Jakob Pöltl vor NBA-Draft: „Das wird ein richtig cooler Tag“
New York (APA) – Der Donnerstag wird sein großer Tag. Jakob Pöltl erfährt beim Draft in New York den Club, bei dem er seine NBA-Karriere starten wird. Der 20-jährige Wiener wird zum ersten Österreicher in der besten Basketball-Liga der Welt. Vorgespielt hat der 2,13-Meter-Mann bei den Boston Celtics, Phoenix Suns, Minnesota Timberwolves, Toronto Raptors, Milwaukee Bucks, Orlando Magic und den Chicago Bulls.
Bei welchem Team wird Pöltl landen?
Pöltl gilt als fast sicherer Top-10-Pick. Als solcher darf er schon zu Saisonstart Ende Oktober mit Einsätzen rechnen. Zum Draft begleiten ihn seine Familie, einige Freunde und sein College-Trainer Larry Krystkowiak von der Universität von Utah. Mit der APA – Austria Presse Agentur sprach Pöltl über seine Vorfreude auf den Abend in Brooklyn, seinen Traum vom NBA-Titel und die laufende Fußball-EM in Frankreich.
APA: Sie stehen vor der Realisierung Ihres großen Traumes. Was haben sie in den vergangenen Monaten der Draft-Vorbereitung über das Profitum gelernt?
Pöltl: „Wenn man als Rookie reingeworfen wird in dieses neue Leben, da werden einige Herausforderungen auf mich zukommen, mit denen ich umgehen lernen muss. Ich habe viel erlebt, aber das Lernen geht dann so richtig los, wenn ich bei meinem Team bin.“
APA: Was sind Ihre ganz großen Stärken, die Sie in der NBA einbringen können? Was macht Sie aus?
Pöltl: „Meine größten Stärken sind, dass ich beweglich bin und rennen kann. Im Vergleich zu anderen Spielern, die ähnlich groß sind, bin ich schneller auf den Beinen. Was mir wirklich hilft beim Basketball, sind die guten Instinkte, dass ich das Spiel gut verstehe, dass ich gut auf Situationen reagieren kann.“
APA: Sie werden als Spieler mit guten Chancen auf die Top 10 gehandelt. Was bedeutet für Sie – unabhängig vom Finanziellen – die Position, auf der Sie ausgewählt werden?
Pöltl: „Die Position selbst ist mir nicht so wichtig. Wenn es hoch oben ist, werde ich mich nicht beschweren. Aber mir ist es lieber, dass ich später gedraftet werde und bei einem Team bin, bei dem ich gut hineinpasse, das mir taugt, bei dem ich mich entwickeln kann, als dass ich früher genommen werde und dann passe ich nicht wirklich hinein. Das Team muss passen, dann bin ich froh, wenn es so früh wie möglich ist.“
APA: Was ist Ihnen wichtiger – ein Team, bei dem Sie viel Spielzeit bekommen, ein Team mit hohen Ambitionen, der Trainer, das Umfeld, die Mitspieler?
Pöltl: „Es geht hauptsächlich um Umfeld und Trainer – um Spielzeit nur bedingt. Ich erwarte mir nicht, dass ich unglaublich viel spiele in meiner ersten Saison. Es geht mehr darum, in einer Situation zu einem Team zu kommen, in der ich mich entwickeln kann. Ob das durch viel Spielzeit ist oder durch gute Mitspieler, die mich besser machen, weil ich von ihnen und von den Trainern lernen kann, ist egal.“
APA: Was macht Sie zuversichtlich, von Anfang an auch für viel Spielzeit bereit zu sein?
Pöltl: „Es wird auf keinen Fall leicht. Ich bin ein Spieler, der sich weiterentwickeln wird. Ich bin jetzt noch nicht zu 100 Prozent ‚NBA-ready‘ sozusagen. Aber in solchen Situationen bin ich immer gut. Ich werde jetzt nicht der Topscorer sein. Ich werde für die kleineren Sachen zuständig sein, in denen ich gut bin – zum Beispiel in der Defense. Ich bin ein guter Mitspieler. Ich glaube, es wird auch nicht von mir erwartet, dass ich in meinen ersten Saisonen die Punkte mache für mein Team.“
APA: Mit welchem längerfristigen Ziel steigen Sie in die Liga ein? Was sind die Träume, die man noch hat?
Pöltl: „Das geht so in Richtung NBA-Championship, All-Star und solche Sachen. Das wird ziemlich sicher noch ein paar Jahre dauern – wenn überhaupt, dass das realistisch ist. Aber das sind so die Ziele. Erstmal kurzfristig, dass ich mich etabliere in der NBA, meine Minuten raufschraube und mich ordentlich entwickle als Spieler. Längerfristig sind es dann NBA-Titel und so etwas.“
APA: Sie haben viele Workouts bei vielen verschiedenen Teams absolviert. Gibt es für Sie ein Traumszenario?
Pöltl: „Das gibt es nicht wirklich. Es gibt einige Teams, bei denen ich besser dazupassen würde als bei anderen. Und dann gibt es welche, bei denen ich mir denke: Das wäre eher schlecht für mich. Aber im Endeffekt kann es auch sein, dass ich komplett falsch liege und ein Team, bei dem ich es mir nicht gedacht hätte, bei dem passt auf einmal alles perfekt zusammen. Es ist schwer vorauszusagen.“
APA: Es ist auch für den österreichischen Basketball ein historischer Moment, wenn Sie als erster Spieler gedraftet werden. Wie nehmen Sie das selbst wahr? Welche Bedeutung hat dieser Tag für Sie?
Pöltl: „Er bedeutet sehr viel. Einerseits, weil ich endlich erfahre, wo ich sein werde, wo ich spielen werde die nächsten Jahre. Andererseits freue ich mich, weil so ein bisschen ein Traum in Erfüllung geht. Dass ich der erste Österreicher sein werde, der in der NBA spielen wird, macht das Ganze noch einmal schöner. Ich glaube, das wird ein richtig cooler Tag.“
APA: Wie sehr haben Sie diesen Tag schon herbeigesehnt?
Pöltl: „Es ist schon eine große Vorfreude, vor allem weil dieser Prozess mit den ganzen NBA-Workouts schon sehr hart war. Deswegen bin ich auch ein bisschen froh, dass es jetzt vorbei ist.“
APA: Mit dem Stress der vergangenen Wochen – haben Sie überhaupt Gelegenheit gehabt, die Fußball-EM in Frankreich zu verfolgen?
Pöltl: „Ich habe schon mitgeschaut. Es ist nicht so leicht, weil die meisten Spiele am Vormittag bis in der Früh sind, aber es werden alle übertragen. Die Österreich-Spiele habe ich mir schon angeschaut und auch einige andere.“
APA: Der Start der Österreicher war nicht ganz so einfach. Was trauen Sie ihnen noch zu?
Pöltl: „Ich glaube, sie hätten sich das anders vorgestellt. Sie haben nicht so gut gespielt, wie sie schon gezeigt haben, dass sie es können. So gesehen ist es ein bisschen schade. Mit dem letzten Gruppenspiel ist aber noch alles möglich. Dass wir jetzt gewinnen müssen, wenn wir aufsteigen wollen, ist klar.“
APA: Was würden Sie sich wünschen am Mittwoch für Österreich-Island und am Donnerstag für Jakob Pöltl beim NBA-Draft?
Pöltl: „Ich würde mir einen Sieg und den Aufstieg wünschen. Und am Donnerstag würde ich mir wünschen, dass es ein geiler Abend wird, und dass ich mich über das Team freuen kann, bei dem ich lande.“