Liensberger fand für Flachau-Party „nicht den Rhythmus“
Für ein rot-weiß-rotes Skifest in Flachau war alles angerichtet. Doch auch 1,5 Sekunden Vorsprung reichten Katharina Liensberger nicht, um die heranbrausende Camille Rast aus der Schweiz zu bändigen. „Ich wollte die Chance nützen, ich wusste, sie bietet sich mir jetzt“, sagte Liensberger. „Es waren so viele Leute da, ein wunderschönes Rennen. Da will man natürlich performen. Dementsprechend bin ich auf volle Attacke gefahren, aber das Gefühl war nicht so da.“
Dass es den vierten Weltcupsieg vor Augen dann nicht einmal zum dritten Podestplatz der Saison reichte, hinterließ bei der nur viertplatzierten Vorarlbergerin einerseits eine „riesige Enttäuschung“. „Andererseits nehme ich viel Gutes mit. Ich kann darauf arbeiten, daraus lernen und die nächsten Rennen kommen bald“, sagte Liensberger, die mit einer gewaltigen Halbzeitführung von 0,75 Sekunden auf die letztlich zweitplatzierte Schweizerin Wendy Holdener überrascht hatte.
Liensberger, die Solokämpferin
Durch einen frühen Fehler im Flutlicht-Finale aber ließ sich die Ex-Weltmeisterin den Schneid abkaufen. „Man hat die Spuren gut treffen müssen, ich bin leider nicht in den Rhythmus gekommen, dass ich ans Limit hätte gehen können. Gott sei Dank bin ich im Kurs geblieben, es war zweimal knapp.“ Nichts wurde es mit dem ersten Flachau-Sieg seit Marlies Raich vor 14 Jahren. Liensbergers letzter Sieg vom März 2022 in Åre ist weiter der letzte Frauensieg im Technikbereich für den ÖSV.
Sie war bemüht, auch in der Stunde der Enttäuschung das Positive zu sehen. Etwa ihren schnellen Schwung, mit dem sie auch in drei Wochen in Saalbach um die WM-Medaillen mitmischen will. „Wenn die Generalprobe nicht so läuft, dann passt’s ja normal zum Event“, sagte Liensberger mit Blick auf die Titelkämpfe. Den Fokus im Training zuletzt auf die ersten Tore gelegt zu haben, zahlte sich im ersten, famosen Durchgang augenscheinlich aus. „Schön, dass ich es jetzt einmal im ersten Lauf gezeigt habe. Wenn ich jetzt den ersten und einen guten zweiten noch zusammenstückle, dann habe ich ein Rennen, wie ich es mir vorstelle“, sagte die Solokämpferin des ÖSV an der Slalom-Weltspitze.
Nacht-Riesentorlauf weiter ÖSV-Wunsch
Mit Katharina Huber als 15. kam nur noch eine zweite Österreicherin in die Punkteränge. Katharina Truppe schied bereits im ersten Durchgang aus. Somit änderte sich nichts an der Lageeinschätzung, die Trainer Klaus Mayrhofer bereits im Vorfeld des Rennens aufgestellt hatte. Den etablierten Kräften fehle es an interner Konkurrenz. „Ich wünsche mir sehr viel mehr Druck“, sagte Mayrhofer. „Es kommen zum Glück ein paar junge Läuferinnen nach, aber das braucht noch Zeit.“ Die Angesprochenen belegten in Flachau Plätze zwischen 32 und 43.
Für das „Schladming der Frauen“, wie ÖSV-Präsidentin Roswitha Stadlober das Flachauer Nightrace bezeichnete, werden weiter Pläne über einen Nacht-Riesentorlauf gewälzt. „Zwei Rennen zu haben, wäre schön. Für ein Rennen ist der Aufwand schon groß“, sagte Stadlober. Im Skiverband ist man skeptisch, dass sich das Vorhaben bereits 2026 realisieren lässt. Den diesjährigen Nachtslalom besuchten am Dienstag offiziell 11.700 Menschen.
(APA) / Artikelbild: GEPA
