Hirscher kündigte Super-G mit angezogener Handbremse an
Kitzbühel (APA) – Ohne sportliche Erwartungen und durchaus mit einem mulmigem Gefühl geht ÖSV-Topstar Marcel Hirscher in den Weltcup-Super-G in Kitzbühel am Freitag. „Natürlich kann man von Nervosität sprechen“, gestand der vierfache Gesamtweltcup-Sieger vor seinem dritten Antreten bei einem Streif-Rennen. „Im besten Fall kann ich mich so platzieren, dass ich dann in der Kombi unter den besten 30 starten kann.“
Schon 2014 und 2015 hatte Hirscher den Super-G in der Gamsstadt in Hinblick auf die Kombination in Angriff genommen und war als 56. bzw. 44. ziemlich am Ende des Klassements gelandet. Sein Respekt vor der Strecke hat sich seitdem nur minimal verringert. „Ganz klar, logisch. Von mir wird man wieder den klassischen Fast-Abschwinger auf dem Hausberg sehen, weil das Risiko nicht dafürsteht“, erklärte der Salzburger, der am Donnerstag sein erstes Super-G-Training seit seinem Sieg Anfang Dezember in Beaver Creek absolvierte.
Es fühle sich „nach wie vor komisch an“, wenn er auf den langen Skiern unterwegs ist, meinte Hirscher, der am Freitag mit Startnummer 12 ins Rennen gehen wird. „Wenn irgendwo eine Kurve ist, fühlt es sich wieder gut an. Wenn es geradeaus geht, wird es schwierig. Wenn ich in der Luft bin, denke ich mir sowieso: Was ist jetzt los?“
In Kitzbühel fehlen ihm zudem die Erfahrungswerte. „Da bin ich erst einmal die Originalstrecke heruntergefahren (2014 hatte der verkürzte Super-G nicht über Hausberg und Traverse geführt; Anm.). Die ‚Birds of Prey‘-Piste bin ich jetzt schon fünf oder sechs Mal gefahren. Ich weiß, was ich da zu tun habe, wie das Gelände aussieht. Da darf es auch schlechte Sicht haben und schneien so wie heuer im Dezember. Aber da herunter ist auch beim zweiten Mal alles neu, von dem her darf man nichts erwarten.“
Zusätzlich sorgten auch die Stürze der Teamkollegen Max Franz und Florian Scheiber im Abfahrtstraining für Verunsicherung. „Das trägt auch nicht gerade dazu bei, dass ich ‚all in‘ gehe“, räumte Hirscher ein. So sieht er das Rennen am Freitag auch als „Super-Möglichkeit, die Strecke zu testen“. In fünf, sechs Jahren, mit genügend Streif-Kilometern auf dem Tacho, schaue es vielleicht anders aus.
Seine Strategie ist also klar auf die Kombination ausgerichtet. Mit Blick auf den Gesamtweltcup, den Aksel Lund Svindal derzeit mit 15 Zählern Vorsprung auf ihn anführt, will er die Chance auf eine Punkteausbeute im hohen zweistelligen Bereich in dem Bewerb nicht sausen lassen. Zudem sei der Lauf in der Kombination eine hervorragende Trainingseinheit für den Spezialslalom am Sonntag, in dem für den Österreicher das nächste Duell mit dem Norweger Henrik Kristoffersen ansteht.
Mit einem Best-Case-Szenario für das bis zum Schladming-Slalom am Dienstag „verlängerte“ Wochenende hat sich Hirscher laut eigener Aussage nicht beschäftigt. „Das Optimum heißt für mich aufhören zu rechnen. Das interessiert mich gerade überhaupt nicht mehr, speziell nach dem letzten Wochenende (in Wengen; Anm.). Genau wie in den letzten Jahren gilt es, das Beste aus jedem Rennen, aus jeder Situation herausholen. Am 20. März wird dann zusammengerechnet, dann schauen wir, was passiert.“
Dennoch sieht er Herausforderer Svindal derzeit als Favoriten auf die große Kristallkugel, „weil er momentan schon fast allein auf weiter Flur ist, was den Abfahrtssport betrifft“. Diskussionen über den vermeintlichen norwegischen Wunderanzug tangieren ihn nicht. „Das ist für mich nicht ernst zu nehmen. Die fahren einfach gewaltig Ski.“