Kramer-Absenz: Österreich bei Mixed-Premiere in Außenseiterrolle
Acht Jahre nach dem Olympia-Debüt gehen die Skispringerinnen am Montag (12.45 Uhr MEZ) erstmals zum zweiten Mal in einem Winterspiele-Programm über den Bakken. Allerdings nur einige davon, denn bei der Neuerung handelt es sich um das Mixed mit je zwei Startplätzen je Geschlecht. Die vor kurzem guten Medaillenchancen Österreichs in dieser Konkurrenz sind durch die corona-bedingte Absenz von Sara Marita Kramer gesunken. Aber es gibt Aufwind durch Silber von Manuel Fettner.
Es wurde bei den Österreichern nach dem Ergebnis der Einzelbewerbe von der Normalschanze aufgestellt. Demnach ist neben Fettner der zehntplatzierte Stefan Kraft mit von der Partie, aus der Frauen-Equipe werden die achtplatzierte Lisa Eder und die auf Platz zwölf gekommene Daniela Iraschko-Stolz dabei sein. Für Eva Pinkelnig und die für die wie Kramer corona-positive Jacqueline Seifriedsberger nachnominierte Sophie Sorschag sind diese Spiele damit sportlich zu Ende.
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Bei den rot-weiß-roten Frauen wurde ein am Sonntagnachmittag (Ortszeit) absolviertes offizielles Training miteinbezogen, am Eindruck vom Vortag änderte sich aber nichts. Das auch, da Iraschko-Stolz in Bezug auf ihre leidenden Beine Entwarnung gab. Die Lage entwickelte sich vorteilhaft: „Obwohl ich das Knie viel strapaziert habe, ist es nicht schlechter geworden.“ Die Arbeit mit dem Physiotherapeuten habe sich ausgezahlt. „Es ist nicht gut, es ist ein Defizit. Aber es ist absolut springbar.“
Sie habe das Gefühl, dass sie von Sprung zu Sprung sicherer und besser werde. „Ich weiß, dass ich Potenzial habe, dass ich fünf bis zehn Meter weiter springen kann“, sagte Iraschko-Stolz. „Das werden die Meter sein, auf die die Jungs und ich hoffen. Ich habe von uns allen das größte Steigerungspotenzial. Ich kämpfe.“
Trotz allem weiß Kraft, dass die Chancen im Mixed durch Kramers Absenz gesunken sind. „Die Sara bräuchten wir wie die Butter am Brot, sie ist die beste Skispringerin der Welt“, brachte es der Salzburger auf den Punkt. „Die bräuchten wir unbedingt, das ist unglaublich bitter.“ Die Stimmung im Team sei aber jedenfalls gut. „Wir sind eine lässige Truppe. Jeder hat gute Sprünge gezeigt.“
Fettner sah die Chance jedenfalls intakt. „Wir müssen alle vier einen guten Job machen, dann sehen wir was rauskommt. Eine Medaille ist immer drin.“
Den Mixed-Weltcup am 28. Jänner in Willingen hatte Slowenien vor Norwegen gewonnen. Österreichs Equipe mit Pinkelnig, Daniel Huber, Kraft und Kramer wurde knapp vor Deutschland Dritter. Dahinter landete Japan. Diese fünf Teams sollten auch diesmal die Medaillen untereinander ausmachen, wobei die Slowenen Favoriten sind. Sie holten im Frauen-Einzel Gold und Bronze. Bei den Polen sind die Männer zwar wiederstarkt, da fehlt es aber auf Seite der Frauen.
„Null Kontakt“: Skispringerinnen-Trainer Rodlauer verärgert
Der aufgrund seiner Corona-Kontaktquarantäne in Österreich gebliebene Skispringerinnen-Erfolgscoach Harald Rodlauer ist erbost über die Mannschaftsführung und seinen Olympia-Ersatzmann Thomas Diethart. „Es sind im Nachhinein Sachen entschieden worden, die nicht mit mir besprochen wurden. Es hat mich keiner um Rat gefragt, ich hatte null Kontakt mit der sportlichen Führung“, ärgerte sich Rodlauer gegenüber der „Tiroler Tageszeitung“ (Sonntag).
Interims-Coach Diethart habe ihn seit Mittwoch kein einziges Mal kontaktiert und keinerlei Videomaterial mit ihm geteilt. Das sei bedenklich, denn „so geht man mit einem langjährigen Trainer nicht um“, betonte der 55-jährige Steirer. Der mit wenig Trainererfahrung ausgestattete Ex-Springer Diethart (29) war erst vor einigen Wochen als Assistent von Rodlauer eingesetzt worden. Das Team hatte ohne Sara Marita Kramer im Einzel enttäuscht.
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Diese Aussagen von Rodlauer schmeckten Mario Stecher, Sportlicher Leiter für Skispringen und Nordische Kombination im ÖSV, gar nicht. „Ich habe mit ihm über den Artikel geredet und habe ihm gesagt, dass ich das natürlich absolut nicht goutieren kann. Wir reden so viel über das ganze Jahre hinweg“, sagte Stecher in China zur APA. Bei Rodlauer hätte Enttäuschung über sein Olympia-Aus mitgespielt. „Natürlich wäre er gern da gewesen, und hätte gern mit einer Sara Kramer vielleicht eine Medaille gefeiert. Wir haben uns das intern ausgemacht.“
Für ihn sei die Angelegenheit damit erledigt. „Wir haben das ausgeredet, von mir auch Schwamm drüber.“ Ob tatsächlich tagelang kein Kontakt mit Rodlauer aufgenommen worden sei, beantworte Stecher so: „Bei Kontakt ist immer wichtig, dass er auch auf Gegenseitigkeit beruht.“
Im Olympiabewerb hatten die ersatzgeschwächten Österreicherinnen nichts mit der Medaillenentscheidung zu tun gehabt. Lisa Eder wurde als beste Österreicherin Achte. Ex-Weltmeisterin Daniela Iraschko-Stolz belegte behindert von Knieschmerzen Rang zwölf, Eva Pinkelnig Platz 20. Hinzu kam die Disqualifikation von Sophie Sorschag aufgrund eines regelwidrigen Anzugs.
Wie Weltcupseriensiegerin Kramer fehlte auch Jacqueline Seifriedsberger wegen eines positiven Coronatests. Beide mussten daheimbleiben und sind auch am Montag im Mixed-Bewerb nicht dabei. „Wir sind die erfolgreichste Sparte im ÖSV, und ich habe den Eindruck, als wären die letzten vier Jahre umsonst gewesen“, so Rodlauer.
(APA).
Beitragsbild: GEPA.
