolates Bild, das die Österreicher im Berner Oberland abgaben.

Das Kitzbühel-Ergebnis kann nun freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Abfahrt eine rot-weiß-rote Problemzone bleibt und die Elite derzeit woanders zuhause ist. In der Weltcup-Startliste (WCSL) ist kein ÖSV-Abfahrer unter den Top zehn zu finden. Kriechmayr spuckt das Ranking auf Platz elf als ersten Österreicher aus. Doch war der Schub an Selbstvertrauen für die Speed-Truppe – verstärkt durch den zweiten Platz von Raphael Haaser im Super-G – vor der WM in Saalbach-Hinterglemm doppelt willkommen und soll idealerweise erlösend wirken.

„Für das sind wir nicht da“

Bis Kitzbühel war die Saison für die Abfahrer im Österreichischen Skiverband als einigermaßen verkorkst zu bezeichnen. „Wenn man alles gibt und dann 25. wird, für das sind wir nicht da“, brachte es Hemetsberger auf den Punkt. „Da wird man halt dann einfach ein bisschen verzweifelt, das wird im Kopf immer schwieriger.“ Für die Hahnenkammwoche habe er eine andere Herangehensweise gewählt und seine Fahrweise auf volle Attacke umgestellt. „Es hat mir wieder ein gewisses Feeling gebracht, eine gewisse Selbstverständlichkeit“, erklärte Hemetsberger.

Das Podest mit Sieger James Crawford (CAN), Alexis Monney (SUI) und Cameron Alexander (CAN) hatten vor dem Rennen nur die wenigsten auf der Rechnung. 0,21 Sekunden war Hemetsberger gegenüber Alexander im Hintertreffen und von seinem ersten Podestplatz seit Dezember 2023 (Zweiter im Super-G von Gröden) entfernt. Trösten konnte er sich allerdings damit, dass er seine WM-Teilnahme mehr oder weniger fixiert hat.

WM-Aufstellung kristallisiert sich heraus

Überhaupt kristallisiert sich das österreichische Abfahrtsteam für Saalbach immer deutlicher heraus. Neben Fixkandidat Kriechmayr ist Hemetsberger nun gesetzt. Stefan Eichberger verpasste auf der Streif als 31. zwar in der zweiten Abfahrt nacheinander die Punkte, doch sein sechster Platz in Gröden hat ihm bereits ein sehr starkes Argument verschafft. Dazu kann nun auch Babinsky ein Top-zehn-Resultat vorweisen, was Striedinger bisher verwehrt blieb.

Der Kärntner müsste somit in Garmisch-Partenkirchen am nächsten Sonntag fast Wunderdinge vollbringen, um noch auf den WM-Zug aufzuspringen. „Ich fahre von Rennen zu Rennen und schaue, dass ich bei jedem Rennen meine Leistung bringe. Über alles andere mache ich mir jetzt keine Gedanken“, erklärte er lapidar.

Ehe es nach Oberbayern weitergeht, möchte Striedinger aber noch seine angeschlagenen Rippen abklären lassen, die beim Sturz im Kitz-Super-G am Freitag in Mitleidenschaft gezogen wurden. „Der Arzt hat einmal gemeint, dass alles ganz ist. Eine Routinekontrolle werden wir noch machen“, sagte er.

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(APA) / Artikelbild: GEPA