GEPA-15111363050 - WIEN,AUSTRIA,15.NOV.13 - SPORT DIVERS, LEICHTATHLETIK - Eroeffnung des Leichathletikzentrums. Bild zeigt eine Uebersicht der Anlage und das Ernst Happel Stadion. Foto: GEPA pictures/ Patrick Leuk

Heute vor 59 Jahren: Ausschreitungen und Spielabbruch bei Rapid vs. Benfica

von Nikolaus Reitz

Ausschreitungen im Wiener Prater, Spielabbruch in der letzten Spielminute. Nach einem 1:1 im Rückspiel scheiterten die Hütteldorfer an der letzten Hürde Benfica Lissabon.

Bela Guttmann und Benfica reisten zuversichtlich nach Wien. Sie standen mit einem halben Bein im Finale des Meistercups. Zu dominant waren sie in Lissabon aufgetreten, zu deutlich die 3:0-Führung nach dem ersten Spiel. Im ersten Moment resignierend waren die Hütteldorfer nach Wien zurückgekehrt. Doch dann flackerte neuer Mut auf, vor allem aber durfte man in finanzieller Hinsicht nicht auf ein volles Prater-Stadion verzichten. So sprach alles über den bevorstehenden Höllenritt, der den Portugiesen bereitet werden sollte.

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Einmal hatte Rapid einen Drei-Tore-Rückstand aufgeholt. Das war im Herbst 1957 gegen AC Milan. Nach einem 1:4 in Mailand konnte auf der Pfarrwiese 5:2 gewonnen werden.
Es wurden alte Wundertaten bemüht. Acht Jahre zuvor hatte die Österreichische Nationalmannschaft die Portugiesen mit 9:1 aus dem Prater geschossen. Fünf Tore hatte Probst erzielt. Aguas, der auch jetzt noch in Benficas Auswahl stand, schoss den Ehrentreffer. Sektionsleiter Ernst Happel stand ebenso wie Trainer Robert Körner in der Formation. Von der aktuellen Mannschaft waren weiters Hanappi und Dienst dabei, der den neunten Treffer für sich verbuchen konnte.

Aufgrund des hohen Rückstandes wurden nur 50.000 Karten aufgelegt. Die im Laufe der Woche erweckte Zuversicht sorgte dann aber dafür, dass Tausende vor den Kassen standen und ohne Karten Einlass begehrten. Im Stadion begann in aufgeheizter Atmosphäre die geplante Aufholjagd.

Stürmische Rapid in der ersten Hälfte

Rapid begann die Partie mit wütend vorgetragenen Angriffen, die zu vier Cornern führten. In der zweiten Minute jagte Flögel den Ball hauchdünn über die Latte. Die Portugiesen zeigten sich von Rapid´s Angriffslust und dem fanatischen Publikum beeindruckt, wirkten nervös und fehleranfällig. Die beste Chance ergab sich in der 24. Minute. Zuerst zögerte Skocik, dann parierte Pereira den Schuss von Flögel und den Nachschuss von Dienst konnte die Abwehr gerade noch klären. Mit dem sicheren Rückhalt der Portugiesen gewannen die Mitspieler zusehends an Souveränität.

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In der zweiten Hälfte schoss zunächst Halla knapp vorbei. In der 58. Minute gab es Elferalarm, als der Ball Germano auf den Schenkel sprang. Schiedsrichter Leafe ließ weiterspielen, was Dienst so erzürnte, dass er sich die gelbe Karte einfing. In dieser Drangperiode der Rapidler fiel das 0:1 und die endgültige Entscheidung zugunsten Benficas. Aguas verwertete trocken ins Eck (66´). Rapid wollte sich nicht geschlagen geben und kam wenige Minuten später zum Ausgleich. Nach Freistoß Hanappi schoss zuerst Dienst, ehe Skocik den Ball über die Linie drückte (72´).

Enttäuschung und Wut führen zu Spielabbruch

Noch einmal verlangte der Anhang wütend protestierend Elfmeter, als Angelo den Ball mit der Hand berührte. Die Portugiesen spielten nun nur mehr auf Zeit und foulten wesentlich mehr als zu Beginn der Partie. Zu allem Überfluss ließ der Schiedsrichter in der 88. Minute abermals weiterspielen, als Dienst von zwei Portugiesen in die Zange genommen wurde und zu Fall kam. In diesem Fall wäre der Pfiff nicht fälschlich erfolgt. Die Entscheidung brachte das Fass zum Überlaufen. Als wenig später Flögel erneut gefoult wurde, begannen erste Ranglereien unter den Spielern.

Nun hielt es viele Zuseher nicht mehr auf ihren Plätzen, sie stürmten das Spielfeld und beteiligten sich an den Raufereien. Schiedsrichter Leafe brach aufgrund dessen das Spiel ab. Halbwüchsige begannen mit der Demolierung des Stadions, die Anzeigentafel und Reporterkabinen wurden zerstört. Die Polizei rückte an und am Ende gab es auf beiden Seiten Verletzte.

So nahm die Europacup-Saison ein äußerst unrühmliches Ende. Benfica zog ins Finale ein und bezwang dort den FC Barcelona. Diesen Triumph konnten sie in der nächsten Saison wiederholen, als sie im vielleicht besten Finale aller Zeiten Real Madrid mit 5:3 bezwangen.

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Rapid vs Benfica Lissabon 1:1
(04.05.1961) Habfinal-Rückspiel Meistercup

Prater-Stadion, 63.000 Zuschauer; Schiedsrichter Reginald Leafe (England)

Tore:

0:1         Aguas 66´
1:1         Skocik 72´

Mannschaftsaufstellungen:

Rapid Wien:                      Huyer, Zajic, Glechner, Höltl, Hanappi, Gießer, Halla, Skocik, Dienst, Flögel, Bertalan;
Coach Robert Körner
Benfica Lissabon:            Pereira, Martins, Germano, Cruz, Neto, Saraiva, Augusto, Santana, Aguas, Coluna, Cavem;
Coach Bela Guttmann

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