Historisches Zawieschitzky-Debüt im ÖFB-Team
Christian Zawieschitzky hat am Sonntag ein kleines Stück österreichische Fußball-Geschichte geschrieben. Der 19-Jährige avancierte beim Heim-3:1 in der Nations League gegen den Kosovo zum jüngsten Tormann-Debütanten im ÖFB-Team seit Walter Zeman 1945 – und war ziemlich überrascht, als er nach der Partie davon erfuhr. „Das ist schon etwas Gutes. Irgendwas bedeutet es mir schon. Aber irgendwie bringt es mich jetzt auch nicht weiter, glaube ich“, sagte der Salzburg-Goalie.
Deutlich größere Freude als der historische Aspekt seines ersten Länderspiels löste der Gedanke an das eben Erlebte aus. Vor 47.000 Fans die Feuertaufe zu absolvieren, sei „brutal“ und „sehr speziell“ gewesen. „Ein bisschen Gänsehaut habe ich schon bekommen“, gestand Zawieschitzky.
Der Tiroler wurde am Vortag von Teamchef Ralf Rangnick über seinen Einsatz informiert. „Ich war sehr überrascht“, erzählte der Teenager. Etwas Nervosität habe er aber nur beim Aufwärmen verspürt. „Einfach Kopf ausschalten und durchziehen“, habe seine Devise gelautet, meinte der Keeper nach dem Schlusspfiff. „Das Gegentor nervt mich, aber im Großen und Ganzen war das Spiel, das ich gemacht habe, ganz okay. Und von der Mannschaft war es sensationell.“
Nur Elfmeter-Gegentor
Zawieschitzky zeigte nur bei einem Freistoß eine leichte Unsicherheit, lieferte eine starke Parade kurz nach der Pause und war beim Gegentor durch einen Elfmeter chancenlos. „Ich habe das gemacht, was man als Tormann machen muss, und bin froh, dass es am Ende gut ausgegangen ist.“
Als den Kosovaren in der 83. Minute der Treffer gelang, versteckte Zawieschitzky den Ball flugs unter seinem Dress, um etwas Zeit zu gewinnen und einen schnellen Anstoß zu verhindern. „Ich habe mir gedacht, ich tu‘ ihn einfach unter mein Leiberl, da kriegen sie ihn nicht so leicht raus“, erklärte der Debütant mit einem Schmunzeln. Sein Trikot erhält „die Mama“ als Geschenk.
Zawieschitzky verströmt die Aura einer Frohnatur, was bei seinen Mitspielern offenbar Anklang gefunden hat. „Ich bin sehr gut aufgenommen worden“, berichtete der Goalie. „Aber ich bin auch kein schüchterner Typ. Ich tu‘ mir sehr leicht, mit anderen zu reden.“
Zawieschitzky reist zum U21-Team
Ab Montag hat Zawieschitzky neue Gesprächspartner, er wechselt für die entscheidenden EM-Qualifikationspartien zum U21-Team. Traurig über den Abschied sei er nicht. „Ich bin sehr froh, dass ich da sein durfte. Und ich glaube, das U21-Nationalteam ist auch nichts Schlechtes.“
Noch vor seiner Abreise erhielt Zawieschitzky von Rangnick großes Lob. „Wenn man sieht, wie er gespielt hat, kann man gar nicht glauben, dass er erst 19 ist.“ Er kenne den Teenager schon seit einem Jahr, habe von ihm bereits durch Assistenzcoach Onur Cinel aus dessen Zeit als Salzburg-Trainer gehört und sei deshalb nicht überrascht. „Wir wussten, was für ein großes Talent da heranwächst.“
Anstelle von Zawieschitzky bleibt Lukas Jungwirth, bisher Einsergoalie der U21-Auswahl, beim A-Team. „Sie bekommen ja dafür keinen Blinden“, sagte Rangnick über Zawieschitzky. Mit U21-Teamchef Peter Perchtold habe man klar vereinbart, dass derjenige Goalie, der gegen den Kosovo spielt, danach zu ihm komme.
Debüt im ÖFB-Team – Zawieschitzky: „Etwas sehr spezielles“
Dritter Goalie gegen Irland?
Außerdem gab Rangnick zu bedenken: „Wenn ich Jungwirth zur U21 schicken würde, könnte er ja bei uns nicht spielen.“ Der LASK-Profi ist so wie Florian Wiegele und der gegen Israel eingesetzte WM-Einsertormann Alexander Schlager ein Kandidat für die ausstehenden Partien am Donnerstag in Dublin gegen Irland und am Sonntag in Prishtina gegen Kosovo. „Es ist gut möglich, dass am Donnerstag ein Dritter die Chance bekommt – und mit dem vierten Spiel vielleicht sogar alle vier, auch das würde ich nicht ausschließen“, meinte Rangnick. Diesbezüglich wolle er sich aber nicht festlegen und erst einmal die weiteren Trainingseinheiten abwarten, betonte der Nationaltrainer.
