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Heute vor 43 Jahren: Österreich mit Rekordsieg

von Nikolaus Reitz

Österreich benötigte einen überzeugenden Sieg gegen Malta in der WM-Qualifikation, um die DDR unter Druck zu setzen. Regenwetter in Salzburg hielt die Besucher nicht davon ab, das Lehener Stadion dicht zu füllen, die den ersten Länderkampf in der Mozartstadt zu sehen bekamen.

Trainer Helmut Senekowitsch meinte vor dem Spiel zu den Journalisten: “Direktspiel und Schüsse aus der zweiten Welle wären das Richtige, denn ich bin sicher, dass die Malteser, ähnlich wie beim 0:4 gegen die Türken in Izmir, den eigenen Strafraum verrammeln werden.“

Stürmer Johann Krankl vor dem Spiel: “Wenn das Spiel läuft, ist ein 4:0 oder 5:0 möglich.“

4 Krankl-Tore in 11 Minuten

Österreich wollte die Malteser von Beginn weg mit Haut und Haaren fressen. Schachner traf in den ersten Minuten die Stange, Pezzey jagte einen Schuss über das Tor. In der neunten Minute fiel das überfällige 1:0 durch Krankl per Kopf. Der Bann war gebrochen und die Krankl-Festspiele begannen. In der 12. Minute erzielte er erneut mit dem Kopf das 2:0. Das 3:0 gelang ihm per Abstauber, nachdem zuvor Schachner erneut die Stange getroffen hatte. Noch keine 20 Minuten waren absolviert, als Krankl bereits seinen vierten Treffer bejubeln durfte (19.). Österreich hielt sich an sein Konzept, spielte direkt und schoss aus allen Lagen. Ein Schuss von Prohaska wurde auf der Linie von Ciantar geklärt. Nach einer halben Stunde schlug der Ball erneut ein. Stering traf nach perfektem Doppelpass mit einem Weitschuss zum 5:0.

Krankl erinnert sich: “Jeder Ball, den ich gehabt hab, war ein schöner Abschluss und war ein Tor!”

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9 Tore nur einmal im Jahr 1953

Nach der Pause stellte Krankl nach idealer Außenristflanke von Pirkner auf 6:0 (54.), derselbe erhöhte in der 65. Minute auf 7:0. Die Amateure aus Malta waren mit ihren Kräften und Nerven am Ende. Müde und uninspiriert brachten sie den Ball zur Mittelauflage, verloren ihn sofort wieder und sahen den nächsten Corner gegen sich. Hattenberger flankte auf die zweite Stange, wo Krankl den Ball volley ins Tor schoss. Der Ball wurde hinter der Linie abgewehrt, es stand 8:0 (67.) Nun folgten Proteste der Malteser und daraufhin wurde auch Farrugia ausgeschlossen. Österreich bestrafte diese Aktion doppelt, weil kurz darauf Pezzey auf Stering spielte, der das 9:0 erzielte (69.).

Mit diesem Erfolg war der höchste Erfolg einer österreichischen Nationalmannschaft Gewissheit. Zudem hatte Krankl den bisherigen Torrekord von Probst mit fünf Treffern beim 9:1 gegen Portugal überboten.

Senekowitsch: “Wir haben jetzt kein neues Wunderteam, wir müssen weiter für die WM-Qualifikation aufbauen. Natürlich sehe ich viel Positives; Angriffe von den Flanken her, ein schnelles Tor und Einsatz bis zum Schluss.“

Krankl: “Ich glaube, mein fünftes Tor war das schönste. Die Flanke von Pirkner erwischte ich volley, da freut man sich.“

Hattenberger: “Ein 9:0 wäre vor dem Spiel ein Traum gewesen. Jetzt ärgere ich mich, dass es nicht mehr Tore geworden sind. Aber immerhin haben wir der DDR neun Tore vorgelegt; das muss uns erst nachgemacht werden.“

Österreich vs Malta 9:0

(30.04.1977) WM-Qualifikationsspiel

Salzburg-Lehen, 18.000 Zuschauer; Schiedsrichter Alojzy Jarguz (Polen)

Tore:

1:0          Krankl 9´
2:0          Krankl 12´
3:0          Krankl 17´
4:0          Krankl 19´
5:0          Stering 30´
6:0          Krankl 54´
7:0          Pirkner 65´
8:0          Krankl 67´
9:0          Stering 69´

Mannschaftsaufstellungen:

Österreich:            Koncilia, Robert Sara, Persidis, Pezzey, Strasser, Hickersberger, Hattenberger, Prohaska, Stering (78´ Peter Koncilia), Krankl, Schachner (46´ Pirkner);
Coach Helmut Senekowitsch
Malta:                      Gatt, Ciantar, Farrugia, Holland, Schembri, Darmanin, Magro, Xuereb, Seychell (46´ George Xuereb), Fabri, Micallef;
Coach John Calleja