Koller: „Fahren nicht nach Frankreich, um nur dabei zu sein“

via Sky Sport Austria
  • Der Teamchef bei Sky Sport News HD: „Wollen Gruppe überstehen – das muss unser Anspruch sein“
  • Über den Kader: „Gibt keinen Grund, alles auf den Kopf zu stellen“
  • Über Michael Gregoritsch: „In der U21 super, aber bei uns ist es nochmal eine Stufe höher, schneller“
  • Über Martin Hinteregger: „Er muss sich konzentrieren – Talent alleine reicht nicht“

Wien, 26. Dezember 2015. Im Interview mit Sky Sport News HD spricht ÖFB-Teamchef Marcel Koller über das zu Ende gehene Jahr 2015, die EM in Frankreich und die Personalien Michael Gregoritsch und Martin Hinteregger.

Marcel Koller:

…auf die Frage, ob 2015 – ein Jahr ohne Rückschläge – das erfolgreichste Jahr seiner Trainerkarriere gewesen sei: „Die Trainerarbeit im Klub und im Nationalteam ist schwer miteinander zu vergleichen, aber natürlich: Wenn man sich rein die Ergebnisse angeht, war 2015 extrem erfolgreich. Es war auch für mich eine große Freude, wie die Jungs das umgesetzt haben, wie sie mit viel Selbstvertrauen auf dem Platz stehen, wie sie die Idee – die wir vier Jahre versucht haben, zu vermitteln – auf den Platz bringen. Das macht natürlich extrem viel Spaß und gibt auch wieder Energie, da weiter dran zu bleiben.“

…über das kommende Jahr und wie man 2015 toppen könne: „Das ist wohl eine Fangfrage. Aber es ist natürlich richtig, dass wir nicht nach Frankreich fahren, um einfach nur dabei zu sein. Es ist alles schön und gut, wir haben uns aus eigener Kraft qualifiziert, haben zwei Runden vor Ende alles geschafft. Diese Dinge sind aber vorbei. Wir wollen nach Frankreichen und die Gruppe überstehen – das muss unser Anspruch und unser Ziel sein. Wir können nichts versprechen, aber man muss auch Vertrauen in die Mannschaft haben. Diese Angst, dass wir nur hinfahren, um dabei zu sein, die brauchen wir nicht.“

…über seinen Kader für die nächsten Monate bzw. die EM: „Es gibt keinen Grund, alles auf den Kopf zu stellen, es ist aber nichts in Stein gemeißelt. Der Stamm ist nicht automatisch dabei. Wir wollen nach Frankreich fahren, um das Beste rauszuholen. Es ist schon wichtig, dass wir seriös versuchen, richtige Entscheidungen zu treffen. Es gibt sicher Härtefälle – aber das ist so und da wird man drüberstehen. Das Team ist das entscheidende, nicht die einzelne Person.“

…über Michael Gregoritsch: „Ein junger Spieler, der jetzt in Hamburg regelmäßig zum Spielen kommt. Bei uns, denke ich, wäre die Position weiter vorne eine Möglichkeit – ich möchte aber nicht spekulieren. Weil es macht schon einen Unterschied…in der U21 ist alles super, er schießt seine Tore, aber bei uns ist es nochmal eine Stufe höher, schneller. Wir werden ihn beobachten und für uns die hoffentlich richtige Entscheidung treffen.“

…über Martin Hinteregger: „Ich habe natürlich mit den Verantwortlichen und mit ihm selbst beim letzten Lehrgang gesprochen. Grundsätzlich ist natürlich wichtig, dass er auf den Fußball fokussiert ist. Die Nebengeschichten sind schlecht für ihn, schlecht für den Verein, weil er ein wichtiger Spieler ist. Da kann ich ihm nur mitgeben, dass er sich konzentrieren muss, gerade auch jetzt ein halbes Jahr vor der EM. Talent alleine reicht nicht. Wir brauchen konzentrierte Leistung, fokussierte Spieler. Wenn wir irgendwie spüren, dass das nicht der Fall ist, müssen wir da natürlich eingreifen. Es kann dann natürlich sein, wenn die ‚Endabrechnung‘ kommt, also der 23-Mann-Kader für die EM bekannt gegeben werden muss, dass Spieler dann vielleicht nicht dabei sind, die sich womöglich ausrechnen, dass sie automatisch dabei sind. Da können wir nichts versprechen. Es gilt, die Besten fürs Team, aber auch für eventuelle Gegner und taktische Möglichkeiten, herauszufiltern. Da muss jeder Gas geben. Wenn einer – nicht nur auf Martin bezogen – nur Geschichten in der Presse macht und nicht auf dem Platz, ist es sicher der falsche Weg.“

Bild: GEPA