„Kotzt mich richtig an“: Deutsche Skispringer nach ÖSV-Gold sauer
Für den ÖSV endeten die Olympischen Spiele dank der Goldmedaille für Stefan Embacher und Jan Hörl im Super-Team-Bewerb doch noch versöhnlich. Ganz anders war die Gemütslage nach dem letzten Olympia-Springen im deutschen Lager.
Das Duo Philipp Raimund und Andreas Wellinger fühlte sich durch den vorzeitigen Abbruch um eine Medaillenchance gebracht. Im letzten von drei Durchgängen des neuen Olympia-Bewerbs hatte Deutschland nach einem mäßigen Wellinger-Sprung eigentlich alle Medaillenchancen verspielt. Raimund aber gelang im einsetzenden Schneetreiben ein Traumflug – Bronze war plötzlich wieder ganz nah.
Dann aber wurde der Schneefall immer heftiger, die Jury um Renndirektor Sandro Pertile stoppte den Wettkampf erst – und brach dann ab.
Gewertet wurde der Stand nach zwei Durchgängen. Und der sah das ÖSV-Duo mit Jan Hörl und Stephan Embacher deutlich vor Polen (Pawel Wasek/Kacper Tomasiak) und Norwegen (Johan Andre Forfang/Kristoffer Eriksen Sundal). Raimund/Wellinger fehlten demnach 0,3 Punkte und umgerechnet gerade einmal 16 Zentimeter auf Edelmetall.

Deutsche wüten: „Miserabel gearbeitet“
Die Entscheidung sorgte im deutschen Lager für viel Wut und Unverständnis: „Ich bin sehr unglücklich. Jetzt, nachdem ich gesagt habe, dass eine 15-minütige Pause auch möglich gewesen wäre, realisiere ich, dass sie es auch einfach hätten machen können. Ich weiß nicht, was das Problem ist. Es kotzt mich ehrlich gesagt richtig an“, polterte Raimund, der auf der Normalschanze Olympiagold gewonnen hatte. Raimunds Teamkollege Wellinger fasste die Situation kurz und knapp zusammen: „Es ist einfach beschissen gerade.“
Auch der deutsche Sportdirektor Horst Hüttel ließ seinem Ärger über die verpasste Medaillenchance freien Lauf: „Ich bin richtig sauer, weil es keiner von uns versteht. Alle Wetter-Apps haben angezeigt, dass nach 10 Minuten der Schneefall aufhört. Ich verstehe nicht, dass man nicht so eine gewisse professionelle Besonnenheit hat, um diese zehn Minuten noch abzuwarten. Ich bin einfach wütend, dass man allen Beteiligten nicht die Chance gegeben hat, hier diesen Wettkampf zu Ende zu bringen.“
Witterten die Deutschen sogar Betrug? „Betrogen weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass es vorsätzlich war. Das will ich keinem unterstellen. Es ist einfach schlecht gearbeitet. Miserabel und schlecht gearbeitet“, wurde Hüttel deutlich.
„Begrenzte TV-Zeit“: FIS verteidigt Entscheidung
Deutschlands österreichischer Cheftrainer Stefan Horngacher meinte, der Abbruch habe die „endgültige Chance“ auf eine Medaille gekostet. „Es wäre nicht so schwer gewesen, hier schneller durchzufahren oder eine kurze Pause einzulegen und zu warten, bis der Schnee weg ist.“
Die FIS verteidigte nach dem umstrittenen Abbruch die Entscheidung der Jury. „Nach dem Wettkampf ist es einfach zu sagen, man hätte warten sollen. Aber wir mussten eine Entscheidung treffen. Wir wissen alle, dass wir begrenzte TV-Zeit haben“, sagte FIS-Direktor Sandro Pertile.
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