Heute vor 33 Jahren: Tirol im UEFA-Cup-Halbfinale in Göteborg chancenlos

von Nikolaus Reitz

Mit IFK Göteborg hatte FC Tirol den ungeschlagenen UEFA-Cup-Sieger des Jahres 1982 gezogen. Auf dem Weg ins Finale gegen den HSV mit Österreichs Erfolgstrainer Ernst Happel eliminierten die Schweden damals auch Sturm Graz. Das entscheidende 3:2 gegen die Steirer gelang erst in der 90. Spielminute. Im Finale folgte ein 1:0-Heimsieg, Happel war der Meinung, dass die Schweden da schon stehend K.O. waren. Er wurde im Volksparkstadion von Hamburg eines besseren belehrt und seine Mannschaft ging mit 0:3 unter. Happel sollte sich nur ein Jahr später mit dem Meistercupsieg trösten. HSV besiegte dank eines frühen Treffers von Felix Magath Liverpool mit 1:0. Jener Mann zieht heutzutage bei Flyeralarm Admira Wacker die Fäden.

FC Tirol überwinterte im Bewerb, nachdem sie Sofia, Standard Lüttich und Spartak Moskau aus dem Bewerb geworfen hatten. Im Viertelfinale holten sie auswärts ein glückliches 0:0 gegen AC Torino im übervollen Stadio Communale. Das Rückspiel wird wohl bei jedem Tirol-Fan ewig in Erinnerung geblieben sein, als beim 2:1-Erfolg Hansi Müller einen Corner direkt zum 1:0 verwandelte.

Doppelschlag bringt Führung der Hausherren

Göteborgs Trainer Bengtsson wollte die Innsbrucker mit einer Blitzoffensive überraschen, dabei aber nicht die Abwehr entblößen. Schon im Jahr davor gelang zu Hause im Halbfinale des Meistercups ein 3:0 gegen FC Barcelona und so gab er sich vor dem Spiel siegessicher: “Wenn wir gegen eine solche Klassemannschaft eindeutig gewonnen haben, so werden wir wohl auch den FC Tirol in die Knie zwingen können.“ Außerdem glaubte er einen schwachen Punkt gefunden zu haben: “Der linke Außenverteidiger spielt ungewöhnlich offensiv. Das ist einesteils für uns gefährlich, aber andernteils gibt uns das eine Chance zu Angriffen über die rechte Seite.“ Felix Latzke zeigte sich im Vorfeld weniger von den zu erwartenden 50.000 Fans beeindruckt, mehr Sorge bereitete ihm die Kampfkraft der Schweden.

Und mit diesem Elan gingen die Hausherren auch ins Spiel und zeigten von Beginn weg, dass es an diesem Tag keinen Zweifel über den Sieger der Partie geben würde. In der ersten halben Stunde konnten die Tiroler die Angriffe der Schweden noch einigermaßen abwehren. In der 29. Minute war der Bann allerdings gebrochen: Nach einer Ecke von der linken Seite netzte Hysen zum vielumjubelten 1:0 ein (29´). Von dem Gegentreffer noch nicht richtig erholt, schlug es fünf Minuten später erneut ein. Die Abwehr putzte unkontrolliert aus, der Ball kam postwendend retour und Andersson erhöhte auf 2:0 (34´).

Pacult-Treffer lässt Tirol kurz hoffen

Ein kurzer Hoffnungsschimmer keimte kurz vor der Pause auf, als Pacult aus der eigenen Spielhälfte auf die Reise geschickt wurde und entschlossen zum 2:1 ins lange Eck schoss (45´). Das Auswärtstor war gegen den Spielverlauf mit der ersten gefährlichen Aktion gelungen und hielt die Chancen auf den Finaleinzug intakt. Leider gestaltete sich die zweite Hälfte ähnlich der ersten. Mit einem Doppelschlag entschied Göteborg frühzeitig das Match und hätte vermutlich noch viel höher gewinnen können. Zuerst klappte die Abseitsfalle nicht und Nilsson verwertete den Stanglpass (55´), danach folgte die Höchststrafe für Kalinic mit einem Eigentor (57`).

“Die österreichische Verteidigung bewegte sich, als hätte sie Betonklumpen an den Füßen”

Nach Ende des Spieles sprach Latzke nur mehr von minimalen Aufstiegschancen und Bengtsson freute sich, dass er auf das richtige Pferd gesetzt hatte, indem er den pfeilschnellen Nilsson gegen die langsame Tiroler Abwehr brachte. Schwedische Zeitungen meinten: “Es wäre eine Sensation, könnten die Tiroler dem IFK den Finalplatz streitig machen. Jede Angst vor dem Rückspiel ist unbegründet.“ Und weiter: “Das 4:1 ist ein gutes Ergebnis für das Rückspiel, jedoch ein knappes, wenn man bedenkt, was sich vor den 48.000 begeisterten Zuschauern abspielte. Die österreichische Verteidigung bewegte sich, als hätte sie Betonklumpen an den Füßen. Das Glück muss den Österreichern den Weg ins Semifinale geebnet haben. Damit ist jetzt Schluss!“ Am Ende warnte Bengtsson dann doch noch: “Beim Rückspiel in Innsbruck müssen wir wahnsinnig aufpassen. Dort gibt es ein fanatisches Publikum und einen kleinen Platz, der uns nicht liegen wird. Wir müssen wieder bei 0:0 anfangen“. Ein Jahr zuvor genügte ein 3:0-Heimsieg gegen Barcelona nämlich nicht. Man schied im Elfmeterschießen aus.

IFK Göteborg vs FC Tirol 4:1

09.04.1987, Halbfinal-Hinspiel UEFA-Cup

Ullevi-Stadion, 48.500 Zuschauer; Schiedsrichter Joel Quiniou (Frankreich)

Tore:
1:0 Glenn Hysen 29´
2:0 Michael Andersson 34´
2:1 Peter Pacult 45´
3:1 Lennart Nilsson 55´
4:1 Ivica Kalinic (Eigentor) 57´

Mannschaftsaufstellungen:

IFK Göteborg: Wernersson, Hysen, Carlsson, Larsson, Fredriksson, Johansson, Tord Holmgren, Andersson, Tommy Holmgren, Pettersson, Nilsson (80´ Rantanen); Coach Gunder Bengtsson

FC Tirol: Ivkovic, Kalinic, Auer, Messlender (86´ Strobl), Koreimann, Steinbauer, Linzmaier, Müller, Idl (59´ Hörtnagl), Roscher, Pacult; Coach Felix Latzke

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