Zwei Vereine sind bereits ausgeschieden, zwei weitere italienische Klubs stehen mit dem Rücken zur Wand: Für die Serie-A

„Kein Tempo“ – Trainer-Legende rechnet nach Inter-Aus mit Italiens Fußball ab

Zwei Vereine sind bereits ausgeschieden, zwei weitere italienische Klubs stehen mit dem Rücken zur Wand: Für die Serie-A-Teams läuft es in der diesjährigen Champions-League-Saison überhaupt nicht.

Einen Tag nach dem überraschenden CL-Aus von Vorjahresfinalist Inter Mailand gegen Bodö/Glimt (1:2 / Hinspiel 1:3) herrscht in Italien Katerstimmung. „Für Inter endet die Champions League mit einer Blamage“, schreibt die Gazzetta dello Sport, der Corriere dello Sport meint: „Bodö macht dem San Siro Schüttelfrost“. Doch nicht nur für Inter ist es eine internationale Saison zum Vergessen.

HIGHLIGHTS | Inter Mailand – Bodö/Glimt | CL-Playoff-Rückspiel

Inter & Napoli bereits raus – Juve & Atalanta brauchen Aufholjagd

Neben den Nerazzurri, die in der Serie A mit zehn Punkten Vorsprung auf Rang eins liegen, ist der amtierende Meister Napoli bereits in der Ligaphase der Champions League gescheitert. Mit zwei Siegen, zwei Unentschieden und vier Niederlagen beendeten die Partenopei den Grunddurchgang nur auf Rang 30.

Für die italienischen Vertreter verlief die Ligaphase in der Königsklasse generell mau. Inter legte gut los, wurde letztlich aber nur Zehnter und musste ebenso wie Juventus (13. Platz) und Atalanta (15. Platz) ins K.o.-Playoff. Die beiden Letztgenannten laufen am heutigen Mittwoch (ab 18 Uhr live auf Sky Sport Austria – streame mit Sky X) einem Rückstand hinterher. Atalanta muss gegen Borussia Dortmund ein 0:2-Defizit aus dem Hinspiel aufholen, noch schwieriger wird es für Juventus. Die Alte Dame muss gegen Galatasaray ein 2:5 umdrehen, um doch noch ins Achtelfinale zu kommen.

Trainer-Ikone Capello beklagt „zu niedriges Tempo“ in der Serie A

Die italienische Trainer-Legende Fabio Capello spricht bei Sky Sport Italia von größtenteils hausgemachten Problemen. „Der italienische Fußball spielt in zu niedrigem Tempo. Wenn italienische Teams auf Mannschaften treffen, die viel laufen und hoch pressen, dann bekommen sie Probleme. Wenn das Tempo angezogen oder die Intensität erhöht wird, fehlen sowohl die Qualität als auch die Gewohnheit, damit umzugehen. So passieren Fehler“, meint Capello.

Der 79-Jährige geht noch weiter ins Detail: „Wir sind es nicht gewohnt, aggressiv zu sein. In der italienischen Liga wird sofort gepfiffen, sobald etwas härter gespielt wird. Die Spieler werfen sich auf den Boden.“ Statistisch ist das nur am Rande messbar.

Zu viele Foulpfiffe in Italien?

In 26 Serie-A-Spieltagen wurden in diesem Jahr insgesamt 6.791 Fouls gepfiffen, das sind durchschnittlich etwa 340 Fouls pro Mannschaft. In der Premier League liegt der Gesamtwert nach 27 Spieltagen bei 5.825 Fouls, das entspricht 291 Vergehen pro Team. Konkret heißt das: In der Serie A werden 13,07 Fouls pro Spiel geahndet, in der historisch härter-geführten Premier League sind es nur 10,74 Fouls pro Partie. In der Champions League ist die Gesamtmenge an Spielen deutlich geringer, nach den acht Spieltagen der Ligaphase ergibt sich ein Wert von 11,33 Fouls pro Match.

Einen klaren Zusammenhang zwischen Capellos Einordnung und den statistischen Werten zu finden ist jedoch schwierig. Auch wenn eine Tendenz erkennbar ist, die Capellos Aussagen stützen, müssten die Foulpfiffe in den unterschiedlichen Ligen im Detail analysiert werden.

Bastoni-Schwalbe als Sinnbild für den italienischen Fußball?

Die Themen Schiedsrichter, VAR und Ethik waren in Italien zuletzt omnipräsent. Im Derby d’Italia zwischen Inter und Juventus (3:2) am 14. Februar kam es zu einer Simulations-Affäre um Inter-Verteidiger Alessandro Bastoni, die für hitzige Diskussionen über den Status quo des italienischen Fußballs sorgte.

Bastoni hatte Schiedsrichter Federico La Penna mit einer offensichtlichen Schwalbe getäuscht und damit eine Gelb-Rote Karte für Juve-Akteur Pierre Kalulu provoziert. Der ausgelassene Jubel des italienischen Nationalspielers nach dem Platzverweis sorgte weit über den Fußball hinaus für Empörung.

Alessandro Bastoni jubelt nach einer Schwalbe über den Ausschluss gegen Juve-Spieler Pierre Kalulu. Bild: Imago

„Das sind dann (international) die Ergebnisse“, schimpft Capello, wohl auch mit Blick auf die jüngsten Ereignisse in der Serie A, und bekräftigt erneut: „Wir spielen in zu niedrigem Tempo, und wenn das passiert, wird es schwierig.“

Italien im europäischen Spitzenwettbewerb schon lange titellos

Fakt ist: Zwei von vier italienischen Vereinen sind bereits vor dem Achtelfinale aus der Champions League ausgeschieden. In der Europa League steht die Roma schon als Achtelfinal-Teilnehmer fest, Bologna will am Donnerstag nachziehen. In der Conference League zählt die Fiorentina sicherlich zu den Mitfavoriten, zuerst muss die Viola allerdings das K.o.-Playoff überstehen.

In der zweiten und dritten Etage des europäischen Klubfußballs kann Italien in der jüngeren Vergangenheit mehrere Erfolge vorweisen. So gewann Atalanta Bergamo 2023/24 sensationell die Europa League, zwei Jahre früher siegte die Roma in der Premierenauflage der Conference League. Der Fiorentina gelangen im letzteren Bewerb außerdem zwei Finalteilnahmen (2022/23 & 2023/24). Die Roma stürmte 2022/23 bis ins Finale der Europa League vor.

In der Champions League ist der letzte italienische Triumph schon mehr als 15 Jahre her. 2009/10 schnappte sich Inter gleich das Triple. Seitdem konnte Juventus in seiner Glanzzeit zweimal bis ins Finale vorstoßen (2014/15 & 2016/17), hatte jedoch beide Male gegen die spanischen Topklubs FC Barcelona und Real Madrid das Nachsehen. Nach längerer Abstinenz erreichte Inter 2022/23 das Endspiel und verlor knapp gegen Manchester City. Der zweite Finaleinzug binnen drei Jahren ist erst wenige Monate her. Dort kassierte Inter eine 0:5-Abfuhr von Paris Saint-Germain.

HIGHLIGHTS | Paris Saint-Germain – Inter Mailand | CL-Finale

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Datenquelle: OPTA

Beitragsbild: Imago