Köllerer über den Tennis-Wettskandal: „Kann mir nicht vorstellen, dass einer der Top 4 dabei ist“
Ein Manipulations-Verdacht im Profitennis hat den Auftakt der Australian Open am Montag in Melbourne überschattet: Nach Informationen der BBC und BuzzFeed News sollen in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 16 Spieler aus den Top 50 – darunter auch Grand-Slam-Sieger – in Match-Manipulationen involviert gewesen sein.
Sky Sport News HD Reporterin Lisa Insam hat mit Daniel Köllerer über die jüngsten Enthüllungen gesprochen. Im Jahr 2011 wurde der heute 32-Jährige wegen angeblicher Spielmanipulationen lebenslang gesperrt.
Wie überraschend kommen die jüngsten Enthüllungen für Sie?
Daniel Köllerer: Ja ich habe das jetzt schon einige Male gesagt und sage es immer wieder: einerseits überrascht es mich, andererseits überrascht es mich gar nicht. Was mich überhaupt nicht überrascht ist, dass Wettmanipulation im Tennis immer mehr und mehr wird. Das war damals bei mir schon so, als ich noch aktiv gespielt habe –das ist jetzt fünfeinhalb Jahre her. Was mich natürlich erschüttert ist, dass angeblich einer der Top 4 auch in Wettmanipulation involviert sein soll. Da bin ich sehr gespannt, was an der Geschichte dran ist und was dann auch passiert. Weil wenn es so ist wie bei meinem Verfahren, wo die Aussagen gegen einen sprechen wie es bei mir war, nüsste er lebenslänglich gesperrt werden.
Können Sie sich vorstellen, dass einer der Topspieler dabei ist?
DK: Ich kann mir das nicht einmal annähernd vorstellen. Ein Djokovic, Federer, Nadal, Murry sind schwerste Multimillionäre. Die haben alle 40, 50 Millionen oder noch mehr – Federer kann heuer die 100 Millionen-Hürde knacken, wenn ich mich richtig erinnere. 500.000 euro wenn er ein Match verliert ist für ihn ein Tropfen auf den heißen Stein. Der wird diese Kontobewegung gar nicht merken. Es wäre einfach dumm, wenn so ein Topspieler seine Reputation und sein Image wegen einer solchen Dummheit auf Spiel setzen würde. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass einer der Top 4 dabei ist.
Was glauben Sie würde die ATP tun, wenn wirklich einer dieser Top Spieler dabei wäre?
DK: Ich glaube, dass die ATP das Ganze sehr gut vertuschen würde, dass da nichts ans Tageslicht kommen würde – außer irgendwelche Außenstellen oder Insider haben irgendwelche Beweise, die dann veröffentlicht werden. Ich glaube, dass es dann für die ATP auch sehr, sehr düster wird.