Hütter hat in Cortina-Abfahrt doppelte Rechnung offen
Österreichs Skirennläuferinnen warten seit 16 Jahren auf eine Olympiamedaille in der Frauen-Abfahrt. Cornelia Hütter, Mirjam Puchner, Nina Ortlieb und Ariane Rädler versuchen am Sonntag in Cortina (11.30 Uhr), diese Leere zu füllen. Niemand will Statistin sein in einem Rennen, das zur großen Show der Lindsey Vonn werden könnte. Die US-Amerikanerin tritt erstmals seit 2018 wieder bei Winterspielen an – mit vor einer Woche zugezogenem Kreuzbandriss.
Elisabeth Görgl gewann 2010 in Whistler Bronze, letzte Olympiasiegerin war Michaela Dorfmeister 2006 in San Sicario – seitdem war Rot-Weiß-Rot am Abfahrtspodest im Zeichen der Fünf Ringe nicht mehr vertreten. Hütter zählt wie Vonn, die Deutschen Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann sowie die Italienerinnen um Sofia Goggia und Nicol Delago sicher zu den Mitfavoritinnen, sie hat als Einzige aus dem österreichischen Team in diesem Winter mit Val d’Isere eine Abfahrt gewonnen.
Dass im Gegensatz zum Weltcup mehr Wellen auf der Tofana-Strecke eingearbeitet wurden, überraschte die Steirerin Hütter, aber das sei kein Problem. „Ich bin in Cortina in der Abfahrt noch nie am Stockerl gewesen, da habe ich noch eine Rechnung offen sozusagen. Ich mag Cortina, wenn das Wetter mitspielt, ist es so schön von der Kulisse her.“ Die 33-Jährige war noch nie unter den ersten fünf, beste Ränge sind zwei sechste Plätze 2019 und 2025. Bei Olympischen Spielen war es 2022 in Peking ein siebenter Platz.
Ortlieb hatte beim Comeback Olympia als Ziel
Als außerordentliche Leistung einzustufen wäre eine Medaille von Ortlieb. Nicht weil es eine Sensation wäre, sondern weil nach derart viel Leidensgeschichte und Verletzungen dem Willen Würdigung gebührt. Ihre bis dato letzte schwere Verletzung erlitt die Vorarlbergerin im Jänner 2025 mit einem Unterschenkelbruch im rechten Bein. Da hatte sie sich gerade erst nach einem Schien- und Wadenbeinbruch zurückgekämpft.
„Olympia war auch am Weg zum Comeback ein ausgesprochenes Ziel. Wenn man es ganz objektiv betrachtet, ist es das leichteste Rennen vom Jahr – wenn man es hingeschafft hat. Es stehen die wenigsten Starter und deswegen auch die wenigsten Konkurrenten am Start“, sagte sie. „Meine Vorbereitung war sehr kurz, mir fehlt sicher der eine oder andere Kilometer“, erklärte die 29-Jährige. Sie will sich auf ihr Skifahren konzentrieren und sich nicht vom olympischen Hype ablenken lassen – den sie eh noch nicht verspürte.
Angesichts des vielen Schneefalls in den vergangenen Tagen sei die Piste hervorragend, teilweise sei es unruhig und die Wellen ausgeprägter als im letzten Jahr. „Die Sprünge gehen weiter und haben mehr Luftstand, aber ich glaube, das ist in Ordnung und bringt Spannung, so lange die Landungen nicht zu sehr ins Flache gehen“, sagte Ortlieb. Es sei eine Strecke, die vieles in sich habe, was eine Olympia-Abfahrt brauche.
Puchner verlässt sich auf Performance bei Großereignissen
An ihren Super-G-Silbermedaillengewinn von 2022 denkt Mirjam Puchner „immer wieder einmal“. Gleich im ersten Olympiarennen so abgeliefert zu haben, sei unglaublich. „Das gibt einen Extra-Boost, darauf kann ich nach wie vor stolz sein.“ Sie habe gezeigt, dass sie mit dem Druck bei Großevents sehr gut umgehen könne. „Darauf kann ich mich verlassen. Wenn es passen muss, hat es gepasst. All in gehen. Ein vierter Platz beim Großevent nützt dir nichts.“
Rädler nimmt aus ihrer bisherigen Erfahrung von Großereignissen mit, dass sie sich immer zu sehr versteift habe auf 1, 2 oder 3. „Es ist einfach wichtig, dass ich das zeige, was ich kann. Dass ich gut Ski fahre, damit das andere auch klappt. Ich arbeite mental, versuche, es wie normales Weltcuprennen zu nehmen“, sagte die Vorarlbergerin. „Es ist meine Einstellung gerade, dass ich es nicht so hoch bewerte und so einfach wie möglich halte.“ Der 31-Jährigen fehlt noch ein Top-15-Ergebnis bei einem Großereignis.
(APA) Foto: Imago
